Urteile in Prozess um Mord an Lehrer Paty in Paris erwartet
08.12.2023 - 08:03:31 | dpa.deDer barbarische Mord an dem Lehrer Samuel Paty riss in Frankreich vor drei Jahren eine tiefe Wunde, die bis heute nicht verheilt ist. Daran dĂŒrften auch die an diesem Freitag erwarteten Urteile in einem ersten Prozess um den islamistisch motivierten Terrorakt kaum etwas Ă€ndern. Vor einem Pariser Jugendgericht mussten sich sechs SchĂŒler verantworten, die mit der Bluttat etwas zu tun gehabt haben sollen.
Am 16. Oktober 2020 hatte ein 18-JÀhriger den Geschichtslehrer in einem Pariser Vorort getötet und dann enthauptet. Die Polizei erschoss damals den TÀter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln.
Jugendliche auf der Anklagebank
Vor der Tat war im Internet gegen Paty gehetzt worden, weil er im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. FĂŒnf SchĂŒler sollen dem AttentĂ€ter dabei geholfen haben, den 47-jĂ€hrigen Lehrer zu erkennen. Den Jugendlichen, die zur Tatzeit 14 und 15 Jahre alt waren, wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Eine damals 13-jĂ€hrige SchĂŒlerin muss sich wegen einer falschen Anschuldigung verantworten, die der Auslöser fĂŒr die Tat gewesen sein soll. Demnach habe sie zu Hause von einer PrĂ€sentation der umstrittenen Karikaturen geredet, obwohl sie an dem Tag gar nicht in der Schule war.
In Frankreich gelten Kinder im Allgemeinen ab 13 Jahren als strafmĂŒndig. Allen Angeklagten drohen bis zu zweieinhalb Jahre Haft. Bei dem Prozess war die Ăffentlichkeit ausgeschlossen. Was die SchĂŒler zum Geschehen aussagten, drang nicht nach drauĂen. Weiteren Aufschluss ĂŒber die UmstĂ€nde, die zu der Tat fĂŒhrten, wird es fĂŒr die Ăffentlichkeit deshalb erst Ende 2024 beim Prozess gegen acht erwachsene Angeklagte geben. Sie sollen den Angreifer teils unmittelbar bei der Vorbereitung seiner Tat unterstĂŒtzt haben.
AttentÀter bot 300 Euro
Die fĂŒnf angeklagten SchĂŒler seien eher zufĂ€llig zu Gehilfen geworden, berichtete das Magazin «L'Obs» unter Verweis auf deren Vernehmungen. Der AttentĂ€ter tauchte demnach an der Schule auf und bot einem der SchĂŒler 300 Euro dafĂŒr, ihm zu zeigen, wer der Lehrer ist. Dabei redete er schlecht von Paty und gab an, diesen zu einer Entschuldigung bei den Muslimen zwingen zu wollen. Der SchĂŒler ging auf das Angebot ein und spannte einige Kameraden ein. Dabei sollen die Jugendlichen geahnt haben, dass der AttentĂ€ter nichts Gutes im Schilde fĂŒhrte - von dem Mordkomplott ahnten sie aber offenbar nichts.
Schon vor Beginn des Prozesses wurde Frankreich erneut durch eine tödliche Attacke auf einen Lehrer aufgewĂŒhlt. Am 13. Oktober erstach ein islamistisch radikalisierter 20-JĂ€hriger in einer Schule im nordfranzösischen Arras einen Lehrer. Die Behörden hatten den jungen Mann als GefĂ€hrder im Visier. Wie schon bei der brutalen Attacke auf Paty sah Frankreich sein sĂ€kulares Staatswesen angegriffen und insbesondere eine tragende SĂ€ule davon, das nationale Bildungswesen. Binnen drei Jahren sei es dem Land nicht gelungen, seine Lehrer besser zu schĂŒtzen, beklagten manche.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
