Yasmin Fahimi fordert konsequente Industriepolitik fĂŒr Europa
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFahimis Forderungen an die Bundesregierung
- Yasmin Fahimi verlangt eine stÀrkere Ausrichtung der Bundesregierung auf Modernisierung und Wirtschaftswachstum.
- Staatliche Förderung und Steuervorteile sollen nach ihrer Forderung an Forschung und Produktion in Europa gebunden werden.
- Die DGB-Chefin lehnt Sozialreformen als KĂŒrzungsmaĂnahmen ab und warnt vor den Folgen einer AfD-Regierung.
DGB fordert Industriepolitik und faire Sozialreformen
DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert die Bundesregierung auf, ihre Politik stĂ€rker auf die Modernisierung Deutschlands und wirtschaftliches Wachstum auszurichten. In einem GesprĂ€ch mit der âSĂŒddeutschen Zeitungâ verlangte sie unter anderem eine konsequente Industriepolitik.
Förderung an Produktion in Europa binden
Staatliche Förderung und Steuervorteile sollten nach Fahimis Worten nur Unternehmen zugutekommen, die wesentlich in Europa forschen und produzieren. Zugleich solle der Import technologisch und strategisch wichtiger Produkte begrenzt werden.
Fahimi verwies auf die AbhĂ€ngigkeit sowohl der USA als auch Chinas vom Binnenmarkt der EuropĂ€ischen Union. Deutschland dĂŒrfe sich nicht kleiner machen, sagte sie, sonst werde es zwischen den Zöllen von US-PrĂ€sident Donald Trump und hochsubventionierten chinesischen Unternehmen zerrieben.
Gewerkschaft weist KĂŒrzungen zurĂŒck
Mit Blick auf anstehende Sozialreformen mahnte die DGB-Vorsitzende mehr Gerechtigkeit an. Viele Arbeitgeber verengten die Debatte ĂŒber Wachstum und WettbewerbsfĂ€higkeit auf niedrige Arbeitskosten und SozialbeitrĂ€ge, kritisierte sie.
Die Gewerkschaften und BeschĂ€ftigten seien zu Reformen bereit, aber nicht zu KĂŒrzungen zulasten des Sozialstaats. Die Behauptung, eine bessere Auftragslage der Wirtschaft hĂ€nge davon ab, dass BeschĂ€ftigte stĂ€rker verzichteten, bezeichnete Fahimi als Unsinn.
Warnung vor einer AfD-Regierung
Fahimi Ă€uĂerte sich auĂerdem zum Aufstieg der in weiten Teilen rechtsextremen AfD und zu deren bundespolitischen Ambitionen. Eine AfD-Regierung wĂŒrde Deutschland in den Abgrund fĂŒhren, sagte sie.
Die Partei werde unliebsame Gruppen einschĂŒchtern, die Demokratie abbauen und Deutschland wirtschaftlich isolieren, warnte die DGB-Chefin. Zudem sei die AfD stets gegen Mindestlöhne und Tarifbindung gewesen und vertrete eine Politik, von der Reiche noch reicher wĂŒrden.
Yasmin Fahimis Forderung fĂ€llt in eine Phase, in der Industriepolitik, Standortbedingungen und die Finanzierung des Sozialstaats eng miteinander verknĂŒpft werden. Deutschland steht dabei vor der Aufgabe, industrielle Wertschöpfung zu sichern und zugleich Investitionen in Digitalisierung, Energieversorgung, Infrastruktur und klimafreundliche Produktion voranzutreiben.
Der von Fahimi angesprochene Zusammenhang zwischen Förderung und europĂ€ischer Produktion zielt auf eine stĂ€rkere Bindung staatlicher Vorteile an Wertschöpfung, Forschung und BeschĂ€ftigung innerhalb Europas. Ein solcher Ansatz könnte AbhĂ€ngigkeiten bei strategisch wichtigen GĂŒtern verringern, mĂŒsste aber mit europĂ€ischem Wettbewerbsrecht und internationalen Handelsregeln vereinbar sein.
Sozialreformen als Verteilungskonflikt
Ihre Kritik an KĂŒrzungen richtet sich gegen eine wirtschaftspolitische Lesart, die WettbewerbsfĂ€higkeit vor allem ĂŒber niedrigere Lohnnebenkosten und geringere Sozialleistungen verbessern will. Dem stellt der DGB die Bedeutung von Tarifbindung, qualifizierten BeschĂ€ftigten und verlĂ€sslicher sozialer Absicherung entgegen.
FĂŒr die Bundesregierung bedeutet das einen doppelten Handlungsdruck: Sie muss Wachstum und Investitionen fördern, zugleich aber die Lasten von Reformen politisch vermitteln. Fahimis Warnung vor der AfD verbindet diese wirtschaftliche Debatte mit der Frage, welche Folgen ein möglicher weiterer Aufstieg der Partei fĂŒr Sozialstaat, Tarifpolitik und auĂenwirtschaftliche VerlĂ€sslichkeit hĂ€tte.
