Brasilien-Wahl: Bolsonaros Partei erkennt Lulas Sieg an
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 05:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSJuristische Schritte nach der Stichwahl
- Die Liberale Partei erklärte am Montag, sie erkenne das vom Obersten Wahlgericht verkündete Ergebnis an.
- Flávio Bolsonaro will die Wahlkampfführung von Lula und Geraldo Alckmin rechtlich prüfen lassen.
- Lula erhielt 51,8 Prozent, Bolsonaro 48,2 Prozent der Stimmen.
Bolsonaro-Partei akzeptiert Wahlergebnis mit Vorbehalt
Die rechte Liberale Partei des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro hat den Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva anerkannt, zugleich aber eine Prüfung offener Fragen zum Wahlprozess verlangt. Bolsonaro will Lulas vierte Amtszeit mit juristischen Mitteln verhindern, während US-Präsident Donald Trump das Ergebnis als „manipuliert“ bezeichnete.
Strategiewechsel nach der Niederlage
Parteichef Valdemar Costa Neto erklärte, die Partei erkenne das vom Obersten Wahlgericht verkündete Ergebnis an. Sie kritisiert unter anderem, dass Sozialleistungen kurz vor der Abstimmung am Sonntag ausgezahlt worden seien.
Flávio Bolsonaro hatte zunächst die Annullierung der gesamten Wahl angekündigt. Am Montag änderte er seine Strategie und will nun die Wahlkampfführung von Lula und Vizepräsident Geraldo Alckmin wegen eines angeblichen Missbrauchs politischer und wirtschaftlicher Macht prüfen lassen.
Trump zweifelt Ergebnis an
Trump stellte sich hinter die Zweifel des rechten Lagers. Er sagte, die Wahl habe wie eine weitere manipulierte Abstimmung gewirkt, nannte aber keine Grundlage für diese Einschätzung.
Der US-Präsident hatte zuvor Jair Bolsonaro, den Vater des unterlegenen Kandidaten, im Konflikt mit der brasilianischen Justiz unterstützt. Jair Bolsonaro wurde wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt und steht unter Hausarrest.
Lula gewinnt mit 51,8 Prozent
Bei der Stichwahl am Sonntag erhielt der 80-jährige Lula 51,8 Prozent der Stimmen. Flávio Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent.
Sollte der juristische Widerstand erfolglos bleiben, kann Lula im Januar seine vierte Amtszeit antreten. Bolsonaro räumte seine Niederlage nicht ausdrücklich ein.
Ausreiseverbot wegen Geldwäscheverfahrens
Der Richter des Obersten Gerichtshofs, Alexandre de Moraes, ordnete am Montag an, Bolsonaros Reisepässe zu annullieren und ihm die Ausreise zu untersagen. Die Bundespolizei forderte den 45-Jährigen nach dessen Angaben zur Abgabe der Dokumente auf.
Hintergrund ist ein laufendes Verfahren wegen mutmaßlicher Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten. Die Bundespolizei sieht nach eigenen Angaben eine Verbindung Bolsonaros zu einem Bankkonto der Firma eines ebenfalls beschuldigten Anwalts; Bolsonaro weist den Vorwurf zurück.
Die Anerkennung des Wahlergebnisses durch Bolsonaros Liberale Partei markiert einen Strategiewechsel des rechten Lagers. Unmittelbar nach der Bekanntgabe hatte Flávio Bolsonaro noch die Annullierung der gesamten Abstimmung angekündigt. Nun richtet sich der juristische Vorstoß gegen die Wahlkampfführung von Lula und seinem Vize Geraldo Alckmin.
Für die politische Stabilität Brasiliens ist entscheidend, ob die Auseinandersetzung innerhalb der Institutionen bleibt. Das Oberste Wahlgericht hat Lula mit 51,8 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt. Ein Vorgehen gegen die Amtseinführung müsste sich daher auf konkrete Verstöße im Wahlkampf stützen und dürfte nicht allein die politische Ablehnung des Ergebnisses begründen.
Gerichte als nächste Machtarena
Die Kontroverse fällt in eine Phase, in der die brasilianische Justiz bereits stark in den politischen Konflikt eingebunden ist. Das Ausreiseverbot für Flávio Bolsonaro im Zusammenhang mit Geldwäscheermittlungen erhöht den Druck auf den unterlegenen Kandidaten und begrenzt zugleich seine politischen Handlungsmöglichkeiten außerhalb Brasiliens.
Trumps Intervention internationalisiert den Streit. Sie gibt dem rechten Lager politische Rückendeckung, liefert aber keine öffentlich genannte Grundlage für den Manipulationsvorwurf. Für Lula steht neben der Regierungsbildung deshalb auch die Frage im Vordergrund, ob seine vierte Amtszeit von einer anhaltenden juristischen und politischen Delegitimierung begleitet wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDF heute: „Ausreiseverbot für Bolsonaro: Ermittlungen wegen Geldwäsche“ (27.10.2026)
Der Beitrag habe den Schwerpunkt auf das Ausreiseverbot und das laufende Geldwäscheverfahren gelegt. Damit bestätige er den juristischen Druck auf Flávio Bolsonaro, während die politische Auseinandersetzung um die Anerkennung des Wahlergebnisses weniger im Mittelpunkt stehe.
Deutschlandfunk: „Wegen Geldwäsche-Ermittlungen: Flávio Bolsonaro darf Brasilien nicht verlassen“ (27.10.2026)
Der Deutschlandfunk habe ebenfalls die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche, darunter im Zusammenhang mit Sportwetten, hervorgehoben. Gemeinsam sei beiden Beiträgen die Darstellung des Ausreiseverbots als unmittelbare Folge des Verfahrens; offen bleibe die weitere juristische Entwicklung.
Die Berichte stimmten beim Ermittlungsverfahren und der Reisebeschränkung überein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Der eine Beitrag ordne die Maßnahme stärker politisch, der andere stärker strafrechtlich ein.
