TV-Duell, US-Demokraten

Nach TV-Duell: Bei US-Demokraten geht die Angst um

28.06.2024 - 16:21:31 | dpa.de

Der US-PrĂ€sident sollte beim TV-Duell gegen Trump Zweifel wegen seines Alters abschĂŒtteln. Das Gegenteil passiert.

  • US-PrĂ€sident Joe Biden und sein Herausforderer Donald Trump (l) treten bei einem TV-Duell gegeneinander an. - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa
  • US-PrĂ€sident Joe Biden und First Lady Jill Biden verlassen die BĂŒhne. - Foto: Gerald Herbert/AP
  • Eine Schnell-Umfrage sah Trump eindeutig als Gewinner des Duells: 67 Prozent der Befragten votierten fĂŒr den Ex-PrĂ€sidenten, nur 33 Prozent sahen Biden als Gewinner. - Foto: Lindsey Wasson/AP/dpa
  • Donald Trump wollte sich erneut nicht darauf festlegen, ob er den Ausgang der Wahl im November akzeptieren wird. - Foto: Gerald Herbert/AP
  • War es das bereits fĂŒr Joe Biden? Der US-PrĂ€sident konnte Zweifel an seiner Eignung fĂŒr das Amt nicht ausrĂ€umen - im Gegenteil. - Foto: Gerald Herbert/AP
  • Joe Biden versuchte, sich angriffslustig zu geben, doch er wirkte kraftlos. - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa
US-PrĂ€sident Joe Biden und sein Herausforderer Donald Trump (l) treten bei einem TV-Duell gegeneinander an. - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa US-PrĂ€sident Joe Biden und First Lady Jill Biden verlassen die BĂŒhne. - Foto: Gerald Herbert/AP Eine Schnell-Umfrage sah Trump eindeutig als Gewinner des Duells: 67 Prozent der Befragten votierten fĂŒr den Ex-PrĂ€sidenten, nur 33 Prozent sahen Biden als Gewinner. - Foto: Lindsey Wasson/AP/dpa Donald Trump wollte sich erneut nicht darauf festlegen, ob er den Ausgang der Wahl im November akzeptieren wird. - Foto: Gerald Herbert/AP War es das bereits fĂŒr Joe Biden? Der US-PrĂ€sident konnte Zweifel an seiner Eignung fĂŒr das Amt nicht ausrĂ€umen - im Gegenteil. - Foto: Gerald Herbert/AP Joe Biden versuchte, sich angriffslustig zu geben, doch er wirkte kraftlos. - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

Joe Biden kĂ€mpft. Mit Wörtern, mit Zahlen, mit seiner Stimme. Der US-PrĂ€sident steht neben Donald Trump auf der FernsehbĂŒhne in Atlanta, krĂ€chzend, versucht sich an einer Antwort zu Steuern, Staatsschulden und der Wirtschaftslage. In einem Satz verwechselt er BillionĂ€re und MilliardĂ€re, im nĂ€chsten Millionen und Milliarden. Zwischendurch zwinkert er nervös. Dann beginnt er einen Satz, der einfach nicht enden will.

«Wir wĂ€ren in der Lage, dafĂŒr zu sorgen, dass all die Dinge, die wir tun mĂŒssen - Kinderbetreuung, Altenpflege, dafĂŒr sorgen, dass wir unser Gesundheitssystem weiter stĂ€rken», sagt der 81-JĂ€hrige, «dafĂŒr sorgen, dass wir in der Lage sind, jeder einzelnen Person...». Biden hat den Faden verloren. Er schließt die Augen und setzt wieder an. «Anspruch haben auf... fĂŒr das, was ich mit dem..., dem Covid...» Wieder schließt er die Augen und rĂ€uspert sich. «Entschuldigung, Ă€hm.» Der mĂ€chtigste Mann der Welt schaut nach unten auf sein Stehpult. «Mit dem Umgang mit... allem, was wir zu tun haben...» Der Demokrat blickt weiter auf das Pult hinab. Trump dreht sich zu ihm, mit fragendem Blick.

Die Pause, die selbst beim Zuschauen schmerzt, dauert an. Dann schaut Biden auf, schiebt etwas UnverstĂ€ndliches zum Gesundheitssystem nach, bevor der CNN-Moderator Jake Tapper ihn abwĂŒrgt und sagt: «Danke, Herr PrĂ€sident.» Bidens Redezeit ist abgelaufen.

Fahrig, durcheinander, ĂŒberfordert

Es ist nur einer von vielen Momenten im ersten TV-Duell der beiden US-PrĂ€sidentschaftsbewerber in diesem Wahlkampf, in dem Biden fahrig daherkommt, durcheinander, seiner Aufgabe bei der Debatte schlicht nicht gewachsen. Dass neben ihm ein verurteilter StraftĂ€ter auf der BĂŒhne steht, ein skandalumwobener Politiker, der versucht hat, den Ausgang einer demokratischen Wahl zu sabotieren und auch bei dieser Debatte schamlos LĂŒgen verbreitet, gerĂ€t da in den Hintergrund.

