Iran, USA

Iran pocht auf Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen

31.05.2026 - 03:00:01 | dpa.de

Die iranische Wirtschaft steckt in der Krise, die Mittelschicht Ă€chzt unter der hohen Inflation. Wie die Debatte um blockierte Auslandsvermögen die GesprĂ€che ĂŒber ein Abkommen mit den USA prĂ€gt.

Die nahezu hundertprozentige Inflation im Iran hat die Preise fĂŒr fast alle Waren verdoppelt. (Archivbild) - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Die nahezu hundertprozentige Inflation im Iran hat die Preise fĂŒr fast alle Waren verdoppelt. (Archivbild) - Foto: Vahid Salemi/AP/dpa

WĂ€hrend eine Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran weiter aussteht, rĂŒckt in Teheran zunehmend die Bedeutung von eingefrorenen iranischen Auslandsvermögen in den Fokus. Iranische Medien und andere Beobachter der Verhandlungen gaben sich ĂŒberzeugt, dass eine vorlĂ€ufige Einigung in den GesprĂ€chen fĂŒr die FĂŒhrung in Teheran entscheidend mit der Freigabe von blockiertem Geld zusammenhĂ€ngt.

Seit Tagen laufen zwischen den USA und dem Iran intensive Verhandlungen ĂŒber ein Rahmenabkommen zur VerlĂ€ngerung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe und weiteren Verhandlungen. Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen. Am Freitag kĂŒndigte US-PrĂ€sident Donald Trump gar eine «endgĂŒltige Entscheidung» an - doch dann verkĂŒndete er nichts mehr dazu.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete am Freitag, der Iran habe wiederholt betont, dass vor jeder Einigung zunĂ€chst der Status der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte geklĂ€rt werden mĂŒsse. Auch die Nachrichtenagentur Fars schrieb, Trump habe ignoriert, dass unmittelbar nach Unterzeichnung einer vorlĂ€ufigen Einigung zwölf Milliarden US-Dollar auf eingefrorenen iranischen Auslandskonten freigegeben werden mĂŒssten. Damit widersprach sie Aussagen des US-PrĂ€sidenten zum Rahmenabkommen.

Ohne diese Freigabe werde der Iran nicht in die nĂ€chste Verhandlungsphase eintreten, hieß es bei Fars. Der iranische PrĂ€sident Massud Peseschkian hatte Mitte der Woche bei einem Treffen mit WirtschaftsfunktionĂ€ren erklĂ€rt, das «zentrale Schlachtfeld» sei derzeit der Wirtschaftskrieg mit den USA.

Geld hat große Bedeutung fĂŒr Teheran

Experten zufolge sind finanzielle Fragen fĂŒr die Islamische Republik angesichts der massiven Wirtschaftskrise im Land und des kostspieligen Kriegs von großer Bedeutung. Insgesamt liegen SchĂ€tzungen zufolge mehr als 100 Milliarden US-Dollar an iranischem Geld auf Konten im Ausland, die im Zuge von Sanktionen teils oder gĂ€nzlich gesperrt sind.

Gegen den Iran wurden im Laufe der Jahre umfangreiche Sanktionen verhĂ€ngt - sowohl von den Vereinten Nationen als auch von den USA und der EuropĂ€ischen Union. Grund dafĂŒr ist unter anderem das iranische Atomprogramm, das manche Gegner trotz gegenteiliger Beteuerungen aus Teheran als Tarnmantel fĂŒr den Bau einer Atombombe betrachten.

Nach Angaben des Sprechers der Haushaltskommission des iranischen Parlaments soll es zunĂ€chst um die Freigabe von insgesamt mindestens 24 Milliarden US-Dollar gehen, die der Iran in zwei Tranchen erhalten soll. Im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Emir von Katar sei festgelegt worden, dass die HĂ€lfte dieser Summe – 12 Milliarden Dollar – ĂŒber einen speziellen Mechanismus den Iranern zur VerfĂŒgung gestellt werde, sagte Mohsen Sanganeh am Samstag dem Nachrichtenportal «Icana». Parallel zur Einstellung der Kampfhandlungen und dem Ende der Seeblockade der USA ist diese Geldfreigabe laut Sanganeh die zentrale Voraussetzung fĂŒr eine Einigung.

