Brasiliens Ex-PrÀsident tritt Haftstrafe auf Polizeiwache an
25.11.2025 - 20:32:23 | dpa.deNach seiner Verurteilung wegen eines Putschversuchs muss der brasilianische Ex-PrĂ€sident Jair Bolsonaro seine ĂŒber 27 Jahre lange Haftstrafe im PrĂ€sidium der Bundespolizei in der Hauptstadt Brasilia antreten. Der ehemalige Staatschef (2019-2022) werde seine Strafe zunĂ€chst auf der Polizeiwache verbĂŒĂen, auf der er sich bereits seit dem Wochenende in Untersuchungshaft befindet, entschied Bundesrichter Alexandre de Moraes.Â
Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof das Urteil gegen den Ex-MilitĂ€r fĂŒr rechtskrĂ€ftig erklĂ€rt. Demnach können die AnwĂ€lte von Bolsonaro keine weiteren Rechtsmittel mehr einlegen, wie aus der Entscheidung des Gerichts hervorgeht. Damit war der Weg fĂŒr die Vollstreckung der Haftstrafe wegen eines versuchten Staatsstreichs frei.Â
Bolsonaro war im September wegen eines Putschversuchs nach seiner Wahlniederlage gegen den amtierenden Staatschef Luiz InĂĄcio Lula da Silva vom Obersten Gerichtshof zu 27 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.Â
Bolsonaro ist gesundheitlich angeschlagen
Bolsonaro war bereits am Wochenende prĂ€ventiv festgenommen worden, nachdem er versucht hatte, seine elektronische FuĂfessel zu manipulieren. Er rĂ€umte ein, das ĂberwachungsgerĂ€t «aus Neugier» mit einem Lötkolben bearbeitet zu haben. Bei seiner Anhörung sagte Bolsonaro, er habe «eine Halluzination» gehabt, dass die FuĂfessel abgehört werde, und er daher versucht habe, die Abdeckung zu öffnen.Â
Bundesrichter Alexandre de Moraes sprach von einem «konkreten Fluchtrisiko» und einer «Bedrohung der öffentlichen Ordnung». Wegen VerstöĂe gegen gerichtliche Auflagen stand der 70-JĂ€hrige bereits seit August unter Hausarrest. Nach Angaben seiner AnwĂ€lte ist er gesundheitlich schwer angeschlagen und leidet unter anderem an Lungeninfektionen, Gastritis, Hautkrebs, anhaltenden Schluckauf-Krisen sowie Komplikationen nach dem Messerattentat auf ihn im Wahlkampf 2018.
Ex-PrĂ€sident in kĂŒrzlich renovierter Einzelzelle
Laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Agencia Brasil verfĂŒgt Bolsonaro in dem PolizeiprĂ€sidium ĂŒber eine etwa zwölf Quadratmeter groĂe Zelle, die kĂŒrzlich renoviert wurde. Der Raum hat demnach weiĂe WĂ€nde, ein Einzelbett, SchrĂ€nke, einen Beistelltisch, einen Fernseher, eine Minibar, eine Klimaanlage und ein Fenster sowie ein eigenes Badezimmer.
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Neben Bolsonaro erklĂ€rte der Oberste Gerichtshof auch die Strafen fĂŒr sechs Mitangeklagte fĂŒr rechtskrĂ€ftig. Bolsonaros Anwalt kritisierte die Entscheidung. «Es ist ein schwerwiegender Fehler, diese Urteile rechtskrĂ€ftig werden zu lassen», sagte Paulo Cunha Bueno dem Nachrichtenportal G1. Seiner Auffassung nach kann die Verteidigung noch bis Freitag ein weiteres Rechtsmittel einlegen, um das Urteil zu Ă€ndern.Â
Nach der stĂ€ndigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs ist diese Art des Einspruchs allerdings nur zulĂ€ssig, wenn in der Hauptverhandlung mindestens zwei Richter fĂŒr einen Freispruch plĂ€dieren, was bei dem Prozess im September nicht der Fall war. Daher kam der Oberste Gerichtshof zu dem Schluss, dass die Rechtsmittel unzulĂ€ssig sind, und erklĂ€rte das Urteil fĂŒr rechtskrĂ€ftig.
Zwei Mitverschwörer Bolsonaros, der ehemalige Minister des Kabinetts fĂŒr institutionelle Sicherheit, Augusto Heleno, und Verteidigungsminister Paulo SĂ©rgio Nogueira wurden am Dienstag von der Bundespolizei festgenommen, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete. Auch ihre Rechtsmittel sind ausgeschöpft. Heleno war in dem Strafprozess zu 21 Jahren Haft verurteilt worden, Nogueira zu 19 Jahren. Â
AnhĂ€nger des Ex-MilitĂ€rs stĂŒrmten Regierungsviertel
Kurz nach Lulas Amtsantritt hatten AnhĂ€nger von Bolsonaro am 8. Januar 2023 gewaltsam den Kongress, den Obersten Gerichtshof und den PrĂ€sidentenpalast gestĂŒrmt. Erst Stunden spĂ€ter brachten SicherheitskrĂ€fte das Regierungsviertel in der Hauptstadt Brasilia wieder unter Kontrolle.Â
Die Bilder der Krawalle gingen damals um die Welt und erinnerten an die ErstĂŒrmung des US-Kongresses in Washington im Januar 2021 durch AnhĂ€nger des damals abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten Donald Trump, der seine Niederlage gegen Joe Biden nicht akzeptieren wollte. Bolsonaro wurde wegen seiner Rhetorik und AmtsfĂŒhrung auch als «Tropen-Trump» bezeichnet.
