Deutschland, China

Merz in China eingetroffen - GesprÀch mit PrÀsident Xi

25.02.2026 - 04:54:39 | dpa.de

Der Kanzler will in China fĂŒr fairen Wettbewerb werben und hofft auf Hilfe bei den BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Vor dem Abflug spricht er ĂŒber fĂŒnf Leitlinien seiner Visite in Peking.

Vor seinem Abflug nach Peking gab Merz fĂŒnf Leitlinien fĂŒr seine China-Visite aus. - Foto: Michael Kappeler/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist zum ersten China-Besuch seiner Amtszeit in der Hauptstadt Peking eingetroffen. Er wird dort zunĂ€chst von MinisterprĂ€sident Li Qiang mit militĂ€rischen Ehren empfangen und spĂ€ter PrĂ€sident Xi Jinping zu einem GesprĂ€ch und Abendessen treffen. Dabei soll es vor allem um die wirtschaftliche Zusammenarbeit und sicherheitspolitische Themen wie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehen. China gilt als wichtigster VerbĂŒndeter des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin. 

Merz wird in China von 30 deutschen Top-Managern begleitet. Es sollen mehrere Vereinbarungen unterzeichnet werden, Einzelheiten waren vorher aber nicht bekannt. China ist fĂŒr Deutschland der wichtigste Handelspartner, Importe und Exporte summierten sich 2025 auf mehr als 250 Milliarden Euro. Die Erwartungen der deutschen Unternehmen an die Reise des Kanzlers sind hoch, sie hoffen vor allem auf bessere Wettbewerbsbedingungen.

Merz gab vor seinem Abflug nach Peking fĂŒnf Leitlinien fĂŒr die Reise aus, die der China-Strategie der VorgĂ€ngerregierung von SPD, GrĂŒnen und FDP Ă€hneln. Darin war die Rede davon gewesen, dass China Wettbewerber, Partner und Systemrivale zugleich sei. Das Wort Rivale kommt in Merz' Leitlinien nun nicht mehr vor.

1. EuropĂ€ische StĂ€rke als Grundlage fĂŒr China-Politik

Schon bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz machte der Kanzler europĂ€ische Selbstbehauptung in einer neuen Zeit der Großmachtpolitik zur Maxime. «Nur wenn wir in Deutschland und Europa einig, stark und wettbewerbsfĂ€hig sind, können wir eine ausgewogene Partnerschaft mit China gestalten», sagte er nun vor seiner Abreise.

2. Risiko-Minderung statt Entkopplung von China

Die AbhĂ€ngigkeit von China ist vor allem bei Rohstoffen groß. So kontrolliert China 90 Prozent der Verarbeitung von sogenannten seltenen Erden, die fĂŒr die Produktion von Handys, Laptops oder Elektromotoren benötigt werden. Merz will nun ein breiteres Netzwerk von PartnerlĂ€ndern Deutschlands schaffen und reiste deswegen - anders als seine VorgĂ€nger Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz - noch vor China nach Indien. Was Merz aber nicht will, ist eine Entkopplung von der zweitstĂ€rksten Wirtschaftsmacht hinter den USA: «Mit einer solchen Politik wĂŒrden wir uns ins eigene Fleisch schneiden.»

3. Fairer Wettbewerb

Darauf dringt die deutsche Wirtschaft mit Vehemenz. Firmen klagen seit Jahren ĂŒber Probleme beim Marktzugang, undurchsichtige Regelungen und Nachteile gegenĂŒber der vom Staat bevorzugten chinesischen Konkurrenz. Dazu kommen lange Warte- und Bearbeitungszeiten und zusĂ€tzliche Unsicherheiten in den Lieferketten, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen behindern. Besonders große Sorgen machen der deutschen Wirtschaft die seit April 2025 geltenden ExportbeschrĂ€nkungen fĂŒr seltene Erden.

4. Internationale Zusammenarbeit mit China

In einer Weltordnung, in der Großmachtpolitik eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle spiele, komme man an China nicht vorbei, sagt Merz. «Das gilt ungeachtet grundlegender systemischer Unterschiede zwischen China und Deutschland.» Der Kanzler will im Kampf gegen den Klimawandel und beim Einsatz fĂŒr eine faire Welthandelsordnung mit der Volksrepublik zusammenarbeiten.

Er erhofft sich aber vor allem mit Blick auf die BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs UnterstĂŒtzung von China. «Wenn Xi Jinping (Kremlchef Wladimir) Putin morgen sagen wĂŒrde, hör' das auf, dann muss er ĂŒbermorgen aufhören», sagte der Kanzler bereits am Montag bei der dpa-Chefredaktionskonferenz. Er verwies darauf, dass China Russland nach wie vor durch den Import von russischem Öl und Gas und durch Technologielieferungen in umgekehrter Richtung unterstĂŒtze. 

Mit Blick auf Taiwan betonte Merz vor seinem Abflug, dass die Bundesregierung an ihrer sogenannten Ein-China-Politik festhalte. «Deren genaue Ausgestaltung bestimmen wir selbst», fĂŒgte er aber hinzu. Nach dem Ein-China-Prinzip erkennen Deutschland und die meisten anderen Staaten offiziell nur die Volksrepublik China und nicht den unabhĂ€ngig regierten Inselstaat Taiwan an, den Peking als Teil seines Territoriums betrachtet.

Noch in der vergangenen Woche hatte Merz in dieser Frage deutlich schroffere Töne angeschlagen. Man sehe nun, dass China «ganz anders als in den letzten 3.000 Jahren der chinesischen Geschichte aggressiv im sĂŒdchinesischen Meer FlottenstĂŒtzpunkte ausbaut, Taiwan einkreist, offen erklĂ€rt, dass sie notfalls bereit wĂ€ren, mit militĂ€rischer Gewalt die sogenannte Wiedervereinigung Chinas herbeizufĂŒhren», hatte er beim politischen Aschermittwoch in Trier gewettert.

5. EuropÀische Einbettung

Merz will die China-Politik europĂ€isch einbetten und nicht den jeweiligen Einzelstaaten ĂŒberlassen - denen es gegenĂŒber der Großmacht im Zweifel an wirkungsvollen Hebeln fehlt. Deshalb sei es kein Zufall, dass nicht nur er, sondern auch der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer innerhalb weniger Wochen nach Peking reisen wĂŒrden. «Wir wollen Partnerschaft mit China, ausgewogen, zuverlĂ€ssig, geregelt und fair», sagte Merz. «Das ist unser Angebot. Es ist zugleich, was wir uns von der chinesischen Seite erhoffen.»

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