Haiti, International

Unicef-Chefin: «Die Welt lÀsst die Haitianer im Stich»

30.06.2023 - 03:57:45 | dpa.de

Bandengewalt, systematische Vergewaltigungen, Hunger, Armut, Cholera und Klimafolgen: Die Menschen Haitis leiden unter den dramatischen ZustÀnden in ihrer Heimat. Unicef schlÀgt Alarm.

«Es ist dringend notwendig, zu handeln. Das Überleben einer ganzen Nation steht auf dem Spiel», sagt UN-Menschenrechtsexperte William O'Neill ĂŒber die Menschenrechtslage in Haiti. - Foto: Odelyn Joseph/AP

Die internationale Gemeinschaft muss nach Ansicht von Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell viel mehr tun, um Haiti zu helfen. «Die Welt lĂ€sst die Haitianer im Stich», sagte sie laut einer Mitteilung in New York nach einem Besuch in dem Karibikstaat. Die internationale SolidaritĂ€t mit Haiti sei seit der Zeit nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 grĂ¶ĂŸtenteils verpufft; dabei sei die Situation schlimmer denn je, sagte die Chefin des Kinderhilfswerks.

Von 720 Millionen US-Dollar (663 Mio. Euro), um die die UN in diesem Jahr fĂŒr humanitĂ€re Hilfe in Haiti baten, sei bisher weniger als ein Viertel eingegangen. «Die aktuelle Sicherheitslage ist inakzeptabel», sagte Russell. Sie berichtete von brutaler Bandengewalt, darunter systematische Vergewaltigungen. Hinzu kĂ€men Hunger, Armut, Cholera und Klimafolgen.

Selbstjustiz-Bewegung breitet sich aus

Haiti leidet unter KĂ€mpfen zwischen Banden, die nach UN-SchĂ€tzung 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince kontrollieren. Seit der Ermordung des StaatsprĂ€sidenten Jovenel MoĂŻse vor knapp zwei Jahren gibt es eine Interimsregierung. Diese bat im Oktober um Hilfe durch eine internationale Truppe - die kam bislang nicht zustande. Zuletzt breitete sich in Port-au-Prince die «Bwa Kale» (geschĂ€ltes Holz) genannte Selbstjustiz-Bewegung aus. Nach Angaben der haitianischen Organisation CARDH wurden innerhalb von nur einem Monat mindestens 160 mutmaßliche Bandenmitglieder gelyncht. Fast die HĂ€lfte der elf Millionen Haitianer leidet laut UN unter akutem Hunger.

In Port-au-Prince nannte der UN-Menschenrechtsexperte William O'Neill den Einsatz einer internationalen Truppe «unerlĂ€sslich» und rief dazu auf, ein vom Sicherheitsrat beschlossenes Waffenembargo gegen Haiti umzusetzen. «Die Menschenrechtslage ist dramatisch, alle Rechte werden verletzt», sagte er zum Abschluss eines zehntĂ€gigen Besuchs am Mittwoch. «Es ist dringend notwendig, zu handeln. Das Überleben einer ganzen Nation steht auf dem Spiel.»

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