Palestine Action: Mehr als 50 Festnahmen bei Protest am Labour-Parteitag in Liverpool
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 01:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei Protesten gegen das Verbot der Gruppe Palestine Action sind am Sonntag am Rande des Labour-Parteitags in Liverpool mehr als 50 Menschen festgenommen worden.
Mehr als 250 Menschen bei Kundgebung
Nach Angaben der Polizei zeigten einige der Festgenommenen Materialien zur UnterstĂŒtzung von Palestine Action, die in GroĂbritannien als terroristische Organisation eingestuft ist. Mehr als 250 Demonstranten versammelten sich nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA vor dem Konferenzzentrum, in dem die regierende Labour-Partei bis Mittwoch tagt.
Viele Teilnehmer trugen Plakate und Banner mit Slogans wie âIch unterstĂŒtze Palestine Actionâ. Die Organisation Defend Our Juries hatte den Protest organisiert.
Amnesty kritisiert Festnahmen
Amnesty International bezeichnete die Festnahmen laut PA als âbeschĂ€menden Angriff auf die Meinungsfreiheitâ. Ein Sprecher von Defend Our Juries sagte, die Organisatoren hĂ€tten gehofft, Premierminister Andy Burnham werde das Verbot aufheben.
Eine Aufrechterhaltung des Verbots sei âunlogisch, unhaltbar und unmoralischâ, sagte der Sprecher weiter. Die Umsetzung binde zudem erhebliche Ressourcen.
Verbot nach Angriff auf MilitÀrflugplatz
Palestine Action war Anfang Juli 2025 als terroristische Organisation eingestuft worden, nachdem Aktivisten in einen LuftwaffenstĂŒtzpunkt eingedrungen waren und Flugzeuge der Royal Air Force mit Farbe besprĂŒht hatten.
Der High Court urteilte im Februar 2026, das Verbot sei nach den Terrorismusgesetzen rechtswidrig. Es blieb zunĂ€chst in Kraft, um Zeit fĂŒr einen möglichen Einspruch zu lassen. Im Juni entschied ein Berufungsgericht schlieĂlich, das Verbot sei ein âgerechtfertigter und verhĂ€ltnismĂ€Ăigerâ Eingriff in die Meinungsfreiheit.
Hunderte Festnahmen seit Februar
Seit Februar wurden bei Protesten gegen das Verbot Hunderte Menschen festgenommen. In britischen StĂ€dten kommt es seit Beginn des Gaza-Krieges auĂerdem regelmĂ€Ăig zu propalĂ€stinensischen Demonstrationen und Protestaktionen.
Politischer Streit um das Verbot
Die Proteste treffen auf einen rechtlich und politisch umkĂ€mpften Status von Palestine Action. Nach der Einstufung als terroristische Organisation im Juli 2025 erklĂ€rte der High Court das Verbot im Februar 2026 zunĂ€chst fĂŒr rechtswidrig. Das Berufungsgericht bestĂ€tigte es im Juni jedoch als gerechtfertigten und verhĂ€ltnismĂ€Ăigen Eingriff in die Meinungsfreiheit.
Damit stehen sich zwei Prinzipien gegenĂŒber: Der Staat will Aktionen gegen militĂ€rische Einrichtungen unterbinden und die Einstufung als Terrororganisation durchsetzen. Menschenrechtsorganisationen und UnterstĂŒtzer der Gruppe sehen darin dagegen eine unverhĂ€ltnismĂ€Ăige EinschrĂ€nkung politischen Protests. Die seit Februar erfolgten Festnahmen zeigen, dass der Konflikt nicht auf die Gerichte beschrĂ€nkt bleibt.
Bedeutung fĂŒr Labour und Liverpool
Der Zeitpunkt erhöht den politischen Druck auf Premierminister Andy Burnham. Der Labour-Parteitag findet in Liverpool statt, einer Stadt, deren politische IdentitĂ€t stark von regionaler Benachteiligung und sozialer Mobilisierung geprĂ€gt ist. Burnham versucht zugleich, den Norden stĂ€rker ins Zentrum seiner Regierungspolitik zu rĂŒcken.
FĂŒr die Teilnehmenden ist die Demonstration deshalb mehr als ein Protest gegen eine einzelne Verbotsentscheidung: Sie richtet sich auch an die neue Labour-FĂŒhrung und deren Umgang mit Gaza, Sicherheitsrecht und Meinungsfreiheit. FĂŒr die Regierung könnte der Vorgang die Frage verschĂ€rfen, wie sie zwischen der Ahndung möglicher Straftaten und dem Schutz friedlicher politischer Versammlungen abgrenzt.
