Weitere GesprÀche zwischen Israel und Libanon in Rom
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 05:30 Uhr | dpa.de
Inmitten anhaltender Spannungen kommen heute erneut israelische und libanesische Regierungsvertreter zu direkten politischen GesprĂ€chen in der italienischen Hauptstadt Rom zusammen. Dabei geht es um die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens. Das unterirdische Tunnelsystem der libanesischen Hisbollah soll dabei nach Angaben von libanesischen Regierungskreisen ein zentrales Thema sein.Â
Libanesischen Berichten und Augenzeugen zufolge hat das israelische MilitĂ€r erst am Wochenende eine der schwersten Zerstörungswellen seit Beginn der Waffenruhe im Juni durchgefĂŒhrt. In mehreren Orten habe es Sprengungen und gezielte Zerstörung gegeben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA.Â
Tunnel als Teil der Hisbollah-MilitÀrstruktur
Die Hisbollah hat ĂŒber Jahrzehnte eine unterirdische MilitĂ€rstruktur aufgebaut, die Israel als Bedrohung betrachtet. Das Tunnelnetzwerk der vom Iran unterstĂŒtzten Organisation umfasst nach EinschĂ€tzung von Beobachtern und Experten Kommandozentren, Waffenlager, Abschusspositionen, Versorgungskorridore und geschĂŒtzte Verbindungen, die KĂ€mpfern Bewegungen unter der Erde ermöglichen. Die Tunnel seien ein «ÀuĂerst wichtiger» Bestandteil der militĂ€rischen Infrastruktur der Hisbollah, sagte der Libanon-Experte Nicolas Blanford von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington der Deutschen Presse-Agentur.
KĂ€mpfer könnten sich durch sie unbemerkt unter der Erde bewegen. Das Tunnelsystem erstrecke sich ĂŒber mehrere Landesteile bis in den nördlichen Teil der Bekaa-Ebene. Das Tunnelnetzwerk ist nicht landesweit miteinander verbunden.
Israel hat wiederholt vor der Gefahr gewarnt, dass Hisbollah-KĂ€mpfer â auch unter Einsatz des Tunnelsystems â einen groĂangelegten Angriff auf den Norden Israels nach dem Vorbild des Hamas-Ăberfalls vom 7. Oktober 2023 verĂŒben könnten. Die «Washington Post» berichtete bereits vor mehr als zwei Jahren unter Berufung auf einen Hisbollah-Vertreter, die Eliteeinheit Radwan sei fĂŒr offensive EinsĂ€tze geschaffen worden, darunter auch grenzĂŒberschreitende Angriffe auf Israel.
Experte: Strategie gegen Israels militĂ€rische Ăberlegenheit
Die Verlagerung militĂ€rischer Infrastruktur unter die Erde habe das Schlachtfeld grundlegend verĂ€ndert, sagte der libanesische MilitĂ€rexperte Munir Schehadeh. Israel sei der Hisbollah ĂŒberlegen und verfĂŒge ĂŒber eine Luftwaffe, SatellitenaufklĂ€rung, Drohnen, elektronische Ăberwachung und prĂ€zisionsgelenkte Waffen. «Es ging darum, eine unterirdische militĂ€rische Infrastruktur aufzubauen, die KĂ€mpfer, Waffen und Kommandozentren schĂŒtzen und gleichzeitig den Betrieb auch unter intensiven Luftangriffen aufrechterhalten kann.»
Ăber Jahre hinweg habe die Hisbollah erheblich in ihre unterirdische KriegsfĂŒhrung investiert. Das System habe viele seiner vorgesehenen Ziele erfĂŒllt, auch wenn es Israel nicht daran hindern konnte, in den SĂŒdlibanon einzudringen und erhebliche Teile der militĂ€rischen Infrastruktur der Organisation zu zerstören. Satellitenbilder zeigten, dass israelische Spreng- und Zerstörungsoperationen in einigen Dörfern im SĂŒdlibanon massive Zerstörung verursacht hĂ€tten, so Schehadeh.
Israel zerstört immer wieder Tunnel im Libanon
Das israelische MilitĂ€r zerstört seit einigen Jahren immer wieder Tunnel der Hisbollah im Libanon - darunter auch einige, die bis nach Israel reichten. Bei den EinsĂ€tzen wurden nach libanesischen Angaben wiederholt auch WohngebĂ€ude beschĂ€digt. Auch die UN-Friedenstruppen im Libanon entdeckten eigenen Angaben zufolge im Sommer 2025 ein umfangreiches Tunnelnetzwerk im SĂŒden des Landes.
Zuletzt zerstörte Israels Armee eigenen Angaben zufolge einen Tunnel der Schiitenorganisation im Gebiet der historisch und strategisch wichtigen Burg Beaufort im SĂŒdlibanon. Dabei sollen rund 700 Tonnen Sprengstoff eingesetzt worden sein. Die Burg soll israelischen und libanesischen Angaben zufolge dabei keinen Schaden genommen haben. Libanons Nachrichtenagentur berichtete, dass dabei ein 1.200 Meter langes Gebiet vom sĂŒdlichen Ende der Burg «vollstĂ€ndig verwĂŒstet» worden sei.
GesprÀche in Rom
Die libanesische und die israelische Regierung fĂŒhren seit Mitte April erstmals seit Jahrzehnten wieder direkte politische GesprĂ€che. Diplomatische Beziehungen unterhalten die beiden Nachbarstaaten nicht. Vermittelt werden die GesprĂ€che von den USA. Die Hisbollah nimmt daran nicht teil.
Trotz einer Waffenruhe ist das israelische MilitĂ€r weiterhin im SĂŒdlibanon stationiert und greift auch weiter aus der Luft an. Die Hisbollah selbst hat seit Beginn der jĂŒngsten Waffenruhe keine Angriffe mehr gegen Israel unternommen. Das jĂŒngste Rahmenabkommen sieht sowohl den RĂŒckzug israelischer Truppen aus dem SĂŒdlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah durch die libanesische Armee vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt.Â
Israel macht seine verbliebene MilitÀrprÀsenz von Fortschritten bei der Entwaffnung der Hisbollah abhÀngig. Die Hisbollah macht eine Kooperation von einem israelischen Abzug abhÀngig.
Die libanesische Regierung verfĂŒgt zugleich nur ĂŒber begrenzte Möglichkeiten, die israelischen Forderungen umzusetzen. Die libanesischen StreitkrĂ€fte gelten als deutlich schwĂ€cher als die Hisbollah. Die Regierung will auch innenpolitische Spannungen vermeiden, sollte sie mit Gewalt gegen die Miliz vorgehen.
