PKK, Recep Tayyip Erdogan

TĂŒrkei reagiert mit LuftschlĂ€gen auf Ankara-Anschlag

02.10.2023 - 15:31:34 | dpa.de

Die tĂŒrkische Regierung reagiert mit HĂ€rte auf den Bombenanschlag in Ankara. In mehreren Provinzen des Landes rĂŒcken am Montag SicherheitskrĂ€fte aus. Im Nordirak fliegt die Luftwaffe Angriffe.

Der tĂŒrkische Innenminister Ali Yerlikaya spricht mit Journalisten. - Foto: Ali Unal/AP/dpa

Einen Tag nach dem Bombenanschlag in Ankara hat es bei Razzien in mehreren Provinzen der TĂŒrkei zahlreiche Festnahmen gegeben. Es seien mindestens 20 Menschen in Gewahrsam genommen sowie Waffen und Munition beschlagnahmt worden, teilte das tĂŒrkische Innenministerium auf der - frĂŒher als Twitter bekannten - Plattform X mit.

Vor dem Eingang des Innenministeriums in der Hauptstadt Ankara hatte sich am Sonntagmorgen nach Regierungsangaben ein Angreifer in die Luft gesprengt. Bei dem Schusswechsel nach der Explosion wurden demnach zwei Polizisten leicht verletzt. Ein weiterer Angreifer sei per Kopfschuss getötet worden, hieß es. Am Abend bekannte sich die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu dem Anschlag. Das Innenministerium bestĂ€tigte wenig spĂ€ter Berichte, denen zufolge die Angreifer vor der Tat im zentraltĂŒrkischen Kayseri ein Fahrzeug gestohlen und dessen Fahrer getötet haben sollen.

Luftangriffe auf PKK-Stellungen geflogen

In einer ersten Reaktion flog das tĂŒrkische MilitĂ€r laut eigenen Angaben noch in der Nacht Luftangriffe auf Stellungen der PKK im Nordirak. Dabei sei eine «große Zahl von Terroristen neutralisiert» - also mutmaßlich getötet - worden, hieß es. Die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF bestĂ€tigte Angriffe und schrieb, dass es zunĂ€chst keine Informationen ĂŒber Verletzte gegeben habe.

In dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen der PKK und dem tĂŒrkischen Staat sind Tausende Menschen getötet worden. Der staatliche Machtapparat geht in der SĂŒdosttĂŒrkei und im Nordirak regelmĂ€ĂŸig mit MilitĂ€reinsĂ€tzen gegen die kurdische Untergrundorganisation vor. Diese wiederum verĂŒbt immer wieder AnschlĂ€ge, bei denen vor allem tĂŒrkische SicherheitskrĂ€fte getroffen werden sollen, aber auch immer wieder Zivilisten ums Leben kommen.

Die TĂŒrkei wirft der PKK vor, mit Terror die nationale Sicherheit und Einheit zu gefĂ€hrden. Die PKK argumentiert, sie kĂ€mpfe unter anderem fĂŒr die «Rechte der Kurden» und gegen UnterdrĂŒckung. 2015 scheiterte ein Friedensprozess zwischen der TĂŒrkei und der PKK.

Anschlag in unmittelbarer NĂ€he zum Parlament

Der Anschlag in Ankara fiel mit dem Beginn der neuen Legislaturperiode zusammen und ereignete sich in unmittelbarer NĂ€he zum Parlament. Auf der Agenda der Abgeordneten steht - wenn auch noch ohne konkretes Datum - unter anderem die Abstimmung ĂŒber den Nato-Beitritt Schwedens, den die TĂŒrkei seit Monaten blockiert. Ankara fordert von Schweden unter anderem ein hĂ€rteres Vorgehen gegen die PKK. Auch ĂŒber die VerlĂ€ngerung der EinsĂ€tze des tĂŒrkischen MilitĂ€rs im Irak und in Syrien soll nach Angaben des Staatssenders TRT zeitnah im Parlament abgestimmt werden.

In dem Bekennerschreiben der PKK hieß es, der Angriff vor dem Innenministerium in Ankara sei genau nach Plan verlaufen und «ein Akt der legitimen Verteidigung» gegen die islamisch-konservative Regierung von StaatsprĂ€sident Recep Tayyip Erdogan. «Diese Aktion war ausdrĂŒcklich fĂŒr die Eröffnung des Parlaments und gegen ein GebĂ€ude in dessen NĂ€he vorgesehen, das als Massaker- und Folterzentrum gilt.»

UN-GeneralsekretÀr António Guterres verurteilte den Anschlag. Er appellierte an beide Seiten, eine Eskalation zu verhindern.

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