Tödliche Auseinandersetzung im Westjordanland mit Folgen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 13:44 Uhr | dpa.de
Ein bewaffneter Zwischenfall im Westjordanland mit mindestens sieben Toten verschĂ€rft die Spannungen zwischen Israel und PalĂ€stinensern. Die israelische Armee bereitet sich nach eigenen Angaben als Konsequenz auf eine groĂ angelegte MilitĂ€roperation in dem besetzten palĂ€stinensischen Gebiet vor. Sie verhĂ€ngte auĂerdem eine Ausgangssperre.Â
Der AnkĂŒndigung waren GesprĂ€che von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu mit Verteidigungsminister Israel Katz, Generalstabschef Ejal Zamir und Geheimdienstchef David Zini vorausgegangen. In einer gemeinsamen ErklĂ€rung von Netanjahu und Katz hieĂ es, das Haus eines palĂ€stinensischen «Terroristen» werde abgerissen. In Dörfern, die als «Terrorzentren» dienten, solle es «durchgreifende MaĂnahmen» geben, wie die Beschlagnahmung von Waffen, den Entzug von Arbeitserlaubnissen. Die ArmeeprĂ€senz im Westjordanland werde erhöht. Zudem solle die Legalisierung bestehender und neuer Siedler-AuĂenposten beschleunigt werden.Â
In Israel hat der Wahlkampf vor der Parlamentswahl Ende Oktober begonnen. Das Thema Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle.Â
PalÀstinenser fordern internationale Hilfe gegen Siedlergewalt
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschĂ€rft. Nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem rund 1.100 PalĂ€stinenser bei israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen AnschlĂ€gen getötet. Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser hat zugenommen.Â
Das palĂ€stinensische AuĂenministerium erklĂ€rte, die Eskalation von «Siedler-Terrorismus» sei eine direkte Folge des Schutzes, des politischen RĂŒckhalts und einer vollstĂ€ndigen Straffreiheit, die Regierung und Armee gewĂ€hrten.
Das AuĂenministerium rief die internationale Gemeinschaft auf, MaĂnahmen gegen die Gewalt israelischer Siedler zu ergreifen, wie beispielsweise Sanktionen gegen Siedlungen und Siedleraktivisten sowie einen Boykott von Waren aus den Siedlungen.Â
WidersprĂŒchliche Angaben zum Tathergang
Zu dem jĂŒngsten bewaffneten Zwischenfall widersprachen sich die Darstellungen der israelischen Armee und der palĂ€stinensischen Behörden.Â
Nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens fĂŒnf PalĂ€stinenser getötet. Drei weitere seien schwer verletzt worden. Den Angaben zufolge griffen bewaffnete israelische Siedler am Morgen das Dorf Tel bei Nablus im nördlichen Westjordanland an. Bewohner hĂ€tten sich verteidigt. Hinzugekommene Soldaten hĂ€tten dann das Feuer eröffnet und mehrere PalĂ€stinenser getötet. Unter den Dorfbewohnern hĂ€tten sich auch Siedler aufgehalten, die durch SchĂŒsse von Soldaten verletzt worden seien.
Nach Angaben der israelischen Armee sind ein Offizier und ein Mitglied der Zivilverteidigung getötet worden. Eine Sprecherin der israelischen Armee erklĂ€rte auf X, es sei in der NĂ€he des israelischen AuĂenpostens «Gilad Farm» zu einem Angriff auf israelische Wanderer gekommen. Die Angreifer hĂ€tten die Waffe einer Sicherheitskraft entwendet und das Feuer auf Israelis eröffnet. RettungskrĂ€fte brachten demnach mehrere verletzte Menschen in ein Krankenhaus. PalĂ€stinenser vor Ort bezeichneten die Angaben der Armee zum Tathergang als frei erfunden.Â
Eine unabhĂ€ngige ĂberprĂŒfung aller Angaben ist derzeit nicht möglich.Â
Israels Sicherheitsminister Ben-Gvir fordert Vorgehen wie im Gazastreifen
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalĂ€stinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.
Israels rechtsextremistischer Polizei- und Sicherheitsminister, Itamar Ben-Gvir, forderte auf der Plattform X, die HĂ€user von «Terroristen und deren UnterstĂŒtzern» aus der Luft und mit Baggern zu zerstören, so wie es im Gazastreifen geschehen sei. «FĂŒr jeden ermordeten Juden muss der Feind den Verlust von Land und HĂ€usern hinnehmen. Das ist die Sprache, die man im Nahen Osten spricht, und so wie wir sie in Gaza gesprochen haben», schrieb Ben-Gvir. Es ist unklar, ob diese Forderung ĂŒberhaupt in Betracht gezogen oder umgesetzt wird.
Der israelische Siedler-AuĂenposten «Gilad Farm» wurde 2002 errichtet. Das israelische Kabinett erklĂ€rte ihn 2018 zu einer vollwertigen Siedlung. Nach völkerrechtlichem Konsens gelten alle AuĂenposten und Siedlungen im besetzten palĂ€stinensischen Westjordanland als illegal.
