Brasilien-Wahl: Bolsonaro erklärt sich zum wahren Sieger
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 22:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFluchtweg und juristische Folgen
- Flávio Bolsonaro erklärte sich nach seiner Ausreise zum gewählten Präsidenten Brasiliens.
- Er dankte Donald Trump und Javier Milei fĂĽr ihre UnterstĂĽtzung aus dem Ausland.
- Brasiliens Oberstes Gericht hatte seine Pässe für ungültig erklärt und ein Ausreiseverbot verhängt.
Bolsonaro beansprucht Brasiliens Präsidentenamt
Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat sich nach seiner heimlichen Ausreise nach Miami zum wahren gewählten Staatschef Brasiliens erklärt. In einem offenen Brief an die Brasilianer auf der Plattform X schrieb er: „Ich bin der gewählte Präsident“.
Bolsonaro sprach von einem „abscheulichen Wahlbetrug“ und erklärte den Sieg von Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva für unrechtmäßig. Vom Ausland aus wolle er den Kampf gegen die „Tyrannei“ führen und verhindern, dass Lula ein „diktatorisches Regime“ festige.
Dank an Trump und Milei
Bolsonaro dankte dem argentinischen Präsidenten Javier Milei und dem US-Präsidenten Donald Trump für ihre Unterstützung. Milei soll seine Ausreise in die USA über Argentinien ermöglicht haben.
Nach Angaben argentinischer Behörden reiste der Senator trotz eines Ausreiseverbots auf dem Landweg nach Argentinien und flog von dort nach Ecuador. Anschließend ging es offenbar weiter nach Miami im US-Bundesstaat Florida.
Gericht untersagte Ausreise
Nach der Wahl war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes hatte die Pässe ungültig machen lassen und ihm untersagt, Brasilien zu verlassen.
Flávio Bolsonaro ist der Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Der Wahlsieg Lulas wird von Flávio Bolsonaro bestritten, obwohl seine Partei das Ergebnis anerkannt hat.
Flávio Bolsonaros Erklärung fällt in eine politisch und juristisch angespannte Phase Brasiliens. Bei der Stichwahl unterlag er dem Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva mit 48,2 zu 51,8 Prozent der Stimmen. Seine Zurückweisung des Ergebnisses steht damit im Gegensatz zur Anerkennung des Wahlausgangs durch seine Partei.
Der Streit über die Wahl verbindet sich mit laufenden Ermittlungen gegen Bolsonaro. Im Mittelpunkt stehen nach bisherigen Angaben unter anderem der Verdacht der Geldwäsche, mögliche Korruption und eine mutmaßliche Beeinflussung des Wahlkampfs. Die gerichtliche Anordnung, seine Pässe abzugeben und das Land nicht zu verlassen, verschärft den Konflikt zwischen dem Senator und dem Obersten Gericht.
Politischer Kampf aus dem Ausland
Bolsonaros Berufung auf Demokratie und seine scharfe Kritik an der Justiz zielen zugleich auf die Mobilisierung seines rechten politischen Lagers. UnterstĂĽtzung aus dem Ausland durch Donald Trump und Javier Milei verleiht dem Vorgang internationale Bedeutung, ersetzt aber keine verfassungsrechtliche PrĂĽfung des Wahlergebnisses.
Für Brasilien geht es nun um die Anerkennung der Institutionen und den Umgang mit einem unterlegenen Kandidaten, gegen den Ermittlungen laufen. Sollte Bolsonaro seinen politischen Kampf tatsächlich aus den USA fortsetzen, dürfte dies den Konflikt mit der Regierung Lula und den Gerichten über die Landesgrenzen hinaus verlängern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Brasilien: Bolsonaro trotz Ausreiseverbots laut US-Medien in USA eingetroffen“ (28.10.2026)
Der Beitrag ordnet die Ausreise in den Zusammenhang des gerichtlichen Verbots und der Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche ein. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf den Reiseweg und stellt unterschiedliche Angaben zum Aufenthaltsort gegenüber.
stern: „Präsidentenwahl in Brasilien: Wahlverlierer Bolsonaro flieht offenbar“ (28.10.2026)
Der Artikel berichtet, US-Behörden wollten Bolsonaro und seiner Familie Visa ausstellen, während sein genauer Aufenthaltsort zunächst offen geblieben sei. Er legt den Schwerpunkt auf die juristischen Vorwürfe, die Reaktionen in Brasilien und die Unterstützung durch Trump.
Beide Beiträge stellten die Ausreise und das gerichtliche Verbot in den Mittelpunkt. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt auf Reiseroute, Aufenthaltsort und den politischen Folgen.
