Scholz, Waffenruhe

Scholz dringt auf Waffenruhe in Gaza

20.03.2024 - 13:50:56 | dpa.de

Die USA wollen Israel Alternativen fĂŒr eine Bodenoffensive in Rafah aufzeigen. Israel lĂ€sst sich von einer Offensive aber nicht abbringen. Kanzler Scholz setzt auf eine Waffenruhe. Die News im Überblick.

  • Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lĂ€sst sich von einer Bodenoffensive in Rafah nicht abbringen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
    Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu lÀsst sich von einer Bodenoffensive in Rafah nicht abbringen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
  • Das israelische MilitĂ€r bereitet weiter einen Offensive auf Rafah im Gazastreifen vor. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
    Das israelische MilitÀr bereitet weiter einen Offensive auf Rafah im Gazastreifen vor. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu lÀsst sich von einer Bodenoffensive in Rafah nicht abbringen. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa Das israelische MilitÀr bereitet weiter einen Offensive auf Rafah im Gazastreifen vor. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz dringt weiter auf eine lĂ€ngerfristige Waffenruhe im Gaza-Krieg und auf mehr humanitĂ€re Hilfe. «Was jetzt möglichst schnell gelingen muss, ist ein zeitlich etwas lĂ€nger wĂ€hrender Waffenstillstand, in dem die Geiseln freikommen und die Gestorbenen herausgegeben werden, damit eine wĂŒrdige Trauer möglich ist fĂŒr die Angehörigen», sagte der SPD-Politiker in einer RegierungserklĂ€rung im Bundestag. In dieser Zeit mĂŒsse mehr humanitĂ€re Hilfe Gaza erreichen.

«Ich will hier an dieser Stelle keine falsche Hoffnung erwecken», sagte Scholz. «Aber ein bisschen habe ich den Eindruck, es ist im Augenblick realistischer, als es schon lange war, womit es noch lange nicht gelungen ist.»

Ziel des Deutschen Bundestags, der EuropĂ€ischen Union, der USA und vieler anderer sei die Perspektive einer Zweistaatenlösung, betonte der Bundeskanzler. «Es muss jetzt erkennbar werden, wie es eine Zukunft fĂŒr ein friedliches Nebeneinander von Israel und einem palĂ€stinensischen Staat geben kann.»

Israel: Haben hochrangige Hamas-Mitglieder getötet

Israels Armee hat nach eigener Darstellung in der Stadt Rafah im Gazastreifen drei hochrangige Mitglieder der islamistischen Hamas getötet. Sie seien Vertreter der Hamas-FĂŒhrung in der Stadt im SĂŒden des KĂŒstengebiets gewesen, teilte das MilitĂ€r mit. Die MĂ€nner wurden demnach am Montag bei Luftangriffen getötet. Sie seien Leiter des sogenannten NotfallbĂŒros der Hamas gewesen, das israelischen Medien zufolge unter anderem fĂŒr die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Gazastreifen zustĂ€ndig ist. Laut der Armee waren die MĂ€nner außerdem fĂŒr die Koordinierung der AktivitĂ€ten der Islamistenorganisation vor Ort zustĂ€ndig. Die Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen. Die Hamas bestĂ€tigte den Tod der drei MĂ€nner vorerst nicht.

Israels Armee zufolge soll in der vergangenen Woche zudem ein weiteres hochrangiges Hamas-Mitglied getötet worden sein. Der Mann soll demnach EinsĂ€tze der Islamisten in der Gegend geleitet hatte. Auch diese Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen. Die Hamas Ă€ußert sich in der Regel nicht zu Mitgliedern, die getötet werden.

Kanada kĂŒndigt Waffenstopp an

Kanada will nach Angaben von Außenministerin MĂ©lanie Joly kĂŒnftig keine Waffen mehr nach Israel exportieren. Es handle sich um mehr als eine symbolische Entscheidung, sagte die Außenministerin des nordamerikanischen Landes, MĂ©lanie Joly, der Zeitung «Toronto Star». «Es ist etwas Handfestes.» Zuvor hatte das kanadische Unterhaus demnach einen entsprechenden Antrag verabschiedet. Obwohl dieser nicht bindend sei, spiegle er die Absicht der Regierung wider, sagte Joly.

Es mĂŒssten noch Details geklĂ€rt werden, schrieb der «Toronto Star». Davon hĂ€nge ab, wie weitreichend die PlĂ€ne seien. Die Außenministerin habe die Entscheidungsgewalt ĂŒber den Export von MilitĂ€rgĂŒtern, hieß es.

