Europa, Ukraine

EuropÀer und Ukraine fordern Putin zu Verhandlungen auf

07.06.2026 - 23:17:42 | dpa.de

Die Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Ukraine-Krieges liegen auf Eis. Drei europĂ€ische LĂ€nder und die Ukraine wollen sie wieder in Gang bringen. Sie nennen Putin fĂŒnf Voraussetzungen dafĂŒr.

  • Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
    Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
  • Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
    Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
  • Es war das erste Treffen in diesem Format seit lĂ€ngerer Zeit. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
    Es war das erste Treffen in diesem Format seit lÀngerer Zeit. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa
  • Selenskyj sieht angesichts militĂ€rischer Erfolge eine gute Voraussetzung fĂŒr Verhandlungen. - Bild: Alberto Pezzali/AP/dpa
    Selenskyj sieht angesichts militĂ€rischer Erfolge eine gute Voraussetzung fĂŒr Verhandlungen. - Bild: Alberto Pezzali/AP/dpa
Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa Diese Vier wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa Es war das erste Treffen in diesem Format seit lĂ€ngerer Zeit. - Bild: Lucy North/PA Wire/dpa Selenskyj sieht angesichts militĂ€rischer Erfolge eine gute Voraussetzung fĂŒr Verhandlungen. - Bild: Alberto Pezzali/AP/dpa

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Ukraine haben den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu einer sofortigen Waffenruhe und Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Krieges aufgerufen. Ausgangspunkt dafĂŒr soll die derzeitige Frontlinie in der Ukraine sein. Die USA sowie Europa sollten «aktiv» an den GesprĂ€chen beteiligt werden, heißt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung, die Kanzler Friedrich Merz, PrĂ€sident Emmanuel Macron, Premierminister Keir Starmer und PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nach ihrem Treffen in London veröffentlichten. 

FĂŒnf Voraussetzungen fĂŒr FriedensgesprĂ€che

Darin nennen sie fĂŒnf Voraussetzungen fĂŒr einen «gerechten und dauerhaften Frieden»:

  1. Putin soll einer «sofortigen und vollstÀndigen Waffenruhe» zustimmen.
  2. Die derzeitige Frontlinie soll zwar Ausgangspunkt fĂŒr Verhandlungen sein. Die Ukraine und die EuropĂ€er pochen aber gleichzeitig darauf, dass internationale Grenzen nicht mit Gewalt verĂ€ndert werden dĂŒrften. Knapp ein FĂŒnftel des ukrainischen Staatsgebiets ist derzeit unter russischer Kontrolle. Das Recht der Ukraine, ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen und BĂŒndnisse zu wĂ€hlen, mĂŒsse zudem «uneingeschrĂ€nkt» geachtet werden.
  3. Die Ukraine mĂŒsse «robuste und rechtsverbindliche» Sicherheitsgarantien bekommen, sobald eine Waffenruhe in Kraft trete. Dazu gehöre der
    Einsatz einer multinationalen Truppe.
  4. Die russischen Vermögenswerte wĂŒrden so lange eingefroren bleiben, bis Russland seinen Angriffskrieg beendet und die Ukraine fĂŒr die durch den Krieg verursachten SchĂ€den abfindet. In der EuropĂ€ischen Union sind etwa 210 Milliarden Euro der russischen Zentralbank festgesetzt.
  5. Die europĂ€ischen Sicherheitsinteressen mĂŒssten in jedem Abkommen gewahrt werden. Verhandlungsergebnissen, die EU und Nato betreffen, mĂŒssten die Mitgliedstaaten zustimmen.

Putin hatte GesprÀchsangebot zunÀchst abgelehnt

Selenskyj hatte Putin bereits am Donnerstag erneut direkte GesprĂ€che vorgeschlagen, war damit aber zunĂ€chst auf dessen Ablehnung gestoßen. Die EuropĂ€er unterstĂŒtzten nun in der gemeinsamen ErklĂ€rung mit Selenskyj dessen Vorstoß. Sie wollen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges wieder in Gang bringen, nachdem sie in den letzten Monaten zum Erliegen gekommen sind.

