Deutschland, USA

Wadephul in New York - Werbetour bei den Vereinten Nationen

28.04.2026 - 04:40:04 | dpa.de

Der deutsche Außenminister fĂŒhrt angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine GesprĂ€che bei den Vereinten Nationen. In New York geht es aber auch um eine fĂŒr Deutschland wichtige Wahl Anfang Juni.

  • Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht die Vereinten Nationen in New York. Es ist auch eine Werbetour fĂŒr die deutsche Kandidatur fĂŒr einen nichtstĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht die Vereinten Nationen in New York. Es ist auch eine Werbetour fĂŒr die deutsche Kandidatur fĂŒr einen nichtstĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht vor dem Hintergrund der Kriege im Iran und in der Ukraine die Vereinten Nationen in New York. Es geht auch um Reformen der Weltorganisation. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht vor dem Hintergrund der Kriege im Iran und in der Ukraine die Vereinten Nationen in New York. Es geht auch um Reformen der Weltorganisation. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnt in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York vor einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnt in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York vor einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht die Vereinten Nationen in New York. Es ist auch eine Werbetour fĂŒr die deutsche Kandidatur fĂŒr einen nichtstĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Außenminister Johann Wadephul (CDU) besucht vor dem Hintergrund der Kriege im Iran und in der Ukraine die Vereinten Nationen in New York. Es geht auch um Reformen der Weltorganisation. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnt in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York vor einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges. - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Viel Zeit bleibt nicht mehr: Am 3. Juni will sich Deutschland zum siebten Mal als nichtstĂ€ndiges Mitglied in den mĂ€chtigen UN-Sicherheitsrat wĂ€hlen lassen. Doch ein Erfolg der Kandidatur gilt keineswegs als ausgemacht. Mit Österreich und Portugal hat Deutschland zwei andere europĂ€ische LĂ€nder als Gegenkandidaten, denen bei den Vereinten Nationen ebenfalls gute Chancen eingerĂ€umt werden - wenn nicht sogar bessere. Außenminister Johann Wadephul (CDU) will deshalb am Rande seines Besuchs bei den UN in New York die Werbetrommel rĂŒhren.

Schon zum FrĂŒhstĂŒck will sich Wadephul heute mit Botschaftern von UN-Mitgliedsstaaten treffen und mit ihnen ĂŒber aktuelle Herausforderungen fĂŒr den Multilateralismus diskutieren. SpĂ€ter am Vormittag (Ortszeit) will er die deutsche Sicherheitsrats-Kandidatur vor UN-Vertretern Afrikas prĂ€sentieren.

Wahlkampf bis zur Abstimmung am 3. Juni

Die afrikanische Gruppe umfasst 54 LĂ€nder. Derzeit sitzen Somalia, die Demokratische Republik Kongo und Liberia im Sicherheitsrat. Deutschland unterstĂŒtzt Afrika bei seinen ReformplĂ€nen fĂŒr den Sicherheitsrat. Die Gruppe fordert mindestens zwei stĂ€ndige Sitze mit Veto-Recht und zwei zusĂ€tzliche nichtstĂ€ndige Sitze fĂŒr sich.

Dem Sicherheitsrat gehören 15 der 193 UN-Mitgliedstaaten an. FĂŒnf sind stĂ€ndig dabei und haben ein Veto-Recht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich. Jedes Jahr werden je fĂŒnf der nichtstĂ€ndigen Sitze neu besetzt. 

Die insgesamt zehn Sitze werden nach LĂ€ndergruppen verteilt: FĂŒnf an afrikanische und asiatische Staaten, einer an osteuropĂ€ische Staaten, zwei an Lateinamerika und zwei an westeuropĂ€ische und andere Staaten. Sie werden mit Zweidrittelmehrheit gewĂ€hlt.

Sitz birgt Aussicht auf mehr Einfluss in globalen Krisen

Abgestimmt wird in der UN-Generalversammlung geheim. Deutschland kandidiert fĂŒr die Jahre 2027/2028, das Leitmotiv lautet «Respekt – Gerechtigkeit – Frieden». Schon sechs Mal war die Bundesrepublik gewĂ€hltes Mitglied im Sicherheitsrat, seit der Wiedervereinigung 1990 kandidiert Deutschland alle acht Jahre.

