US-Vergeltung nach Irans Angriff - Wie macht Trump weiter?
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 06:14 Uhr | dpa.deWie Du mir, so ich Dir: Nach einigen beschussfreien Nächten haben sich die USA und der Iran erneut einen militärischen Schlagabtausch geliefert. Als Antwort auf Irans «versuchten Überraschungsangriff» gegen die US-Truppen im Nahen Osten vom Mittwoch bombardierte das US-Militär heute Nacht wieder Ziele in der Islamischen Republik. Es seien unter anderem militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen angegriffen worden, teilte das US-Militär am Morgen auf X mit.
Zuvor hatten iranische Medien in der Nacht Explosionen im Süden des Landes gemeldet. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete über Angriffe auf der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie in der Provinz Buschehr. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom zielten die Angriffe darauf ab, «die Bedrohungen, die vom Iran und seinen Stellvertretern für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf ausgehen», weiter zu verringern.
USA sprechen von entschlossener Antwort
Das US-Militär sprach von einer «entschlossenen Antwort» auf die versuchten iranischen Angriffe auf US-Streitkräfte vom Vortag. Der iranische Rundfunk hatte eine Stellungnahme der Revolutionsgarden verbreitet, wonach der Angriff einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten habe. Laut Centcom wurden alle Raketen abgefangen. US-Präsident Donald Trump drohte daraufhin mit Vergeltung.
Die Angriffe aus dem Iran am Mittwoch waren erfolgt, nachdem es seit der Nacht auf den 25. Juli erstmals seit längerem keine nächtlichen US-Luftschläge gegen Ziele im Iran mehr gegeben hatte. Der Iran hatte daraufhin seine eigenen Angriffe auf Ziele in der Region ebenfalls vorübergehend ausgesetzt. Mit dem erneuten Schlagabtausch haben sich Hoffnungen auf einen baldigen diplomatischen Durchbruch in dem Konflikt vorerst zerschlagen.
Bericht: Irans Revolutionsgarden sehen sich im Vorteil
Mit dem jüngsten Angriff demonstrierten die iranischen Revolutionsgarden ihre Bereitschaft, die Initiative zu ergreifen, nachdem der Iran wochenlang überwiegend auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte, schrieb das «Wall Street Journal». Die Zeitung zitierte den Iran-Experten Hamidreza Azizi mit den Worten: «Sie sehen sich selbst im Vorteil». Der Angriff auf die US-Truppen sei ein Signal «für eine Art dosierte Eskalation.» Die Revolutionsgarden hätten seit der Tötung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar innerhalb der Führung eine dominantere Rolle eingenommen, schrieb die Zeitung weiter.
Nach dem Angriff der Revolutionsgarden zitierte der US-Sender Fox News Trump nach einem Gespräch mit den Worten: «Wir werden sie hart treffen. Sie werden ordentlich Prügel kriegen.» Trump sei über die verfahrene Lage in dem Konflikt «verärgert», zitierte der US-Sender NBC News einen US-Beamten. Trump habe wohl nicht damit gerechnet hat, dass es so schwierig sein würde, die Iraner zu einer Einigung zu bewegen, hieß es. Trumps Sicherheitsberater könnten sich nicht auf eine Strategie einigen, zitierte der Sender seine Quellen.
Nach Informationen des «Wall Street Journals» hat der Kommandeur des für den Nahen Osten zuständigen US-Regionalkommandos Centcom, Brad Cooper, eine Option für zehn- bis 14-tägige intensive Luftangriffe zur Schwächung der iranischen Raketenkapazitäten ausgearbeitet. Trump könne sich entweder für Coopers Option entscheiden - wenngleich es Warnungen gibt, dass den USA die Munition für die Luftabwehr ausgeht. Oder für einen begrenzten Schlag in der Hoffnung, dass der diplomatische Weg weiterverfolgt werden kann, hieß es. Ob es aber bei dem nun in der Nacht erfolgten Angriff bleibt, ist abzuwarten.
USA verhängen neue Sanktionen
Um den Druck auf den Iran weiter zu verschärfen, verhängte die US-Regierung neue Sanktionen. Sie richten sich unter anderem gegen zwei Unternehmen, die nach ihren Angaben an einem von Irans Revolutionsgarden (IRGC) unterstützten Erpressungssystem rund um die Straße von Hormus beteiligt sind. Handelsschiffe würden zu einer obligatorischen «Versicherung» gezwungen, um die für den weltweiten Ölhandel zentrale Meerenge zu passieren, hieß es.
«Die Vereinigten Staaten werden nicht zulassen, dass der Iran den globalen Handel als Geisel nimmt oder die internationale Schifffahrt nutzt, um den Terrorismus, die Aggression und die Unterdrückung durch die IRGC zu finanzieren», teilte US-Finanzminister Scott Bessent mit.
Weiter Streit um Straße von Hormus
Die Lage in der Straße von Hormus ist seit Monaten ein zentraler Streitpunkt zwischen Washington und Teheran. Der Iran beansprucht die Kontrolle über die Meerenge für sich, die USA dringen auf Wiederherstellung der freien Schifffahrt, wie es sie vor Beginn ihres Kriegs gegen den Iran gegeben hatte. Die USA hatten den Krieg gemeinsam mit Israel am 28. Februar begonnen.
Mitte Juni vereinbarten Washington und Teheran ein Rahmenabkommen, das den Weg zur Beendigung des Kriegs ebnen sollte. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump vor einiger Zeit jedoch für beendet erklärte. Auch Teheran fühlt sich nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.
