CIA-Chef in Moskau â Kreml warnt vor zu groĂen Erwartungen
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 13:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach der Visite des Direktors des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, in Moskau hat der Kreml Hoffnungen auf eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland gedĂ€mpft. Bilaterale GesprĂ€che zwischen den Geheimdiensten beider LĂ€nder gebe es zwar auch in den schwierigsten Momenten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. «Das ist fĂŒr sich genommen ein positiver Prozess.» Es sei aber noch zu frĂŒh, um zu sagen, inwieweit dies dazu beitragen könnte, das VerhĂ€ltnis zwischen beiden LĂ€ndern aus der gegenwĂ€rtigen «tiefen Krise» herauszubringen.
Der Kremlsprecher hatte zuvor bestĂ€tigt, dass Ratcliffe zu GesprĂ€chen «zwischen den Geheimdiensten» in die russische Hauptstadt gekommen sei. Der Vertraute von PrĂ€sident Wladimir Putin betonte allerdings, dass es kein Treffen des Kremlchefs mit Ratcliffe gegeben habe.Â
Peskow: Keine Treffen mit hochrangigen US-Vertretern geplant
Peskow sagte weiter, der Kreml plane momentan auch keine Begegnungen mit anderen hochrangigen Vertretern der USA. Er könne jedoch nicht fĂŒr andere russische Behörden sprechen. Der Kreml hatte im Mai ein neues Treffen von Putin und US-PrĂ€sident Donald Trump im November beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in China nicht ausgeschlossen. Es ist aber bislang noch unklar, ob Trump ĂŒberhaupt zu dem Gipfel kommt.
Zu den Inhalten von Ratcliffes GesprÀchen in Moskau machte Peskow keine Angaben. Fragen von Journalisten dazu, ob es dabei um die Ukraine oder den Iran gegangen sei, wich er aus.
Kremlsprecher gab zunÀchst vor, von Visite nichts zu wissen
Am Vortag hatte der Kremlsprecher nach der Landung eines US-MilitĂ€rflugzeugs in Moskau noch behauptet, ihm sei nichts dazu bekannt. Russische Kommentatoren amĂŒsierten sich ĂŒber die ĂuĂerungen, weil es Aufnahmen von dem Flugzeug in den sozialen Netzwerken gab. Viele fragten sich, wie eine solch riesige Maschine mit dem CIA-Chef an Bord ohne Wissen der russischen StaatsfĂŒhrung einfach auf dem Flughafen Wnukowo landen könne. In sozialen Medien gab es zudem Berichte ĂŒber eine auffĂ€llige Fahrzeugkolonne mit Diplomatenkennzeichen in der Moskauer Innenstadt.
FĂŒr Ratcliffe dĂŒrfte es der erste Besuch als CIA-Chef in Moskau gewesen sein. Zuletzt hatte 2021 der damalige CIA-Chef William Burns Russland besucht, der sich auch mit Putin traf. Burns sollte damals im Auftrag von US-PrĂ€sident Joe Biden eine Eskalation im Ukraine-Konflikt verhindern. Allerdings begann Putin dann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022. Auch danach gab es jedoch weiter Kontakte zwischen Geheimdiensten und MilitĂ€r.
Spekulationen ĂŒber Anlass fĂŒr Besuch in Moskau
Ăber den Anlass der jĂŒngsten GesprĂ€che wurde spekuliert. Bekannt ist dazu offiziell nichts. GemutmaĂt wurde vielfach, dass Ratcliffe Russland vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg warnen wollte. Die Ukraine hatte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mitgeteilt, Putin plane eine Mobilmachung nach der Parlamentswahl im September. Kremlsprecher Peskow wies das erst am Dienstag erneut als Falschinformation - als eine «Ente» - zurĂŒck, die nur das Ziel habe, die Lage in Russland vor den Wahlen zu destabilisieren.
Der kremlnahe Politologe Sergej Markow Ă€uĂerte auch noch andere Thesen: etwa zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Moskau unterstĂŒtzt die FĂŒhrung in Teheran. Möglich sei auch eine Verbindung zu dem Fund von Sprengstoff-Drohnen auf dem Flughafen Halle-Leipzig, meinte er. Die US-Behörden vermuten, dass Russland hinter dem Vorfall steckt. In Deutschland laufen dazu Ermittlungen.Â
US-Medien: Ratcliffes Flugzeug stand acht Stunden in Moskau
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte auf dem Flughafen von einem hybriden Angriff fremder MĂ€chte gesprochen, ohne direkt Moskau verantwortlich zu machen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) kĂŒndigte am Dienstag an, dazu in KĂŒrze Erkenntnisse bekanntzugeben. Die Urheber wĂŒrden fĂŒr diese Bedrohung «bezahlen», sagte er.
Am Dienstagabend hob das US-Flugzeug nach Berichten russischer Staatsmedien wieder in Richtung Riga ab. Wie die «New York Times» berichtete, ergab sich aus Daten des Luftverkehr-Portals «Flightradar», dass Ratcliffes Maschine acht Stunden in Moskau am Boden geblieben war. AuffÀllig war in Moskau, dass es am Dienstag keine ukrainischen Drohnenangriffe gab. Laut US-Medien hatten die Amerikaner Kiew gebeten, die Angriffe zeitweilig einzustellen.
In der Nacht zu Mittwoch, also nach Ratcliffes Abreise, startete die Ukraine eine neue Welle von Drohnenangriffen gegen Russland. In der Region Lipezk wurden ein Mann und ein 14-jĂ€hriges MĂ€dchen getötet, wie die örtlichen Behörden meldeten. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden 426 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Auch die Hauptstadt Moskau war Ziel der Angriffe. In der Region Tambow etwa 600 Kilometer sĂŒdöstlich von Moskau wurde zudem ein weiteres Lager des gröĂten russischen Online-VersandhĂ€ndlers Wildberries Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs.
