Großbritannien, Haushalt

Panne in London: Plan fĂŒr Staatsfinanzen landet vorab online

26.11.2025 - 17:12:54 | dpa.de

Ein falscher Klick legt Londons gesamte HaushaltsplÀne offen, noch bevor die Finanzministerin im Parlament zum Mikrofon greift. Der Inhalt hat Sprengkraft.

  • Da war eigentlich schon alles gesagt: Finanzministerin Reeves stellt dem Parlament ihren Haushalt vor. - Foto: House Of Commons/Uk Parliament/PA Wire/dpa
    Da war eigentlich schon alles gesagt: Finanzministerin Reeves stellt dem Parlament ihren Haushalt vor. - Foto: House Of Commons/Uk Parliament/PA Wire/dpa
  • Die Briten können sich nun auf zusĂ€tzliche Steuererhöhungen im Umfang von 26 Milliarden Pfund einstellen. - Foto: James Manning/PA Wire/dpa
    Die Briten können sich nun auf zusÀtzliche Steuererhöhungen im Umfang von 26 Milliarden Pfund einstellen. - Foto: James Manning/PA Wire/dpa
Da war eigentlich schon alles gesagt: Finanzministerin Reeves stellt dem Parlament ihren Haushalt vor. - Foto: House Of Commons/Uk Parliament/PA Wire/dpa Die Briten können sich nun auf zusÀtzliche Steuererhöhungen im Umfang von 26 Milliarden Pfund einstellen. - Foto: James Manning/PA Wire/dpa

Die britische Regierung will mit Steuererhöhungen in Höhe von 26 Milliarden Pfund (29 Mrd. Euro) ein Loch im Haushalt schließen, wie aus einem Dokument des britischen Amts fĂŒr Haushaltsaufsicht hervorgeht. 

Durch einen beispiellosen Patzer veröffentlichte das Amt die vollstÀndigen Details der Finanzplanung von Finanzministerin Rachel Reeves mehr als eine halbe Stunde bevor sie ihre PlÀne wie vorgesehen im Parlament vorstellen konnte. 

«Da hat wohl jemand zu frĂŒh auf den Knopf gedrĂŒckt»

Die Sprecher einer Expertenrunde bei der BBC starrten nach der Veröffentlichung plötzlich alle wie gebannt auf ihre Laptop-Bildschirme und lasen wahlweise AbsĂ€tze aus dem seit Wochen von Spekulationen begleiteten Dokument vor. «Da hat wohl jemand zu frĂŒh auf den Knopf gedrĂŒckt», sagte einer der Experten.

Auch die FinanzmĂ€rkte reagierten sofort auf die versehentlich veröffentlichten Informationen, noch bevor Reeves ihre Vorhaben selbst einordnen konnte. Die hochsensiblen Informationen haben eine große Relevanz fĂŒr die KĂ€ufer von Staatsanleihen und beeinflussen, zu welchen Kosten sich der Staat bei ihnen verschulden kann, um Ausgaben zu finanzieren. Zum GlĂŒck fĂŒr Reeves reagierten die MĂ€rkte glimpflich auf ihre PlĂ€ne; die Zinsen auf Staatsanleihen sanken leicht. 

Steuererhöhungen von 26 Milliarden Pfund

Konkret sieht der Haushaltsplan Steuererhöhungen in Höhe von zusÀtzlich 26 Milliarden Pfund bis zum Ende ihrer Amtszeit vor.

Die wichtigste Maßnahme ist eine Art stille Steuererhöhung, in Deutschland als kalte Progression bekannt. Die Regierung will die Schwellenwerte einfrieren, ab denen höhere SteuersĂ€tze greifen. Wenn Löhne wie in den vergangenen Jahren nominal steigen - etwa durch TarifabschlĂŒsse oder ausgleichend zur Inflation -, rutschen viele BeschĂ€ftigte automatisch in höhere Steuerklassen. Sie zahlen dann mehr Steuern, obwohl sie real - also inflationsbereinigt - nicht mehr Geld im Portemonnaie haben. Durch diesen Effekt rechnet der Staat hingegen mit mehr Steuereinnahmen.

Finanzministerin gibt zu, Wahlversprechen zu brechen

Finanzministerin Reeves sagte, mit dem Einfrieren der Schwellenwerte bitte sie «alle, einen Beitrag zu leisten». Sie rÀumte ein, dass sie mit diesem Schritt Wahlversprechen der Labour-Partei breche, weil es sich «um eine Entscheidung handelt, die arbeitende Menschen treffen wird».

Die Haushaltsplanung hatte in den vergangenen Monaten eine enorme öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Obwohl die Labour-Partei seit der Wahl vor rund anderthalb Jahren ĂŒber eine große Mehrheit im Parlament verfĂŒgt, gelingt es ihr bislang nicht, entschlossen zu regieren und auch schwierigere oder unpopulĂ€re Reformen durchzusetzen. In den Umfragen ist ihre Beliebtheit zuletzt rapide gesunken, wĂ€hrend die rechtspopulistische Partei Reform UK mit immer grĂ¶ĂŸerem Abstand fĂŒhrt.

Weil die Wirtschaft nur schwach wĂ€chst, die Kosten fĂŒr die Staatsfinanzierung wegen der hohen Zinsen gestiegen sind und die Regierung fĂŒr AusgabenkĂŒrzungen keine Mehrheit in den eigenen Reihen organisieren konnte, wurde das Budget von manchen Beobachtern als «Schicksalsmoment» der Regierung beschrieben.

Zuletzt hatte die Regierung die Spekulationen selbst befeuert, als sie kurzzeitig andeutete, ihr zentrales Wahlversprechen einer gleichbleibenden Einkommensteuer zu brechen - nur um diesen Vorschlag dann zehn Tage spĂ€ter wieder zurĂŒckzunehmen.

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