Dschibuti, Migrantenroute Jemen

Bootsunglück vor Dschibuti: 109 Migranten sterben

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 12:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei dem Unglück vor Dschibuti starben mindestens 109 Menschen, darunter 15 Kinder. Mehr als 116 Passagiere werden noch vermisst; über 80 Menschen überlebten.

Die Internationale Organisation für Migration meldet über 100 Tote vor der Küste von Dschibuti. (Illustration) - Bild: Christiane Oelrich/dpa
Die Internationale Organisation für Migration meldet über 100 Tote vor der Küste von Dschibuti. (Illustration) - Bild: Christiane Oelrich/dpa

Folgen des Unglücks vor Dschibuti

  • Das gekenterte Boot war von Dschibuti nach Jemen unterwegs.
  • Unter den mindestens 109 Toten sind nach UN-Angaben 15 Kinder.
  • Mehr als 116 Passagiere gelten weiterhin als vermisst.
  • Mehr als 80 Menschen überlebten und erhalten Nothilfe.

Bei einem Schiffsunglück vor der Küste Dschibutis sind nach UN-Angaben mindestens 109 Migranten ums Leben gekommen.

Viele Passagiere weiterhin vermisst

Mehr als 116 Menschen, die sich an Bord des gekenterten Bootes befanden, werden noch vermisst. Mehr als 80 Passagiere überlebten das Unglück.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) waren alle Migranten äthiopische Staatsangehörige. Unter den Todesopfern seien auch 15 Kinder.

IOM leistet Hilfe vor Ort

Alexandre Coissac, Leiter der IOM-Mission in Dschibuti, bezeichnete das Unglück als schweren Verlust. IOM-Teams seien gemeinsam mit örtlichen Behörden vor Ort, um Nothilfe zu leisten.

Die Überfahrt führte über die Meerenge Bab al-Mandab. Dschibuti ist Ausgangspunkt der östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel.

Arbeitsuche auf der Arabischen Halbinsel

Viele Menschen versuchen, über Dschibuti nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Oman zu gelangen. Sie hoffen dort auf Arbeit und mehr Stabilität.

Die IOM hatte wenige Tage zuvor mitgeteilt, dass innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Migranten aus Äthiopien in Dschibuti eingetroffen seien. Auch aus Somalia brechen regelmäßig Menschen über diese Route auf.

Gefahren reichen bis in den Jemen

Nach der Ankunft im Jemen drohen den Migranten nach IOM-Angaben unter anderem Gewalt, willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen, Ausbeutung sowie Menschenhandel.

Nach Angaben des IOM-Projekts „Missing Migrants“ kamen 2025 auf dieser Route mehr als 900 Migranten ums Leben oder gelten als vermisst. Zugleich stieg die Zahl der Menschen, die sich auf den Weg machten, um 18 Prozent.

Bei einem weiteren Schiffsunglück im März 2026 starben neun Menschen, 45 weitere werden seitdem vermisst.

Eine Route mit hohem Sterberisiko

Die Überfahrt von Dschibuti nach Jemen ist Teil der östlichen Migrationsroute vom Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel. Menschen aus Äthiopien und Somalia nutzen sie, weil sie in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Oman Arbeit und größere wirtschaftliche Stabilität erwarten.

Die Route verbindet mehrere Gefahren: lange Wege über Land, unsichere Boote, schwierige Wetterbedingungen und eine hohe Abhängigkeit von Schleusern. Wer den Jemen erreicht, kann zudem Gewalt, willkürlichen Festnahmen, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt sein. Das aktuelle Unglück macht damit nicht nur die Risiken der Seepassage sichtbar, sondern auch die Abhängigkeit der Migranten von einem unsicheren und kaum regulierten Transport.

Wachsende Bewegungen, begrenzter Schutz

Nach Angaben der IOM kamen innerhalb von drei Wochen mehr als 20.000 Menschen aus Äthiopien in Dschibuti an. Für die Aufnahme- und Rettungsstrukturen der Region bedeutet das eine hohe Belastung. Die Zahlen zu Toten und Vermissten zeigen zugleich, dass sich die Folgen eines einzelnen Unglücks schnell zu einer humanitären Großkatastrophe ausweiten können.

Für Angehörige bleibt neben der Suche nach Überlebenden die Identifizierung der Opfer entscheidend. Politisch verschärft das Unglück den Druck auf die Herkunfts-, Transit- und Zielländer, legale Arbeitsmöglichkeiten, Schutzmaßnahmen und bessere Seenotrettung entlang der Route auszubauen.

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