Biden gibt sich zwar angriffslustig, geht seinen Kontrahenten mehrfach ungewöhnlich scharf an, verunglimpft ihn als «Verlierer», «Jammerlappen», einmal sogar als jemanden mit der «Moral eines Straßenköters». Doch kraftvoll wirkt das nicht. Mit heiserer und teilweise leiser Stimme quĂ€lt er sich durch diverse Antworten, die öfter mal unzusammenhĂ€ngend sind. Zwischendurch gibt es dann Momente, in denen er mit offenem Mund ins Leere blickt.

Die Reaktionen auf den Auftritt des demokratischen Spitzenmannes sind verheerend, auch und gerade in der eigenen Partei. Bidens Alter und die Debatte ĂŒber seinen Zustand sind ohnehin sein grĂ¶ĂŸtes Problem im Wahlkampf. Bei diesem ersten Aufeinandertreffen mit Trump seit vier Jahren hĂ€tte er sich bewĂ€hren sollen, den Menschen im Land zeigen, dass er trotz seiner 81 Jahre bestens in der Lage ist, das Land zu fĂŒhren und Trump zu schlagen. Doch genau das gelingt nicht.

Blanke Panik in der Partei

Selbst Bidens Vize Kamala Harris rĂ€umt nach der Debatte vor laufender Kamera ein: «Das war ein holpriger Start, das ist fĂŒr jeden offensichtlich.» Selbst politische Kommentatoren, die Biden ĂŒblicherweise gewogen sind, Ă€ußern sich entsetzt ĂŒber die Performance des PrĂ€sidenten, sprechen von einer DemĂŒtigung und einem Wahlkampf-Desaster. «Es wird Diskussionen darĂŒber geben, ob er weitermachen wird», sagt etwa David Axelrod, Chefstratege von Bidens frĂŒherem Chef, Ex-PrĂ€sident Barack Obama.

Und genau diese eigentlich unvorstellbare Frage diskutieren die Demokraten nun bereits: Ob ihr Frontmann derart schwach ist, dass sie rund vier Monate vor dem Wahltag einen alternativen Kandidaten finden mĂŒssen. Die meisten Ă€ußern sich nur hinter vorgehaltener Hand. «Es ist schwer zu argumentieren, dass Biden unser Kandidat sein sollte», zitiert CNN einen namentlich nicht genannten ParteifunktionĂ€r. Andere sprechen von blanker «Panik» in der Partei. Doch aus der hinteren Reihen gibt es bereits erste öffentliche Appelle an Biden, sich zurĂŒckzuziehen, etwa von Andrew Yang, der sich 2020 selbst erfolglos als PrĂ€sidentschaftskandidat seiner Partei bewarb. «Leute, die Demokraten sollten jemand anderen nominieren - bevor es zu spĂ€t ist», schreibt Yang auf der Plattform X.

Ein Plan B der Demokraten?

Aber ginge es ĂŒberhaupt, Biden noch aus dem Rennen zu nehmen? Theoretisch ja. Ende August treffen sich die Demokraten zu einem Krönungsparteitag in Chicago. Eigentlich um Biden offiziell als ihren PrĂ€sidentschaftskandidaten zu nominieren. Doch dort könnte die Partei noch kurzfristig umsatteln und einen neuen Kandidaten festlegen. Biden mĂŒsste dafĂŒr allerdings aus freien StĂŒcken aussteigen, denn er hat formal die Vorwahlen seiner Partei gewonnen, und an deren Ergebnisse sind die Delegierten beim Parteitag vorerst gebunden. Biden könnte aber etwa gesundheitliche oder familiĂ€re GrĂŒnde geltend machen, um sich gesichtswahrend zurĂŒckzuziehen. Ob er dazu bereit wĂ€re, ist fraglich.

Und das noch grĂ¶ĂŸere Problem: Einen echten Plan B hat die Partei nicht. Sie hat es versĂ€umt, einen Nachfolger aufzubauen. Das muss sich allen voran auch Biden zum Vorwurf machen lassen. Der siebenfache Großvater behauptet von sich, er sei die am besten qualifizierte Person fĂŒr den Job, und nur er könne Trump schlagen. Dies wirkt nun fast vermessen.

Die natĂŒrliche Nachfolge wĂ€re Harris gewesen. Doch sie blieb in ihrem VizeprĂ€sidentenamt bislang blass, ist kaum sichtbar und hat selbst mit miesen Beliebtheitswerten zu kĂ€mpfen. Da sie als erste Frau und erste Schwarze auf das Amt aufgerĂŒckt ist, wĂ€re es aber schwierig gewesen, an ihr vorbei einen Ersatzkandidaten zu etablieren. Und nun ist es zu spĂ€t.

Auch wenn die Option des Biden-Exits theoretisch denkbar wĂ€re, so wĂ€re es politisch wohl eher aussichtslos. Einen anderen Demokraten innerhalb von vier Monaten auf nationaler BĂŒhne als Alternative fĂŒr das PrĂ€sidentenamt zu etablieren, der Ă€hnlich bekannt ist wie Trump, scheint kaum möglich. Trumps Chancen, wieder ins Weiße Haus einzuziehen, waren nie grĂ¶ĂŸer.

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