Protestwelle erreicht Bali - DorfwÀchter mobilisiert
01.09.2025 - 08:18:14 | dpa.de
In Indonesien haben die landesweiten Proteste gegen Privilegien von Abgeordneten inzwischen auch die bei Touristen beliebte Insel Bali erreicht - und Sorgen vor Unruhen in der Urlaubsregion ausgelöst. Nach gewaltsamen Ausschreitungen am Wochenende in der Inselhauptstadt Denpasar mobilisierten die Behörden jetzt traditionelle DorfwÀchter, die sogenannten «Pecalang», um Sicherheit und Ordnung zu gewÀhrleisten, wie die staatliche Nachrichtenagentur Antara berichtete.
Am Samstag war es in Denpasar vor dem regionalen PolizeiprĂ€sidium und dem lokalen Parlament zu ZusammenstöĂen gekommen. Demonstranten warfen Steine und beschĂ€digten Einrichtungen. Die Polizei setzte TrĂ€nengas ein und nahm Dutzende Menschen fest.Â
Viele der Beteiligten sollen nach Angaben der Behörden von auĂerhalb Balis angereist sein. Das nĂ€hrte BefĂŒrchtungen, die Ausschreitungen â die bereits Jakarta und andere indonesische GroĂstĂ€dte erfasst haben â könnten auch auf die Ferieninsel ĂŒbergreifen.
Was sind Pecalang?
Die unbewaffneten DorfwĂ€chter, die in der Kultur Balis tief verwurzelt sind und extrem hohes Ansehen genieĂen, sollen anderen EinsatzkrĂ€ften dabei helfen, die Ruhe und die fĂŒr Bali ĂŒberlebenswichtige Tourismusbranche vor weiteren Störungen zu schĂŒtzen. Sie gelten als moralische und gleichzeitig gewaltfreie AutoritĂ€t.Â
Etwa 1.000 Pecalang versammelten sich am Morgen (Ortszeit) zu einem Massenappell in Denpasar, weitere blieben in ihren Dörfern stationiert. Ein Sprecher des Pecalang-Rats im Bezirk Badung erklĂ€rte, die Gewalt sei von «AuĂenstehenden» ausgelöst worden und kĂŒndigte an, Bali «spirituell und physisch» zu verteidigen.
Worum geht es bei den Protesten?
Indonesien erlebt derzeit die heftigsten Massenproteste seit Jahren. Die Wut richtet sich vor allem gegen eine zusĂ€tzliche monatliche Wohnungszulage von 50 Millionen Indonesischen Rupien (etwa 2.600 Euro) fĂŒr Abgeordnete â eine Summe, die den Monatslohn etlicher Indonesier um ein Vielfaches ĂŒbersteigt, wie Kritiker monieren.Â
Die AnkĂŒndigung kam zu einer Zeit, in der viele Menschen im weltgröĂten Inselstaat unter steigenden Lebenshaltungskosten und Steuern sowie Massenentlassungen leiden. ZusĂ€tzlich wurde der Ărger durch Videos von Politikern angeheizt, die in sozialen Medien ihren luxuriösen Lebensstil zur Schau stellten.
Mindestens sieben Menschen sind bisher im Zusammenhang mit den Unruhen ums Leben gekommen, wie aus Berichten verschiedener Behörden hervorgeht. Die Lage eskalierte zuletzt, als in Jakarta ein 21-jĂ€hriger Motorrad-Taxifahrer von einem gepanzerten Polizeifahrzeug erfasst und getötet wurde. Landesweit wurden in der Folge politische GebĂ€ude und PrivathĂ€user von Politikern in Brand gesetzt und geplĂŒndert.
PrĂ€sident Prabowo Subianto hat inzwischen ein teilweises Einlenken signalisiert: Bestimmte AbgeordnetenvergĂŒnstigungen sollen gestrichen, Auslandsreisen vorerst ausgesetzt werden. Gleichzeitig verurteilte er die gewalttĂ€tigen Ausschreitungen scharf. Prabowo sagte wegen der angespannten Lage auch eine geplante Reise nach China ab.
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