Europa, Ukraine

Selenskyj will EuropÀer am Verhandlungstisch haben

07.06.2026 - 18:33:47 | dpa.de

Die Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Ukraine-Krieges liegen auf Eis, stattdessen verschĂ€rft sich das Kampfgeschehen. In dieser Situation starten die EuropĂ€er eine neue diplomatische Initiative.

  • Diese vier Staats- und Regierungschefs treffen sich nicht zum ersten Mal um ĂŒber den Ukraine-Krieg sprechen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Diese vier Staats- und Regierungschefs treffen sich nicht zum ersten Mal um ĂŒber den Ukraine-Krieg sprechen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die VermittlungsbemĂŒhungen der USA sind inzwischen erlahmt. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Die VermittlungsbemĂŒhungen der USA sind inzwischen erlahmt. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Schröder wurde von Putin als UnterhĂ€ndler vorgeschlagen, was auf deutscher Seite nicht ernst genommen wird. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Schröder wurde von Putin als UnterhÀndler vorgeschlagen, was auf deutscher Seite nicht ernst genommen wird. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Diese vier Staats- und Regierungschefs treffen sich nicht zum ersten Mal um ĂŒber den Ukraine-Krieg sprechen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die VermittlungsbemĂŒhungen der USA sind inzwischen erlahmt. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Schröder wurde von Putin als UnterhĂ€ndler vorgeschlagen, was auf deutscher Seite nicht ernst genommen wird. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Vor dem Londoner Vierer-Gipfel zum Ukraine-Krieg hat der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj bekrÀftigt, dass die EuropÀer an möglichen FriedensgesprÀchen mit Russland teilnehmen sollen. «Europa muss Teil der Verhandlungen sein und sich stark zeigen», schrieb er vor seinem GesprÀch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dem französischen PrÀsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer auf X.

Die vier Staats- und Regierungschefs wollten am Abend in der britischen Regierungszentrale in London zusammenkommen, um ĂŒber eine Wiederbelebung der diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges zu sprechen. Zudem soll es laut Selenskyj um MilitĂ€rhilfe fĂŒr den Abwehrkampf gegen Russland und die gemeinsame StĂ€rkung der europĂ€ischen Luftverteidigung gehen. Es sei wichtig, «alles zu erörtern und uns auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs auf die wesentlichen Punkte zu einigen», schrieb der ukrainische PrĂ€sident.

Selenskyj hatte dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin am Donnerstag direkte GesprĂ€che vorgeschlagen, war damit aber zunĂ€chst auf dessen Ablehnung gestoßen. Trotzdem will sich der ukrainische Staatschef nun mit den europĂ€ischen VerbĂŒndeten auf mögliche neue Verhandlungen vorbereiten. 

Wie ist der derzeitige Stand der diplomatischen BemĂŒhungen?

Die USA vermitteln seit Anfang vergangenen Jahres zwischen Russland und der Ukraine. Inzwischen sind die BemĂŒhungen aber weitgehend zum Erliegen gekommen und die Amerikaner scheinen das Interesse daran zu verlieren. US-Außenminister Marco Rubio sagte vor zwei Wochen, aus US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. 

Wie waren die EuropÀer bisher beteiligt?

Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren als sogenannte E3 schon im vergangenen Jahr involviert und nahmen die Rolle der europĂ€ischen UnterhĂ€ndler ein. Zuletzt waren sie aber nur noch Zuschauer. Angesichts des schwindenden Engagements der US-Amerikaner sehen sie nun eine Chance, zurĂŒck ins Spiel zu kommen. «Langsam öffnet sich ein Fenster fĂŒr GesprĂ€che der europĂ€ischen Seite mit Russland», heißt es aus deutschen Regierungskreisen. 

Wie sehen Merz und Co. ihre Rolle?

Anders als die USA sehen die EuropĂ€er sich nicht als Vermittler, sondern als VerbĂŒndete der Ukraine. Sie unterstĂŒtzen das Land massiv mit Waffenlieferungen und belegen Russland gleichzeitig mit Sanktionen, um Druck auf Moskau aufzubauen, den Krieg zu beenden. Wenn sie in die Verhandlungen einsteigen, werden sie an der Seite der Ukraine stehen und nicht als Moderator auftreten.

Wie sieht Putin eine Beteiligung Europas?

Putin steht einer europĂ€ischen Beteiligung grundsĂ€tzlich offen gegenĂŒber, hat aber seine eigenen Vorstellungen. So brachte er den frĂŒheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als europĂ€ischen UnterhĂ€ndler ins Spiel und traf sich mit ihm diese Woche im Moskauer Kreml. Schröder war nach seiner Kanzlerschaft als Lobbyist bei russischen Energieunternehmen eingestiegen. Er hat sich zwar vom russischen Angriff auf die Ukraine distanziert, seine freundschaftliche Verbindung zu Putin aber weiter aufrecht gehalten. 

Kommt Schröder fĂŒr die EuropĂ€er als UnterhĂ€ndler infrage?

Auf deutscher Seite wird der Vorstoß Putins als Provokation gesehen und nicht ernst genommen. Auch andere VorschlĂ€ge wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel oder der frĂŒhere EZB-Chef Mario Draghi dĂŒrften fĂŒr die Bundesregierung nicht infrage kommen. Sie ist der Auffassung, dass Regierungen den Prozess steuern sollten. «Es spricht einiges dafĂŒr, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden», heißt es aus deutschen Regierungskreisen. 

Wie sehen die EuropÀer die Rolle der Amerikaner?

Die Amerikaner sollen aus Sicht der Bundesregierung auf jeden Fall im Boot bleiben. Man wolle «Koordinierung statt Konkurrenz» mit den Amerikanern, heißt es. Und mit den anderen EuropĂ€ern strebe man eine «grĂ¶ĂŸtmögliche Abstimmung» an. 

Wie ist die zeitliche Perspektive fĂŒr Verhandlungen?

Wie lange es noch bis zu Verhandlungen dauern wird, ist völlig offen. Derzeit nehmen die Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu. Aber gerade die heftigen KĂ€mpfe mit großen Verlusten auf beiden Seiten könnten die Bereitschaft zu Verhandlungen erhöhen. Auf deutscher Seite erwartet man aber, dass dies «nicht Wochen, sondern Monate dauern» werde.

In London sollte nun - bevor es darum geht, wer die UnterhĂ€ndler sind - die inhaltliche Linie fĂŒr mögliche Verhandlungen geklĂ€rt werden. Aus deutscher Sicht braucht es fĂŒr den weiteren Prozess einen «klaren politischen Kompass» und ein «klares Zielbild».

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