Jetzt auch noch Zolldebakel: Trumps Niederlagen hÀufen sich
22.02.2026 - 08:49:50 | dpa.deEs war wie ein Schlag in die Magengrube. Richter des Obersten Gerichtshof der USA entzogen Donald Trump die rechtliche Grundlage fĂŒr Zölle, die der PrĂ€sident gegen zahlreiche LĂ€nder verhĂ€ngt hatte. Ausgerechnet beim Kernelement seiner Politik in der zweiten Amtszeit muss der 79-JĂ€hrige nun diese Blamage hinnehmen. Es droht realer politischer Schaden, das weiĂ Trump - und versucht, das Blatt in Windeseile wieder zu wenden. Nur wenige Stunden nach der richterlichen Entscheidung kĂŒndigt er neue Zölle fĂŒr alle LĂ€nder der Welt an. Erst 10 Prozent, dann legt er noch mal nach und erhöht auf 15 Prozent. Das Signal: Ein Donald Trump lĂ€sst sich nicht unterkriegen.
Allerdings - die Zölle sind nicht das einzige Problem des US-PrĂ€sidenten. Zuletzt hĂ€uften sich seine Niederlagen. Und es drohen weitere RĂŒckschlĂ€ge - dem Republikaner stehen schwierige Zeiten bevor.
Grundsatzrede vor dem Kongress unter gewaltigem Druck
Das Zoll-Debakel, dessen vollstĂ€ndige Auswirkungen noch unklar sind, kommt ausgerechnet wenige Tage vor Trumps wichtigem Auftritt im US-Parlament. Die State of the Union - die jĂ€hrliche Grundsatzrede zur Lage der Nation im Kongress - steht Medienberichten zufolge am Dienstagabend (Ortszeit) an. Sie gehört zu den wichtigsten politischen Ansprachen. Diese BĂŒhne wĂŒrde Trump eigentlich Gelegenheit fĂŒr einen Befreiungsschlag bieten. Der Unmut vieler Amerikaner ist spĂŒrbar, sei es in Umfragen oder auf der StraĂe bei Protesten gegen seine aggressive Abschiebe-Politik.
Die Zwischenwahlen am Horizont
Die Augen richten sich zugleich zunehmend auf die im November anstehenden Zwischenwahlen. Die sogenannten Midterms könnten Trump und seinen Republikanern eine Niederlage bescheren und die ohnehin knappen Mehrheiten in beiden Parlamentskammern verloren gehen. Hatten die Demokraten nach der Wahlniederlage ihrer PrĂ€sidentschaftskandidatin Kamala Harris monatelang wie erstarrt gewirkt, wurden sie zuletzt wieder sichtbarer.Â
Bei den Midterms werden alle Sitze im ReprÀsentantenhaus und ein Teil der Sitze im Senat neu vergeben. Wenn die Demokraten sich bei den Zwischenwahlen die Mehrheit erkÀmpfen, stehen dem PrÀsidenten Blockaden seiner Vorhaben ins Haus.
Wie lange noch Durchregieren mit dem Filzstift?
Trumps zweite Amtszeit ist geprĂ€gt von einer rasenden Geschwindigkeit. Die Macht, mit der das Amt des PrĂ€sidenten per se ausgestattet ist, spielt er aus. Mit dickem Filzstift unterschreibt er Dekret um Dekret, um seine Politik der Zölle oder der Abschiebung von Migranten voranzutreiben. Durch Drohungen und militĂ€rische StĂ€rke soll die Welt zu spĂŒren bekommen: «America is back» (Amerika ist zurĂŒck) und steht jetzt an erster Stelle (America first).
Nach einem Jahr zeigt diese Kulisse immer mehr Risse. Trump gelingt es trotz manch guter Nachricht in der Wirtschaft - die Inflation etwa hat sich deutlich abgeschwĂ€cht - nicht, das wirklich fĂŒr sich aktuell zu verbuchen. Obwohl der selbst ernannte Deal-Maker gebetsmĂŒhlenartig wiederholt, dass es der Wirtschaft besser gehe, gibt es der «Washington Post» zufolge «eine Kluft zwischen makroökonomischen Kennzahlen und der öffentlichen Stimmung».
Umfragen von Ipsos/Reuters legen nahe, dass der RĂŒckhalt fĂŒr Trump sinkt. Insgesamt stimmen der jĂŒngsten Ipsos-Befragung zufolge 38 Prozent insgesamt der Art und Weise zu, wie Trump seinen Job als PrĂ€sident macht. Bei Amtsantritt vor einem Jahr waren es demnach noch 47 Prozent. Besonders interessant: Auch in republikanischen Kreisen schmilzt die Zustimmung - von 91 Prozent bei Amtsantritt auf nun 84 Prozent.
Die Epstein-AffÀre, die Trump von sich weghalten will
In die Defensive geriet Trump besonders im Dezember. ZĂ€hneknirschend und gegen seinen Willen unterzeichnete er auf Druck des Kongresses ein Gesetz, das die Veröffentlichung der Epstein-Ermittlungsakten anordnete.Â
Der SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein betrieb einen Missbrauchsring, dem MinderjĂ€hrige zum Opfer fielen. Er starb 2019 in seiner GefĂ€ngniszelle, bevor es zu einer erneuten Verurteilung hĂ€tte kommen können. Trump kommt auch in den Akten vor - eine Nennung per se heiĂt zugleich nichts. Die Trump-Regierung ist vehement darum bemĂŒht, den PrĂ€sidenten von dem Skandal so weit wie möglich fernzuhalten - was augenscheinlich gelingt, wĂ€hrend Prominente weltweit ĂŒber den Skandal stolpern. Als ausgestanden gilt die AffĂ€re aber auch fĂŒr den PrĂ€sidenten nicht.Â
Die brutalen Razzien und Trumps Einlenken
Neben dem Fall Epstein kam vor Wochen der Protest Tausender auf Amerikas StraĂen hinzu. Brutale Szenen bei Razzien gegen Migranten waren offensichtlich zu viel. Bundesbeamte erschossen in Minneapolis bei EinsĂ€tzen zwei US-BĂŒrger. Der Protest weitete sich aus.Â
Trump zog schlieĂlich unter massivem Druck der Ăffentlichkeit KrĂ€fte der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE wieder ab. Doch dabei blieb es nicht. Die Demokraten streiten mit Republikanern seither auch um strengere Regeln fĂŒr solche EinsĂ€tze. Das Ergebnis: Seit mehr als einer Woche gibt es eine Haushaltsblockade fĂŒr das zustĂ€ndige Heimatschutzministerium, es flieĂt kein neues Geld. Eine Lösung fĂŒr Trump ist nicht in Sicht.
