Papst, Robert

Der neue Papst: Robert Francis Prevost aus den USA

Veröffentlicht am: 08.05.2025 um 19:24 Uhr | dpa.de

Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri: Prevost bringt Erfahrung aus Chicago, Peru und Rom mit. Seine Wahl steht fĂŒr KontinuitĂ€t ohne Spaltung.

  • Papst Franziskus erhob den US-Amerikaner 2023 zum Kardinal. - Bild: Riccardo De Luca/AP/dpa
    Papst Franziskus erhob den US-Amerikaner 2023 zum Kardinal. - Bild: Riccardo De Luca/AP/dpa
  • Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri hat sich fĂŒr den Papstnamen Leo XIV. entschieden. - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
    Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri hat sich fĂŒr den Papstnamen Leo XIV. entschieden. - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
Papst Franziskus erhob den US-Amerikaner 2023 zum Kardinal. - Bild: Riccardo De Luca/AP/dpa Der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri hat sich fĂŒr den Papstnamen Leo XIV. entschieden. - Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Menschennah und nun an der Spitze der katholischen Kirche: Robert Francis Prevost ist der 267. Pontifex. Der 69-jĂ€hrige Erzbischof aus Chicago hat sich fĂŒr den Papstnamen Leo XIV. entschieden. Er wird als erster US-Amerikaner die 1,4 Milliarden Mitglieder der Weltkirche leiten.

Seine Wahl gilt als Kompromiss – und zugleich als Signal der Einheit. Prevost vereint amerikanische Herkunft, lateinamerikanische PrĂ€gung und römische FĂŒhrungserfahrung. Damit wurde er zum Konsenskandidaten eines Kardinalskollegiums, das kulturelle wie kirchenpolitische GegensĂ€tze zu ĂŒberwinden hatte.

Vom Mathematiker zum Papst

Geboren 1955 in Chicago als Sohn von Eltern mit französisch-spanisch-italienischen Wurzeln, studierte Prevost zunÀchst Mathematik, bevor er 1977 dem Augustinerorden beitrat. 1982 wurde er in Rom zum Priester geweiht. SpÀter promovierte er dort in Kirchenrecht. 

Ab Mitte der 1980er Jahre war Prevost als Missionar in Peru tĂ€tig. Dort grĂŒndete er Pfarreien, leitete ein Priesterseminar und war in der Bischofsausbildung aktiv. 2015 ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Landes. WĂ€hrend der politischen Krisen setzte er sich fĂŒr StabilitĂ€t ein.

2023 folgte der Aufstieg zum Leiter des mĂ€chtigen Dikasteriums fĂŒr die Bischöfe – jener Vatikanbehörde, die weltweit Bischöfe auswĂ€hlt. Im selben Jahr folgte der Kardinalshut. Trotz dieser SchlĂŒsselrolle soll Prevost zurĂŒckhaltend geblieben sein, er suchte nicht das mediale Scheinwerferlicht. In kirchlichen Kreisen gelte er als pragmatisch und gemĂ€ĂŸigt, schreibt unter anderem die Zeitung «La Repubblica». 

US-Papst ohne nationale Agenda

Prevost steht fĂŒr KontinuitĂ€t im Sinne von Franziskus. Er gilt als einer, der zuhört, vermittelt und Wandel will, ohne zu polarisieren. Als erster US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri kommt er aus einem Land, in dem sich 20 Prozent der Bevölkerung laut Forschungsinstitut Pew Research Center als Katholiken bezeichnen. Doch dynamisch wĂ€chst der Katholizismus heute vor allem in Afrika und Asien und nicht im Westen.

Seine lange Erfahrung in Lateinamerika prĂ€gt Prevost. In Peru, wo rund zwei Drittel der 34 Millionen Einwohner katholisch sind, ist die Kirche tief im sozialen und kulturellen Leben verankert, gestĂŒtzt durch die Verfassung und ein bilaterales Abkommen mit dem Vatikan.

Diplomat im Schatten der Vergangenheit

In kirchlichen Kreisen gilt der neue Papst als pragmatischer Diplomat. Als der sogenannte Synodale Weg zur Zukunft der Kirche 2023 in Rom auf Kritik stieß, vermittelte Prevost gemeinsam mit KardinalstaatssekretĂ€r Pietro Parolin zwischen den deutschen Bischöfen und dem Vatikan.

Doch seine Laufbahn ist nicht frei von Belastungen: Ihm wird vorgeworfen, in seiner Zeit in Chicago und spĂ€ter als Bischof in Chiclayo MissbrauchsfĂ€lle nicht konsequent verfolgt zu haben. Prevost bestreitet die VorwĂŒrfe, die Diözese wies die Anschuldigungen zurĂŒck. 

Franziskus’ Erbe in grĂŒner Handschrift

In vielerlei Hinsicht zeigte Prevost NĂ€he zum verstorbenen Pontifex – was ihm konservativere Stimmen vorwerfen. Er gilt als gemĂ€ĂŸigter Reformer, ohne dabei GlaubenssĂ€tze aufzugeben. Besonders deutlich zeigt sich seine Haltung in Umweltfragen: Prevost hat sich wie Franziskus wiederholt fĂŒr entschiedenes Handeln gegen den Klimawandel ausgesprochen.

Auch gilt er als ĂŒberzeugter BefĂŒrworter der Synode: Immer wieder hat er betont, dass die Kirche transparenter und offener fĂŒr die Stimmen der GlĂ€ubigen sein mĂŒsse. Hierzu gehöre auch die Rolle der Laien zu stĂ€rken und den Stil kirchlicher Leitung zu verĂ€ndern - etwa durch mehr Hinhören und weniger Hierarchie. 

Gleichzeitig lehnt er manche Reformen ab, zum Beispiel die Weihung von Frauen fĂŒr kirchliche Ämter. Bei der Weltsynode 2023 warnte er vor einer «Klerikalisierung von Frauen». Das sei keine Lösung, sondern womöglich ein neuer Problemherd. Frauen hĂ€tten bereits vielfĂ€ltige zentrale Rollen in der Kirche.

Ein Papst im globalen Spannungsfeld

Der neue Papst steht zwischen Nord und SĂŒd, zwischen Rom und Peripherie. Prevosts Biografie – von Chicago ĂŒber Peru bis in die vatikanische FĂŒhrungsriege – macht ihn zu einem Vermittler zwischen Kulturen und Generationen. Die Welt wartet nun mit Spannung darauf, wie der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron die katholische Kirche fĂŒhren wird.

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