«Bittere Pille fĂŒr Trump»

Von US-Seite gab es bislang keine Details diesbezĂŒglich. Ob die USA hier mitgehen, ist also offen. Dem Iran Zugang zu diesem Geld zu gewĂ€hren, insbesondere bevor ein umfangreiches Abkommen abgeschlossen sei, wĂ€re fĂŒr Trump eine bittere Pille, schrieb die «New York Times» jĂŒngst. Auch weil Trump wiederholt den frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Barack Obama fĂŒr Sanktionslockerungen und die Freigabe von Zahlungen an den Iran im Rahmen des unter ihm verhandelten Wiener Atomabkommens von 2015 kritisiert hatte. 

Auf Nachfrage eines Journalisten sagte Trump am Mittwoch bei einer Kabinettssitzung, weder ĂŒber Sanktionslockerungen noch ĂŒber Geld fĂŒr den Iran werde aktuell gesprochen. Die USA hĂ€tten Kontrolle ĂŒber Vermögenswerte, die die Iraner fĂŒr sich beanspruchten. «Wenn sie sich anstĂ€ndig verhalten und das Richtige tun, können sie ihr Geld haben.» Aber noch sei es nicht so weit.

In den Augen von John Bolton, Trumps ehemaligem Nationalen Sicherheitsberater, steht eine Freigabe des Geldes im Gegensatz zu den Interessen der USA. «Damit wĂŒrde man lediglich die Position der religiösen Fanatiker stĂ€rken, die die Revolutionsgarde leiten», sagte er dem Sender CNN mit Blick auf die iranische Elite-Streitmacht. Mit dem Geld kĂ€men sie wieder zu Macht, könnten ihr Atomprogramm, ihr Raketenarsenal und ihre Terrororganisationen wiederaufbauen. «Wo ist da der Sinn?», fragte Bolton.

Teheran als «Stadt der leeren Taschen»

Die ohnehin desolate und durch den Krieg nochmals verschĂ€rfte Wirtschaftslage im Land war auch Thema einer am Samstag veröffentlichten Reportage der renommierten iranischen Tageszeitung «Shargh». Unter dem Titel «Teheran: Die Stadt der leeren Taschen» beschrieb das Blatt die wirtschaftliche Notlage der inzwischen in Armut gestĂŒrzten Mittelschicht. Ausgerechnet jene gebildete Schicht aus Akademikern, die «einst der Motor der nationalen Wirtschaft war», zerbröckele zunehmend unter der rasanten Teuerung, heißt es in der Reportage.

Angesichts einer nahezu hundertprozentigen Inflation, die die Preise fĂŒr fast alle Waren verdoppelt hat, haben viele Iraner bereits zur Monatsmitte kein Geld mehr. Laut «Shargh» sind sie deshalb gezwungen, SupermĂ€rkte zu bitten, wieder anschreiben zu dĂŒrfen und ihre Schulden erst im Folgemonat zu begleichen. Viele greifen zudem bei den Mahlzeiten verstĂ€rkt zu Brot, weil sie sich Fleisch, Fisch und sogar Reis nicht mehr leisten können. «Das sind die versteckten Dimensionen der Armut in der Hauptstadt», lautet das Fazit des Berichts.

Unklar bleibt, ob es im Falle der Freigabe des iranischen Geldes BeschrĂ€nkungen geben wird, wofĂŒr es verwendet werden darf - etwa nur fĂŒr Lebensmittel- oder Medikamentenimporte. Fraglich ist auch, ob der Iran die Mittel direkt erhĂ€lt oder eine zwischengeschaltete Instanz. Der Geldfluss könnte vor allem aber auch einen psychologischen Effekt haben, den iranischen Markt beruhigen und den Devisenkurs nach unten schrauben. 

US-MilitÀr stoppt Schiff im Golf von Oman

Unterdessen setzen die USA ihre Seeblockade gegen den Iran weiter durch. US-StreitkrÀfte beschossen nach eigenen Angaben ein Schiff im Golf von Oman, das sich trotz der Blockade einem iranischen Hafen genÀhert und Anweisungen ungeachtet etlicher Warnungen missachtet habe, teilte das zustÀndige Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Ein Flugzeug der US-StreitkrÀfte habe das Schiff daraufhin mit einer Rakete beschossen und manövrierunfÀhig gemacht. Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am Freitag. Das Schiff mit dem Namen «M/V Lian Star» fuhr laut Centcom unter der Flagge des westafrikanischen Kleinstaats Gambia. 

Mit der Seeblockade will die US-Regierung den wirtschaftlichen Druck auf Teheran erhöhen. Sie richtet sich gegen Schiffe, die iranische HĂ€fen ansteuern oder verlassen. Die Islamische Republik soll damit von wichtigen Einnahmen aus dem Ölexport abgeschnitten werden.

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