Die USA vermitteln seit Anfang vergangenen Jahres zwischen Russland und der Ukraine. Inzwischen scheinen die Amerikaner aber das Interesse daran zu verlieren. US-Außenminister Marco Rubio sagte vor zwei Wochen, aus US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. 

EuropÀer wollen diplomatischen Prozess wiederbeleben

Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren als sogenannte E3 schon im vergangenen Jahr involviert und nahmen die Rolle der europĂ€ischen UnterhĂ€ndler ein. Zuletzt waren sie aber nur noch Zuschauer an der Seitenlinie. Angesichts des schwindenden Engagements der US-Amerikaner sehen sie nun eine Chance, zurĂŒck ins Spiel zu kommen. «Langsam öffnet sich ein Fenster fĂŒr GesprĂ€che der europĂ€ischen Seite mit Russland», heißt es aus deutschen Regierungskreisen. 

Anders als die USA sehen die EuropĂ€er sich nicht als Vermittler, sondern als VerbĂŒndete der Ukraine. Sie unterstĂŒtzen das Land massiv mit Waffenlieferungen und belegen Russland gleichzeitig mit Sanktionen, um Druck auf Moskau aufzubauen, den Krieg zu beenden. Wenn sie in die Verhandlungen einsteigen, werden sie an der Seite der Ukraine stehen und nicht als Moderator auftreten.

Selenskyj: «Wir wollen nicht einfach still sterben»

Selenskyj schilderte vor dem Treffen mit den EuropĂ€ern in einem Interview des britischen Senders Sky News seine Vorstellungen von GesprĂ€chen mit Russland. Er verwies dabei auf die jĂŒngsten militĂ€rischen Erfolge der ukrainischen StreitkrĂ€fte, die vor allem mit Drohnenangriffen auf russisches Territorium fĂŒr Aufsehen gesorgt haben. «Wir haben gelernt, wie man lebt und ĂŒberlebt», sagte Selenskyj. «Wir wollen nicht einfach still sterben.»

Putin wolle «diesen schrecklichen Krieg gewinnen», allerdings erkenne er zuletzt, dass seine Truppen die Initiative auf dem Schlachtfeld verloren hĂ€tten. Alle Entscheidungen ĂŒber das weitere Geschehen hingen «zu 100 Prozent» von ihm ab.

Zu möglichen GesprĂ€chen mit Moskau ĂŒber ein Kriegsende meinte Selenskyj, er wĂŒrde eine Beteiligung der USA und Europas begrĂŒĂŸen. «Aber ich bin auch zu bilateralen GesprĂ€chen (mit Putin) bereit», sagte er. Selenskyj betonte aber, dass diese «nicht in Moskau, nicht in Kiew und auch nicht in Minsk» stattfinden dĂŒrften. 

Weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung zugesichert

Die EuropĂ€er sicherten Selenskyj bei dem Londoner Gipfel auch weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung zu. DarĂŒber solle bei den im Juni und Juli stattfindenden Gipfeltreffen der G7 und der Nato sowie beim nĂ€chsten Treffen der «Koalition der Willigen» gesprochen werden, in der sich die VerbĂŒndeten der Ukraine zusammengeschlossen haben. 

Die Staats- und Regierungschefs betonten die dringende Notwendigkeit, die Raketenabwehr und die VerfĂŒgbarkeit weitreichender Waffen zu stĂ€rken. Sie erörterten zudem, «wie das BĂŒndnis von der Kampferfahrung der Ukraine lernen kann und wie die langfristige industrielle Zusammenarbeit mit der Ukraine ausgebaut werden kann, um die eigene Verteidigung Europas zu stĂ€rken».

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