Doro Pesch, Warlock

Doro Pesch floh in New York zu Obdachlosen in U-Bahnen

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 12:16 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die SÀngerin berichtet von strengem Training, starkem Anpassungsdruck und NÀchten in New Yorker U-Bahnen. Auch eine schwere Lungentuberkulose in ihrer Jugend prÀgte ihren Lebensweg.

Doro Pesch schildert Flucht zu Obdachlosen in New York
Obdachlose in den USA am Times Square - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Doro Pesch berichtet von drastischen Erfahrungen wĂ€hrend ihrer Zeit in New York in den 1980er-Jahren. Die Plattenfirma stellte der deutschen Metal-SĂ€ngerin nach ihren Angaben einen Coach zur Seite, der ihren Tagesablauf streng kontrollierte und sie körperlich hart trainieren ließ.

Die Belastung sei schließlich so groß geworden, dass sie zeitweise aus ihrem Alltag floh und NĂ€chte in New Yorker U-Bahnen mit obdachlosen Menschen verbrachte.

Strenger Tagesplan in New York

„Sie war ein richtiger Schleifer“, sagte Pesch ĂŒber den Coach. Jeden Morgen habe sie um halb sieben tanzen mĂŒssen, anschließend sei stundenlang Sport gemacht worden. Rauchen habe sie nicht mehr dĂŒrfen, beim Essen habe es „nur noch Salat“ gegeben.

„Es war die Hölle. Es war die Hölle“, sagte Pesch. Die Vorgaben der Plattenfirma hĂ€tten ihrem VerstĂ€ndnis von Heavy Metal widersprochen: „Ich wollte einfach meine Musik machen“, sagte sie. „Metal war fĂŒr mich auch immer Freiheit.“

NĂ€chte in den U-Bahnen

Pesch war zu dieser Zeit mit Warlock auf dem Weg zum internationalen Durchbruch. In New York entstand das Album „Triumph and Agony“, das zum grĂ¶ĂŸten Erfolg der Band wurde.

Wenn sie mit den Nerven am Ende gewesen sei, sei sie einfach abgehauen und habe die NĂ€chte in den U-Bahnen verbracht. Um nicht erkannt zu werden, habe sie einen Hoodie ĂŒber den Kopf gezogen und sich einen kleinen Schnurrbart ins Gesicht gemalt.

Bei den obdachlosen Menschen habe sie sich sicher und aufgenommen gefĂŒhlt. Gemeinsam habe man darĂŒber gesprochen, wo es Essen und Waschmöglichkeiten gebe und wie man sich im kalten New Yorker Winter aufwĂ€rmen könne.

Schwere Erkrankung in der Jugend

Pesch berichtet außerdem von einer Lungentuberkulose im Endstadium, an der sie im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren erkrankt sei. Sie beschreibt die ZustĂ€nde in der damaligen Klinik als drastisch und sagt, sie sei dort mit Medikamenten ruhiggestellt worden.

Ihre Mutter habe sie schließlich gegen den Widerstand von Ärzten und Pflegepersonal aus der Klinik geholt. Erst nachdem sie mit dem Gang an die Presse gedroht habe, seien beide gegangen. In einem anderen Krankenhaus sei Pesch anschließend rund neun Monate behandelt worden.

Nach ihrer Entlassung habe sie beschlossen, „was mit ihrem Leben“ zu machen und Menschen glĂŒcklich zu machen. Zwei Wochen spĂ€ter grĂŒndete sie nach eigener Aussage ihre erste Band.

Doro Peschs Schilderungen verbinden zwei biografische Krisen: eine schwere Erkrankung in der Jugend und den hohen Anpassungsdruck wÀhrend des internationalen Aufstiegs ihrer Band Warlock. Die SÀngerin beschreibt dabei nicht nur persönliche Belastungen, sondern auch ein Umfeld, in dem körperliche Kontrolle, strenge TagesplÀne und Vorgaben der Plattenfirma mit ihrem VerstÀndnis von Heavy Metal kollidierten.

Besonders prĂ€gend war die Zeit in New York in den 1980er-Jahren. WĂ€hrend dort das Album „Triumph and Agony“ entstand, das zum grĂ¶ĂŸten Erfolg von Warlock wurde, erlebte Pesch den beruflichen Durchbruch nach eigener Darstellung zugleich als Phase des Kontrollverlusts. Ihre NĂ€chte in U-Bahnen mit obdachlosen Menschen schildert sie als Ausweg aus einem Alltag, den sie als unertrĂ€glich empfand.

Biografische Bedeutung

Die Aussagen ordnen Peschs Karriere in eine Zeit ein, in der KĂŒnstlerinnen im RockgeschĂ€ft hĂ€ufig mit einem erheblichen Erwartungsdruck konfrontiert waren. FĂŒr Pesch stand dem die Vorstellung entgegen, Metal mĂŒsse kĂŒnstlerische und persönliche Freiheit ermöglichen. Die Erlebnisse erklĂ€ren nicht automatisch einzelne spĂ€tere Karriereentscheidungen, zeigen aber, wie eng ihr Selbstbild als Musikerin mit dem Anspruch auf Selbstbestimmung verbunden ist.

Auch die Erinnerung an die Lungentuberkulose und die anschließende Genesung gehört zu diesem biografischen Zusammenhang. Nach ihrer Darstellung entwickelte sie wĂ€hrend der langen Behandlung den Entschluss, Menschen mit ihrer Arbeit glĂŒcklich zu machen. Zwei Wochen nach der Entlassung grĂŒndete sie ihre erste Band.

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