Hamas, Tötung

Hamas meldet Tötung von Auslandschef Hanija

31.07.2024 - 06:47:22 | dpa.de

Einer der wichtigsten Hamas-AnfĂŒhrer soll in der iranischen Hauptstadt getötet worden sein. Die Islamisten machen Israel verantwortlich. Israel meldete zuvor den Tod eines Hisbollah-Kommandeurs.

  • Die Hamas macht Israel fĂŒr den Tod von Hanija verantwortlich. (Archivbild) - Foto: Hassan Ammar/AP
    Die Hamas macht Israel fĂŒr den Tod von Hanija verantwortlich. (Archivbild) - Foto: Hassan Ammar/AP
  • Israel tötete nach eigenen Angaben Fuad Schukr, der als enger Berater von Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah gilt.   - Foto: Marwan Naamani/dpa
    Israel tötete nach eigenen Angaben Fuad Schukr, der als enger Berater von Hisbollah-GeneralsekretÀr Hassan Nasrallah gilt. - Foto: Marwan Naamani/dpa
  • Die USA setzen weiter auf eine diplomatische Lösung.  - Foto: Susan Walsh/AP/dpa
    Die USA setzen weiter auf eine diplomatische Lösung. - Foto: Susan Walsh/AP/dpa
Die Hamas macht Israel fĂŒr den Tod von Hanija verantwortlich. (Archivbild) - Foto: Hassan Ammar/AP Israel tötete nach eigenen Angaben Fuad Schukr, der als enger Berater von Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah gilt.   - Foto: Marwan Naamani/dpa Die USA setzen weiter auf eine diplomatische Lösung.  - Foto: Susan Walsh/AP/dpa

Der Auslandschef der islamistischen Hamas, Ismail Hanija, ist nach Angaben der Terrororganisation bei einem israelischen Angriff in der iranischen Hauptstadt Teheran getötet worden. Er sei infolge einer Attacke auf seine Residenz ums Leben gekommen, teilte die Hamas mit. Von israelischer Seite gab es dazu zunĂ€chst keine Mitteilung. Irans Revolutionsgarden bestĂ€tigten den Tod von Hanija. Er wĂ€re der ranghöchste Hamas-AnfĂŒhrer, der seit Beginn des Gaza-Krieges vor rund zehn Monaten getötet wurde. 

Die Nachricht von Hanijas Tötung folgte nur wenige Stunden nach einem israelischen Luftangriff auf einen Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dabei wurde nach Angaben der israelischen Armee Fuad Schukr getötet, ein ranghoher Kommandeur der Schiitenmiliz Hisbollah. Die Hisbollah ist mit der Hamas in Gaza verbĂŒndet, beide sind wiederum VerbĂŒndete des Irans. 

Seit dem TerrorĂŒberfall der Hamas und anderer Gruppen auf Israel am 7. Oktober greift die Hisbollah aus SolidaritĂ€t mit der Hamas Ziele im Norden Israels an. Ihre Angriffe will sie erst einstellen, wenn es in Gaza zu einem Waffenstillstand kommt. Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), Irans Elitestreitmacht, kam außer Hanija auch einer seiner LeibwĂ€chter ums Leben. Hanija habe vor seinem Tod an der Zeremonie zur Vereidigung des neuen iranischen PrĂ€sidenten Massud Peseschkian teilgenommen, teilte die Hamas mit. 

Tod Hanijas folgt nach Israels Angriff auf Hisbollah-Kommandeur

Der als moderat geltende 69-jÀhrige Peseschkian war im Parlament in Teheran vereidigt worden und nimmt somit offiziell die AmtsgeschÀfte als neunter PrÀsident der Islamischen Republik auf. An der Vereidigungszeremonie nahmen nach iranischen Angaben hochrangige Vertreter aus 86 LÀndern teil. Die meisten westlichen LÀnder hatten Peseschkian weder zum Wahlsieg gratuliert noch standen ihre Vertreter auf der GÀsteliste des Parlaments. 

Drei Tage nach einem tödlichen Raketenangriff auf den Golanhöhen hatte Israels Armee kurz zuvor nach eigenen Angaben in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut einen der ranghöchsten Kommandeure der Schiitenmiliz Hisbollah getötet. Eine BestĂ€tigung der Hisbollah fĂŒr den Tod von Fuad Schukr gab es zunĂ€chst nicht. Der Schlag birgt die Gefahr einer weiteren Eskalation der Spannungen zwischen der Hisbollah und Israel. 

Man ziehe es zwar vor, «Feindseligkeiten ohne einen grĂ¶ĂŸeren Krieg zu lösen», Israels MilitĂ€r sei aber «auf jedes Szenario vorbereitet», sagte Armeesprecher Daniel Hagari. «Wir glauben nicht, dass ein breiter Krieg unvermeidlich ist», sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Kampfflugzeuge trafen Schukr nach Angaben der israelischen Armee in einer «gezielten, nachrichtendienstlich gestĂŒtzten Eliminierung». 

