Saudi-Arabien, Huthi-Miliz

Aramco-Zentrale: Huthi-Rakete löst Brand in Saudi-Arabien aus

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

An der Aramco-Zentrale in Saudi-Arabien bricht nach einem mutmaßlichen Huthi-Angriff ein begrenztes Feuer aus. Gleichzeitig werden über Riad zwei Marschflugkörper abgefangen; die Eskalation verschärft die humanitäre Krise im Jemen.

Folgen für Riad und den Jemen

  • Das saudische Militärbündnis meldete die Abfangung und Zerstörung einer Huthi-Rakete an der Aramco-Zentrale.
  • Über Riad wurden zwei Marschflugkörper abgefangen; Trümmer verletzten vier Menschen und beschädigten 15 Häuser.
  • Im Jemen sind nach UN-Angaben nahezu 200.000 Menschen durch die neuen Kämpfe vertrieben worden.
Im Osten Saudi-Arabiens gerät der Ölkonzern Aramco erneut unter Beschuss. (Archivbild) - Bild: Amr Nabil/AP/dpa
Im Osten Saudi-Arabiens gerät der Ölkonzern Aramco erneut unter Beschuss. (Archivbild) - Bild: Amr Nabil/AP/dpa

Aramco-Zentrale nach mutmaßlichem Huthi-Angriff in Brand

An der Zentrale des saudischen Ölkonzerns Aramco ist nach einem mutmaßlichen Angriff der jemenitischen Huthi-Miliz ein Feuer ausgebrochen. Nach Angaben des Energieministeriums in Riad handelte es sich um einen begrenzten Brand, bei dem niemand verletzt wurde.

Rakete laut Militär abgefangen

Das saudische Militärbündnis teilte mit, eine Rakete der Huthi sei an der Aramco-Zentrale abgefangen und zerstört worden. Huthi-Militärsprecher Jahja Sari erklärte dagegen, die Bewegung habe das Ziel sowie weitere Einrichtungen mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen.

Die Huthi drohten mit weiteren Attacken auf saudische Flughäfen und Energieanlagen. Vorausgegangen waren schwere Angriffe auf den Flughafen von Riad sowie Drohungen für den Fall, dass Saudi-Arabien die von den Huthi kontrollierte jemenitische Hauptstadt Sanaa angreife.

Vier Verletzte durch Trümmerteile

Der saudische Zivilschutz meldete, in der Nacht seien zwei Marschflugkörper über Riad abgefangen worden. Herabfallende Trümmerteile verletzten demnach vier Menschen und beschädigten 15 Häuser.

Kämpfe um Tais verschärfen sich

Im Jemen gingen die seit Wochen andauernden Kämpfe unter anderem in der Provinz Tais weiter. Aus Kreisen der Regierungstruppen hieß es, die Huthi hätten einen wichtigen Zugangspunkt zur drittgrößten Stadt des Landes eingenommen.

Tais war im Bürgerkrieg jahrelang belagert. Die Huthi wollten den strategisch wichtigen Ort nach Angaben aus den Regierungskreisen vollständig einnehmen.

Hunderttausende ohne ausreichende Hilfe

Nach UN-Angaben wurden durch die neuen Kämpfe nahezu 200.000 Menschen vertrieben. Bereits vor Beginn der jüngsten Gewalt gab es im Jemen 4,8 Millionen Binnenflüchtlinge.

Das Welternährungsprogramm teilte mit, 800.000 Menschen seien unter anderem wegen der Kämpfe um Tais von humanitärer Versorgung abgeschnitten. Mehr als 18 Millionen Menschen hätten in dem stark verarmten Land nicht genug zu essen; Krankheiten wie Cholera und Masern breiteten sich angesichts der Fluchtbewegungen zunehmend aus.

Der Angriff auf die Aramco-Zentrale fällt in eine Phase, in der die Huthi ihre Attacken auf saudisches Staatsgebiet ausgeweitet haben. Ziele in Riad, an Flughäfen und an Energieanlagen erhöhen den politischen und wirtschaftlichen Druck auf Saudi-Arabien, weil das Königreich zugleich militärisch in den Jemen-Konflikt eingebunden ist.

Die Bedeutung des Vorfalls reicht über den begrenzten Brand hinaus. Aramco steuert von der Ostprovinz aus zentrale Teile der saudischen Ölproduktion und des Exports. Schon die wiederholte Bedrohung solcher Infrastruktur kann den Luftverkehr, Versicherungen, Lieferketten und die Risikobewertung an den Energiemärkten beeinflussen, auch wenn die dpa-Meldung keine Unterbrechung der Förderung nennt.

Konflikt mit humanitären Folgen

Parallel zu den Angriffen auf Saudi-Arabien verschärfen sich die Kämpfe im Jemen. Die Kämpfe um Tais treffen eine Bevölkerung, die bereits von Vertreibung, eingeschränkter Gesundheitsversorgung und Hunger geprägt ist. Nach den Angaben der Meldung sind nahezu 200.000 Menschen durch die jüngste Gewalt vertrieben worden; 800.000 Menschen sind von humanitärer Versorgung abgeschnitten.

Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, ob sich die gegenseitigen Angriffe auf Infrastruktur und Städte fortsetzen. Eine Ausweitung würde das Risiko erhöhen, dass militärische Auseinandersetzungen in Saudi-Arabien und im Jemen stärker miteinander verschmelzen und Hilfsorganisationen noch schwerer Zugang zu betroffenen Gebieten erhalten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Eskalation am Golf - Wieder Raketenangriffe auf Saudi-Arabien“ (13.10.2026)

Der Beitrag ordne die neuen Raketenangriffe als Teil einer verstärkten Huthi-Offensive gegen Saudi-Arabien ein. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf abgefangene Geschosse, die Folgen für den Luftverkehr und die bereits gemeldeten Opferzahlen am Flughafen von Riad.

taz: „+++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Huthis greifen erneut saudische Flughäfen an“ (12.10.2026)

Der Artikel berichte über Angriffe auf Flughäfen und Energieanlagen sowie über diplomatische Kontakte zwischen Saudi-Arabien und Iran. Er setze damit einen stärkeren Schwerpunkt auf die regionale Eskalation und mögliche politische Vermittlung, während die dpa-Meldung zusätzlich die Kämpfe um Tais und die humanitäre Lage im Jemen beschreibe.

Übereinstimmend stehe die Ausweitung der Huthi-Angriffe im Mittelpunkt. Unterschiede gebe es vor allem bei den behandelten Schauplätzen und dem zeitlichen Schwerpunkt; offen bleibe, ob weitere Angriffe auf saudische Energie- und Verkehrsinfrastruktur folgen.

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