Die Bundesregierung dĂŒrfte sich vom Engagement im Sicherheitsrat mehr Einfluss bei wichtigen Entscheidungen versprechen - wohl auch im Zusammenhang mit Verhandlungen um Frieden und eine Nachkriegsordnung in der Ukraine oder im Gazastreifen. Doch etliche LĂ€nder sowohl in Europa wie in anderen Teilen der Welt sollen bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr die europĂ€ischen Gegenkandidaten signalisiert haben.

ZurĂŒckhaltende UnterstĂŒtzung auch wegen Gaza-Krieg 

Neben einer im Vergleich zu Österreich und Portugal verspĂ€tet angekĂŒndigten Kandidatur Berlins gilt als weiterer Grund fĂŒr die Wackelpartie, dass sich die Bundesregierung im Gaza-Krieg weitgehend hinter die israelische Regierung gestellt hat. In Berlin wird dieses Argument mit der Feststellung gekontert, dass man als Konsequenz zeitweise Waffenlieferungen fĂŒr Israel beschrĂ€nkt habe.

Die Bundesregierung setzt unter anderem auch auf den Ruf Deutschlands als verlĂ€sslicher Nato-Partner und hofft, dass dies als Argument fĂŒr eine Ja-Stimme ziehen könnte. 

Institution mit dringendem Reformbedarf

Geplant ist auch ein Treffen Wadephuls mit dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi. Auch dabei dĂŒrfte es um die Kriege im Iran und in der Ukraine gehen. Zentrale BegrĂŒndung des Angriffs der USA und Israels auf den Iran Ende Februar war, Teheran die FĂ€higkeit zum Bau einer Atombombe zu nehmen. 

Auch Grossi ist derzeit im Wahlkampf: Er will 2027 Nachfolger von UN-GeneralsekretÀr António Guterres werden und wirbt unter anderem damit, die Bedeutung der UN wieder stÀrken zu wollen.

Mit dem Ende des Jahres scheidenden UN-GeneralsekretĂ€r will Wadephul sich kurz vor dem RĂŒckflug nach Deutschland treffen. Dass die UN dringenden Reformbedarf haben - diese Ansicht teilt Deutschland mit diversen Vertretern anderer Erdteile. Auch deswegen stellt sich Wadephul hinter die ReformvorschlĂ€ge von Guterres. 

Guterres als Kritiker des Veto-Rechts

Dieser fordert unter anderem eine Reform des Sicherheitsrats. Dessen Zusammensetzung spiegle nicht die Welt der Gegenwart wider, kritisiert er. Auch das Veto-Recht der stĂ€ndigen Mitglieder mĂŒsse eingeschrĂ€nkt werden.

Das VerhĂ€ltnis der US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump und den UN gilt als angespannt. Nach UN-Angaben schulden die USA der Organisation noch Milliarden Dollar. Trump hat die Vereinten Nationen wiederholt als ineffektiv kritisiert, die USA aus mehreren UN-Einrichtungen und internationalen Abkommen zurĂŒckgezogen und einen auf ihn als Person zugeschnittenen internationalen «Friedensrat» («Board of Peace») gegrĂŒndet. 

Anders als Trump, der vor allem auf das Recht des StĂ€rkeren setzt, will Wadephul auf die StĂ€rke des Rechts setzen. Die UN mĂŒssten «zum Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Krisendiplomatie werden», fordert er mit Blick auf den Iran- und den Ukraine-Krieg. «Wenn der Sicherheitsrat jetzt Verantwortung ĂŒbernimmt, stĂ€rkt er damit auch die internationale Ordnung», sagte Wadephul. 

Bei vielen UN-Mitgliedsstaaten dĂŒrften solche SĂ€tze auf große Zustimmung stoßen. Ob sich das in Ja-Stimmen am 3. Juni niederschlĂ€gt, bleibt offen.

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