Hisbollah-Kommandeur soll fĂŒr Angriff auf Golan verantwortlich sein 

Schukr habe als rechte Hand von Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah gedient und sei dessen Berater fĂŒr Planung und Leitung von KriegseinsĂ€tzen gewesen. Seit 2017 wird er von US-Behörden wegen Verstrickung in einen Anschlag auf US-Truppen in Beirut 1983 gesucht. FĂŒr Informationen zu Schukr hatten die USA eine Belohnung von fĂŒnf Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) ausgeschrieben. Schukr habe seit dem 7. Oktober auch die Angriffe der Hisbollah auf Israel koordiniert, teilte die israelische Armee weiter mit. 

Schukr sei außerdem verantwortlich fĂŒr den Raketenangriff am Samstag auf die drusische Ortschaft Madschdal Schams auf den von Israel annektierten Golanhöhen, bei dem zwölf Kinder und Jugendliche getötet worden waren. UnabhĂ€ngig ließen sich die Angaben zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen. Die Hisbollah sagte mehrmals, sie habe mit dem Angriff auf dem Golan nichts zu tun. Auch der Iran wies die VorwĂŒrfe einer Beteiligung der Schiitenmiliz zurĂŒck. Die israelische Regierung machte sie jedoch fĂŒr den Angriff verantwortlich und kĂŒndigte einen Vergeltungsschlag an. 

Israels Schlag gegen Schukr in einem Vorort von Beirut erfolgte schließlich am Dienstag kurz vor Sonnenuntergang. Israels Verteidigungsminister Joav Galant schrieb danach auf der Online-Plattform X: «Die Hisbollah hat eine rote Linie ĂŒberschritten.» Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums kamen bei dem Angriff drei Zivilisten ums Leben, zwei MinderjĂ€hrige und eine Frau. 74 Menschen erlitten den Angaben zufolge Verletzungen, fĂŒnf von ihnen sollen in Lebensgefahr schweben. Augenzeugen berichteten, dass die Attacke auf ein achtstöckiges GebĂ€ude zielte. Das Obergeschoss sei getroffen worden, hieß es. 

Libanon spricht von krimineller Tat 

Libanons geschĂ€ftsfĂŒhrender MinisterprĂ€sident Nadschib Mikati sprach laut der staatlichen Nachrichtenagentur NNA von einer «kriminellen Tat». Sie sei Teil einer Reihe aggressiver Operationen, bei denen Zivilisten getötet wĂŒrden. «Die israelische Tötungsmaschinerie» habe noch nicht genug davon, die libanesischen Gebiete im SĂŒden und in der Bekaa-Region anzugreifen, sagte er. Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der Hisbollah. Die Hamas verurteilte den israelischen Angriff. «Wir betrachten dies als eine gefĂ€hrliche Eskalation», fĂŒr die Israel «die volle Verantwortung trĂ€gt», teilte sie mit. 

Erst Anfang Januar war der zweithöchste AnfĂŒhrer der Hamas im Ausland, Saleh al-Aruri, bei einer Explosion in Beirut ums Leben gekommen. Die Hisbollah hatte Israel die Schuld am Tod des Vize-Leiters des PolitbĂŒros der Hamas gegeben. Auch mehrere Hisbollah-Kommandeure waren gezielt getötet worden. Israels Regierung hat nach Informationen der «Times of Israel» die USA als seinen wichtigsten VerbĂŒndeten vor dem Angriff auf Schukr vorab informiert. 

Anschließend sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses, die US-Regierung arbeite weiter an einer diplomatischen Lösung, damit es nicht zum nĂ€chsten Krieg kommt. US-PrĂ€sident Joe Biden glaube an diplomatische Lösungen «vor allem in diesem Moment entlang der Blauen Linie», sagte Karine Jean-Pierre. Dabei handelt es sich um eine von den Vereinten Nationen gezogene Demarkationslinie an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Mit Ende des zweiten Libanon-Krieges 2006 war eine Pufferzone im SĂŒden Libanons eingerichtet worden. 

Bericht: Angriff zeigt Verwundbarkeit der Hisbollah

«Die Tötung von Schukr drĂ€ngt die Hisbollah in die Enge: Ihre AnhĂ€nger erwarten, dass sie einen bedeutenden Vergeltungsschlag ausfĂŒhren wird, aber ihr sind die HĂ€nde gebunden, weil Israel gezeigt hat, dass es militĂ€risch die Oberhand hat», sagte Lina Khatib von Chatham House, einem Institut fĂŒr internationale Angelegenheiten in London, dem «Wall Street Journal». Der Angriff zeige, wie verwundbar die Hisbollah fĂŒr den israelischen Geheimdienst sei. Diese Verwundbarkeit werde jeglichen Vergeltungsschlag der Hisbollah einschrĂ€nken. Beide Seiten schienen zuletzt nach nicht daran interessiert, ihre seit fast zehn Monaten andauernden Gefechte erheblich auszuweiten. Ob sich die brisante Lage im Nahen Osten nach der Tötung des Auslandschefs der Hamas nun weiter zuspitzt, bleibt abzuwarten. 

 

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