COP31 in Antalya: Türkei will Elektrifizierung bis 2035 erhöhen
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutschlands Ziele und internationale Verhandlungen
- Die UN-Klimakonferenz beginnt am Montag, 9. November, im türkischen Antalya.
- Die Türkei schlägt vor, den Anteil elektrischer Energie bis 2035 von 20 auf 35 Prozent zu erhöhen.
- Deutschland will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 senken.
Antalya wird zum Schauplatz der COP31
Am Montag, 9. November, beginnt im türkischen Antalya die 31. UN-Weltklimakonferenz. Zehntausende Delegierte beraten dort zwei Wochen lang darüber, wie die Erderwärmung begrenzt und die internationale Zusammenarbeit trotz Kriegen und Konflikten fortgesetzt werden kann.
Pariser Ziel gerät weiter außer Reichweite
Seit zehn Jahren gilt das Pariser Klimaabkommen, in dem rund 200 Staaten eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit vereinbart haben. Nach der aktuellen Prognose der Vereinten Nationen steuert die Welt mit ihrer derzeitigen Klimapolitik jedoch auf 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu.
Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase ist zuletzt weiter gestiegen. Fachleute fordern deshalb einen Notfallmodus mit einem schnellen Ende neuer Investitionen in Kohle, Öl und Gas, während viele Regierungen wegen knapper Kassen und anderer Krisen Klimaschutzmittel zurückhalten.
Türkei wirbt für mehr Elektrifizierung
Die Türkei will auf der Konferenz ein globales Ziel zur Elektrifizierung voranbringen. Bis 2035 soll der Anteil elektrischer Energie am Endverbrauch von derzeit 20 auf 35 Prozent steigen.
Deutschland unterstützt den Vorstoß. Kritiker betonen jedoch, dass Elektrifizierung dem Klimaschutz nur dann hilft, wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft kommt.
Türkei und Australien teilen Führung
Die Türkei richtet die Konferenz aus und stellt mit Umweltminister Murat Kurum den COP-Präsidenten. Australien entsendet Klimaminister Chris Bowen als Präsidenten der Verhandlungen, der Kompromisse ausloten und Abschlusstexte vorbereiten soll.
Die neue Aufteilung der Aufgaben sorgt für Skepsis, weil Reibungsverluste zwischen Gastgeber und Verhandlungsführung befürchtet werden. Zusätzlich steht das politische Klima in der autoritär regierten Türkei im Mittelpunkt der Kritik von Menschenrechtsorganisationen.
Deutschland verfehlt laut Expertenrat seine Ziele
Deutschland will seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent und bis 2040 um 88 Prozent gegenüber 1990 senken. Der unabhängige Expertenrat für Klimafragen erwartet, dass diese Ziele verfehlt werden.
Bundeskanzler Friedrich Merz wird nicht nach Antalya reisen. Als Grund nannte ein Regierungssprecher anderweitige Verpflichtungen; Klimaaktivisten kritisieren die Entscheidung. Für den 13. November ist in Deutschland ein Klimastreik an 70 Orten angekündigt.
China und Saudi-Arabien im Fokus
China bleibt als größter Emittent von Treibhausgasen ein entscheidender Akteur. Das Land baut erneuerbare Energien stark aus, setzt zugleich aber weiter auf Kohle.
China verlangt mehr finanzielle Unterstützung und stärkere Emissionsminderungen von den Industrieländern. Auch Saudi-Arabien wird als wichtiger Verhandlungspartner beobachtet, weil das Land in der Vergangenheit ehrgeizige Beschlüsse gebremst hat.
Markt entwickelt sich schneller als Politik
Beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei Elektroautos und Wärmepumpen gibt es trotz der politischen Blockaden Fortschritte. Wind- und Solarenergie gehören vielerorts zu den kostengünstigsten Stromquellen.
Ob die COP31 mehr als kleine Schritte bringt, hängt vor allem von verbindlichen Zusagen zum Ausstieg aus fossilen Energien, zur Finanzierung und zur Elektrifizierung ab.
Die COP31 in Antalya beginnt in einer Lage, in der sich die Klimadiplomatie mit mehreren Krisen zugleich auseinandersetzen muss. Das Pariser Abkommen bleibt der zentrale Rahmen, doch die bisherige Politik reicht nach UN-Prognosen nicht aus, um die vereinbarte Begrenzung der Erderwärmung einzuhalten. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von langfristigen Versprechen auf deren Umsetzung, Finanzierung und Kontrolle.
Besonders konfliktträchtig ist die Frage, wer für Klimaschutz und Anpassung bezahlt. Staaten des Globalen Südens verlangen mehr Unterstützung von den Industrieländern, während viele Regierungen wegen Kriegen, hoher Ausgaben und angespannter Haushalte zurückhaltender agieren. Gleichzeitig steigen die Schäden durch Hitze, Dürren, Brände und Überschwemmungen – auch in Europa.
Elektrifizierung als türkischer Vorstoß
Der türkische Vorschlag, den Anteil elektrischer Energie am Endverbrauch bis 2035 von 20 auf 35 Prozent zu erhöhen, könnte einen konkreten Verhandlungsschwerpunkt bilden. Klimapolitisch wirksam wird dieses Ziel allerdings nur, wenn der zusätzliche Strom überwiegend aus erneuerbaren Quellen stammt. Die Gastgeberrolle der Türkei verleiht dem Vorschlag Gewicht, macht aber auch den Widerspruch zwischen Ausbauplänen, Solarenergie und anhaltender Kohlenutzung sichtbar.
Ungewöhnliche Verhandlungsführung
Die gemeinsame Steuerung durch die Türkei und Australien soll unterschiedliche Aufgaben verbinden: Gastgeber und COP-Präsident auf der einen, Verhandlungsführung auf der anderen Seite. Ob diese Konstruktion Kompromisse erleichtert, hängt davon ab, wie eng beide Seiten ihre Vorstöße abstimmen. Für Deutschland steht neben den internationalen Beschlüssen die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, weil die nationalen Klimaziele laut Expertenrat gefährdet sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Worüber beim Klimagipfel in der Türkei verhandelt wird“ (07.11.2026)
Der Artikel ordne den bevorstehenden Gipfel als Treffen vom 9. bis 20. November in Antalya ein und beleuchte die zentralen Verhandlungsthemen. Der Schwerpunkt liege auf den politischen Streitpunkten des Gipfels und ergänze damit die dpa-Darstellung um eine aktuelle Übersicht der anstehenden Gespräche.
Euronews: „COP31-Gastgeber Türkei: Riesiger Solarpark, aber Kohle bleibt Strombasis“ (06.11.2026)
Der Beitrag stelle der Gastgeberrolle der Türkei und dem Ausbau der Solarenergie die weiterhin wichtige Bedeutung der Kohle für die Stromversorgung gegenüber. Damit setze er einen stärker energiepolitischen Akzent, während die dpa-Meldung vor allem die Verhandlungen über Elektrifizierung und internationale Klimafinanzierung einordne.
Beide Beiträge bestätigten den Beginn des Gipfels in Antalya und die Bedeutung der türkischen Gastgeberrolle. Unterschiedliche Schwerpunkte lägen bei den Verhandlungsthemen einerseits und beim Spannungsverhältnis zwischen erneuerbarem Ausbau und Kohlenutzung andererseits.
