Bandengewalt, Ecuador

Bandengewalt in Ecuador: MilitÀr soll Gangs ausschalten

10.01.2024 - 03:48:10 | dpa.de

Ecuador versinkt immer tiefer im Sumpf des Verbrechens. Kriminelle Banden kĂ€mpfen mit Gewalt um ein StĂŒck vom Kuchen im lukrativen DrogengeschĂ€ft. Jetzt demonstrieren sie ihre Macht live im Fernsehen.

StreitkrĂ€fte sind in der NĂ€he des Fernsehsenders TC TelevisiĂłn im Einsatz, nachdem Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Übertragung in die RĂ€umlichkeiten eingedrungen sind. - Foto: Stringer/dpa

Angesichts der eskalierenden Bandengewalt in Ecuador hat PrĂ€sident Daniel Noboa die StreitkrĂ€fte ins Gefecht gegen die mĂ€chtigen Gangs des sĂŒdamerikanischen Landes geschickt.

Die Soldaten sollen militĂ€rische EinsĂ€tze gegen rund 20 kriminelle Organisationen durchfĂŒhren, wie es in einem Dekret hieß. Ecuador befinde sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen mittlerweile in einem internen bewaffneten Konflikt.

Bei den Banden handle es sich um terroristische Organisationen und nicht-staatliche Kriegsparteien, die ausgeschaltet werden sollen, hieß es in dem Dekret weiter. «Alle diese Gruppen sind jetzt militĂ€rische Ziele», sagte MilitĂ€rchef Jaime Vela.

Sturm auf Fernsehsender

Kurz zuvor waren Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Übertragung in die RĂ€umlichkeiten des staatlichen Fernsehsenders TC TelevisiĂłn in der Hafenstadt Guayaquil eingedrungen und hatten mehrere Journalisten und Mitarbeiter als Geiseln genommen. In den Aufnahmen waren SchĂŒsse und Schreie von Menschen zu hören.

Spezialeinheiten der Polizei brachten den Fernsehsender spÀter wieder unter Kontrolle und nahmen 13 VerdÀchtige fest. Es seien Waffen und Sprengstoff sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Den Festgenommenen werde Terrorismus vorgeworfen.

Im Regierungssitz Carondelet kam am Dienstag das Sicherheitskabinett zu einer Sitzung zusammen. «Wir werden nicht zulassen, dass terroristische Gruppen den Frieden im Land stören», sagte PrÀsident Noboa. Laut einem Bericht des Fernsehsenders Ecuavisa patrouillierten Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen im historischen Zentrum der Hauptstadt Quito. Bis Ende der Woche sollen alle Schulen des Landes geschlossen bleiben, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Regierung erklÀrt Ausnahmezustand

Wegen chaotischer ZustĂ€nde in den GefĂ€ngnissen hatte die Regierung des sĂŒdamerikanischen Landes erst am Montag den Ausnahmezustand verhĂ€ngt. Kriminelle Banden lieferten sich in den Haftanstalten heftige Auseinandersetzungen und nahmen WĂ€rter als Geiseln. Dem Chef der mĂ€chtigen Bande «Los Choneros», Adolfo MacĂ­as alias «Fito», und dem AnfĂŒhrer der Gang «Los Lobos», Fabricio ColĂłn Pico, waren dabei laut GefĂ€ngnisverwaltung offenbar die Flucht gelungen.

Die Sicherheitslage in Ecuador hatte sich zuletzt dramatisch verschlechtert. Die Mordrate von rund 46,5 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr war die bislang höchste in der Geschichte des einst friedlichen Andenstaates und eine der höchsten Lateinamerikas. PrÀsidentschaftskandidat Fernando Villavicencio, der gegen die Korruption zu kÀmpfen versprach, war im August nach einer Wahlkampfveranstaltung erschossen worden.

Mehrere Banden mit Verbindungen zu mĂ€chtigen mexikanischen Kartellen kĂ€mpfen um die Kontrolle ĂŒber die Routen des Drogenhandels. Auch albanische DrogenhĂ€ndler sollen mittlerweile mitmischen. Ecuador ist ein wichtiges Transitland fĂŒr Kokain aus SĂŒdamerika, das in die USA und nach Europa geschmuggelt wird.

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