Bulgarien meldet Drohnenangriffe auf zwei Schiffe im Schwarzen Meer
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rettungseinsatz vor Bulgariens Küste
- Das ukrainische Schiff „Chelsea 3“ wurde rund 33 Kilometer östlich von Bjala von drei Drohnen getroffen.
- 15 Besatzungsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht, fünf von ihnen werden wegen leichter Verletzungen behandelt.
- Ein zweites Schiff sank rund 31 Kilometer vor Krapez nahe der rumänischen Grenze; ein Besatzungsmitglied wurde gerettet.
Vor der bulgarischen Schwarzmeerküste sind erneut zwei Handelsschiffe mit Drohnen angegriffen worden.
Sofia bestellt russische Botschafterin ein
Ministerpräsident Rumen Radew bezeichnete die Angriffe in der ausschließlichen Wirtschaftszone und nahe dem bulgarischen Hoheitsgebiet als absolut inakzeptabel.
Nach einer Sitzung des Sicherheitsrats bestellte Radew die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanowa ein. Bulgarien verfügt nach eigenen Angaben noch über keine zuverlässigen Beweise zur Herkunft der Drohnen.
Russland weist Verantwortung nicht zu
Mitrofanowa schloss dem bulgarischen Fernsehen zufolge nicht aus, dass es sich um eine Provokation handeln könnte. Zugleich erklärte sie, keine Informationen des russischen Verteidigungsministeriums zu haben.
Radew sagte, es gebe keine Logik dafür, dass die Ukraine eigene Schiffe vernichte. Die Ergebnisse der Angriffe seien jedoch für Russland günstig.
EU und Nato sollen Überwachung stärken
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sagte Radew Unterstützung bei der Zusammenarbeit im Schwarzen Meer zu. Die Allianz beobachte das Sicherheitsumfeld und passe ihre Abschreckungs- und Verteidigungsmaßnahmen bei Bedarf an.
Radew bat EU und Nato um technische Hilfe bei der Überwachung des bulgarischen Hoheitsgebiets und des Luftraums. Gespräche mit Rumänien und der Türkei sollen die Sicherheit der Schifffahrt verbessern.
Thema beim Europäischen Rat
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wertete die Angriffe als weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Radew will das Thema beim Europäischen Rat am 15. und 16. Oktober ansprechen.
Bereits gut eine Woche zuvor waren vor Bulgariens Küste zwei Frachtschiffe durch Drohnen beschädigt worden; eines sank. Kiew hatte damals Russland verantwortlich gemacht.
Schwarzes Meer als neue Gefahrenzone
Die erneuten Angriffe treffen eine für den internationalen Handel wichtige Seeverbindung. Bulgarien ist als EU- und Nato-Mitglied nicht Kriegspartei, liegt aber an der westlichen Flanke des Schwarzen Meeres. Vorfälle in seiner ausschließlichen Wirtschaftszone erhöhen deshalb den Druck auf Sofia, die Überwachung von Seegebiet und Luftraum auszubauen.
Für die Schifffahrt entsteht ein doppeltes Risiko: Handelsschiffe können unabhängig von ihrer Flagge oder Ladung in Kampfhandlungen geraten, während die Herkunft eingesetzter Drohnen politisch schwer eindeutig zuzuordnen sein kann. Bulgarien hat deshalb technische Unterstützung bei der Aufklärung sowie eine engere Abstimmung mit Rumänien und der Türkei angekündigt. Diese Staaten kontrollieren gemeinsam wichtige Zugänge und Routen im westlichen Schwarzen Meer.
Brüsseler und Nato-Reaktion
Die politische Bedeutung reicht über die unmittelbaren Rettungseinsätze hinaus. Die EU-Kommission wertet die Angriffe als weitere Eskalation des Krieges, während die Nato ihre Präsenz und Abschreckung an der Ostflanke beobachtet. Konkrete zusätzliche Maßnahmen hängen nun von den Ermittlungsergebnissen und den Gesprächen der Anrainer ab.
Für Reedereien und Besatzungen bedeutet die Entwicklung steigende Sicherheitsanforderungen, mögliche Umwege und höhere Versicherungsrisiken. Sollten sich ähnliche Vorfälle wiederholen, könnte der Schutz ziviler Schifffahrt zu einem regelmäßigen Thema europäischer Sicherheits- und Verteidigungspolitik werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Ein Schiff gesunken: Nato-Staat Bulgarien meldet Drohnenangriffe vor seiner Schwarzmeer-Küste“ (13.10.2026)
Der Liveblog bestätige die beiden Angriffe, die Rettung der Besatzung der „Chelsea 3“ und das gesunkene zweite Schiff. Er hebe zusätzlich die strategische Lage Bulgariens als EU- und Nato-Mitglied hervor und betone, dass eindeutige Beweise für die Urheberschaft fehlten.
MDR: „Trump fordert neuen Präsidenten für die Ukraine“ (11.10.2026)
Der Bericht bestätige den zweiten Vorfall innerhalb einer Woche und die Einbestellung des russischen Botschafters. Anders als die aktuelle Meldung ordne er die damalige Entwicklung in eine laufende Nachrichtenübersicht zum Ukrainekrieg ein; die Herkunft der Drohnen bleibe auch dort offen.
Beide Beiträge stellten die Angriffe und das gesunkene Schiff heraus. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Der Tagesspiegel betone die sicherheitspolitische Bedeutung für Bulgarien, während der MDR den Vorgang in die militärische Gesamtlage einordne.
