Brasilien-Wahl: Generalanwalt warnt vor US-Einmischung in Oberstes Gericht
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 04:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Brasiliens Generalanwalt Jorge Messias hat kurz vor der PrÀsidentenwahl vor einer Einmischung der USA in die Institutionen seines Landes gewarnt.
Eine Million Dollar fĂŒr Justizkritiker
Anlass ist ein Bericht der britischen Zeitung âThe Guardianâ ĂŒber geplante US-Mittel in Höhe von einer Million Dollar fĂŒr ein Programm mit dem Titel âCountering Lawfare and Censorship in Brazilâ. Das Geld soll zivilgesellschaftliche Gruppen finanzieren, die dem brasilianischen Obersten Gericht eine Ăberschreitung seiner Befugnisse und Zensur vorwerfen.
Unklar ist, ob die Summe bereits ĂŒberwiesen oder lediglich haushaltsrechtlich gebunden wurde. Messias bezeichnete den Bericht auf der Plattform X als wichtiges Warnsignal fĂŒr die brasilianische SouverĂ€nitĂ€t.
Ermittlungen zu möglichen EmpfÀngern
Die von Messias geleitete Generalanwaltschaft der Regierung bat Polizei und Staatsanwaltschaft um Ermittlungen zu möglichen EmpfĂ€ngern der Gelder. Der Generalanwalt erklĂ€rte, angesichts des Wahlprozesses und jĂŒngster VorfĂ€lle mit Ă€uĂerem Druck auf brasilianische Institutionen sei die Information besonders besorgniserregend.
AuslĂ€ndische politische Interessen dĂŒrften nach seiner Darstellung nicht versuchen, in das Funktionieren brasilianischer Institutionen einzugreifen oder Entscheidungen zu beeinflussen, die allein dem brasilianischen Volk zustĂŒnden.
Oberstes Gericht im Zentrum des Wahlkampfs
Das Oberste Gericht steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen. Zuletzt wurden mögliche Verbindungen zwischen Richter Alexandre de Moraes und dem Banker Daniel Vorcaro öffentlich diskutiert, der im Zentrum eines der gröĂten Finanzskandale des Landes steht.
Die brasilianische Regierung sieht bereits seit lÀngerem Risiken auslÀndischer Einflussnahme. Der Geheimdienst Abin verwies in einem Ende August erstellten Bericht auf ein Risiko durch die USA und zunehmenden Druck auf Brasilien.
Lula und FlĂĄvio Bolsonaro nahezu gleichauf
Die PrĂ€sidentenwahl findet am Sonntag statt. Umfragen sehen Amtsinhaber Luiz InĂĄcio Lula da Silva und den rechten Senator FlĂĄvio Bolsonaro, den Sohn des frĂŒheren PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro, nahezu gleichauf und deutlich vor den ĂŒbrigen Bewerbern. Eine Stichwahl gilt als wahrscheinlich.
US-PrĂ€sident Donald Trump unterstĂŒtzt Jair Bolsonaro. Der frĂŒhere Staatschef, der von 2019 bis 2022 regierte, wurde wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt und verbĂŒĂt die Strafe aus gesundheitlichen GrĂŒnden derzeit unter Hausarrest.
Wahl unter hohem institutionellem Druck
Die Warnung fĂ€llt in eine Phase, in der Brasiliens Oberstes Gericht eine zentrale politische Rolle einnimmt. Der Gerichtshof hatte nach der Wahlniederlage Jair Bolsonaros 2022 Verfahren gegen den frĂŒheren PrĂ€sidenten und seine UnterstĂŒtzer gefĂŒhrt; Anfang 2023 waren RegierungsgebĂ€ude, Parlament und Oberstes Gericht in BrasĂlia von Bolsonaro-AnhĂ€ngern gestĂŒrmt worden.
Der Ausgang der PrĂ€sidentenwahl betrifft deshalb nicht nur die Regierung, sondern auch die kĂŒnftige Zusammensetzung des Gerichts. Der nĂ€chste PrĂ€sident kann bis zu vier der elf Richter ernennen, wobei der Senat zustimmen muss. Zugleich hat FlĂĄvio Bolsonaro den Gerichtshof scharf kritisiert und die Absetzung des Richters Alexandre de Moraes gefordert, der das Verfahren gegen seinen Vater geleitet hatte.
Washington und BrasĂlia im Konflikt
Die auĂenpolitische Dimension ergibt sich aus dem angespannten VerhĂ€ltnis zwischen der Regierung von Luiz InĂĄcio Lula da Silva und der US-Regierung. Unter Lula haben die USA Zölle gegen brasilianische Produkte verhĂ€ngt und Sanktionen gegen Richter und andere AmtstrĂ€ger eingesetzt. Donald Trump gilt zudem als politischer UnterstĂŒtzer Jair Bolsonaros.
FĂŒr Brasilien steht damit die Abgrenzung zwischen internationaler UnterstĂŒtzung zivilgesellschaftlicher Gruppen und unzulĂ€ssiger Einflussnahme auf staatliche Institutionen im Mittelpunkt. Entscheidend dĂŒrfte sein, ob die angekĂŒndigten Mittel tatsĂ€chlich geflossen sind, wer sie erhalten sollte und welchen Verwendungszweck sie hatten. Eine mögliche Untersuchung könnte die ohnehin stark polarisierte Debatte ĂŒber Justiz, Wahlkampf und nationale SouverĂ€nitĂ€t weiter verschĂ€rfen.