VerhĂ€rtete Fronten bei Verhandlungen ĂŒber Feuerpause

Bei den ĂŒber die Vermittler Katar, Ägypten und den USA gefĂŒhrten Verhandlungen erscheinen die Ziele Israels und der Hamas jedoch derzeit unmöglich miteinander vereinbar, berichtete das «Wall Street Journal». WĂ€hrend Israel darauf poche, den Krieg nach einer Feuerpause mit dem Ziel einer Zerschlagung der Hamas fortzusetzen, verhandele die Hamas im Wesentlichen um ihr Überleben und drĂ€nge auf einen dauerhaften Waffenstillstand und Möglichkeiten, im Nachkriegs-Gaza einflussreich zu bleiben, wenn auch nicht mehr als Herrscher.

Die Vermittler sĂ€hen die laufenden GesprĂ€che als letzte Chance, eine Waffenruhe zu erreichen, bevor es zu Israels Rafah-Offensive kommt, hieß es. Jeder Angriff auf Rafah wĂŒrde alle BemĂŒhungen um eine Einigung ĂŒber eine Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln behindern, warnte der Sprecher des katarischen Außenministeriums.

USA wollen massive Opfer unter Zivilisten in Rafah vermeiden

«Wir sagen nicht einfach: 'Nein, das könnt ihr nicht tun. Wir sagen, dass wir bereit sind, mit Ihnen an praktikablen Alternativen zu arbeiten, die Ihnen trotzdem helfen, Ihre Ziele zu erreichen», zitierte die «Times of Israel» einen ranghohen US-Beamten. Der Widerstand der USA gegen eine grĂ¶ĂŸere Bodenoffensive in Rafah bedeute nicht, dass Washington gezieltere EinsĂ€tze gegen die Hamas-FĂŒhrung in Rafah oder anderswo ablehne, hieß es. Die alternativen PlĂ€ne der USA seien ebenfalls auf dieses Ziel ausgerichtet.

Ein Ansatz könne demnach sein, dass Israel sich statt einer Bodenoffensive darauf konzentriert, den Waffenschmuggel von Ägypten nach Gaza durch den sogenannten Philadelphi-Korridor zu verhindern. Der Aufbau einer Infrastruktur zur Unterbrechung der Schmuggelroute sei fĂŒr die Zerschlagung der Hamas wichtiger als eine große Bodenoffensive in Rafah. «Wenn Israel in Rafah einmarschiert, mit all den zivilen Opfern, die dies mit sich bringen wĂŒrde, wird die Zusammenarbeit mit Ägypten bei der Sperrung des Korridors sehr viel schwieriger», hieß es.

Auch das Nachrichtenportal «Axios» hatte zuvor unter Berufung auf US-Beamte ĂŒber diese von Washington in ErwĂ€gung gezogene Option berichtet. Eine weitere Idee sei, eine MilitĂ€roperation in Rafah zu verschieben und sich auf die Stabilisierung der humanitĂ€ren Lage im Norden des abgeriegelten KĂŒstengebiets zu konzentrieren, berichtete das Nachrichtenportal am Dienstag weiter. Dort droht nach Angaben der Vereinten Nationen eine Hungerkatastrophe.

Diese Option wĂŒrde auch den Bau von UnterkĂŒnften fĂŒr die aus Rafah zu evakuierende Zivilbevölkerung beinhalten, berichtete «Axios». Ziel sei es, das Potenzial zu verringern, dass es bei einer Invasion in Rafah zu massiven zivilen Opfern kommt. Rafah gilt als die letzte nicht stark zerstörte grĂ¶ĂŸere Stadt im abgeriegelten Gazastreifen. Jede Art von Einsatz in Rafah setze eine weitaus stabilere humanitĂ€re Situation in dem KĂŒstengebiet voraus, berichtete auch die Zeitung «Times of Israel» unter Berufung auf einen US-Beamten.

Einsatz in Schifa-Klinik dauert an - 90 Terroristen tot

Israels Armee setzt indes eigenen Angaben zufolge ihren Einsatz im Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza fort. «Bisher haben die Truppen in der Gegend etwa 90 Terroristen getötet», teilte das MilitĂ€r mit. Zudem hĂ€tten EinsatzkrĂ€fte 160 VerdĂ€chtige festgenommen und zur weiteren Befragung nach Israel gebracht, hieß es in einer ErklĂ€rung der Armee weiter. 300 Menschen seien zudem vor Ort befragt worden.

Israelische Truppen waren in der Nacht zum Montag erneut in die grĂ¶ĂŸte Klinik des Gazastreifens eingerĂŒckt, um dort eigenen Angaben nach gegen die Hamas und ihre Infrastruktur vorzugehen. Bei dem Einsatz wurden Armeeangaben zufolge bislang auch zwei israelische Soldaten getötet.

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