EU-Asylsystem: Deutschland kann 2027 Entlastung verlangen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutschlands Rolle im EU-Asylsystem
- EU-Migrationskommissar Magnus Brunner berĂŒcksichtigt Deutschlands langjĂ€hrige Aufnahme von Schutzsuchenden bei der Lastenverteilung.
- Der EU-Bericht fĂŒr Juli 2025 bis Juni 2026 zĂ€hlt Deutschland erneut zur Risikogruppe möglicher hoher Migrationsbelastung.
- Ăber die VorschlĂ€ge fĂŒr den SolidaritĂ€tspool verhandeln nun die EU-Mitgliedstaaten auf Grundlage nicht öffentlicher Detailzahlen.
EU-Kommission berĂŒcksichtigt Deutschlands bisherige Aufnahmeleistungen
Deutschland kann auch im kommenden Jahr verlangen, keine zusĂ€tzlichen FlĂŒchtlinge aus anderen EU-Staaten aufzunehmen oder alternative ZusatzbeitrĂ€ge zu leisten. Grundlage ist eine Analyse des EU-Migrationskommissars Magnus Brunner, die als Verhandlungsbasis fĂŒr die Verteilung der Lasten im europĂ€ischen Asylsystem dient.
Brunner erklĂ€rte, Deutschland habe ĂŒber viele Jahre hinweg besonders viel Verantwortung ĂŒbernommen und tue dies weiterhin. Die Kommission berĂŒcksichtige dies ausdrĂŒcklich und werde daraus erneut Entlastungen fĂŒr Deutschland ableiten.
Ăbernommene Schutzsuchende können angerechnet werden
Das Gemeinsame EuropĂ€ische Asylsystem sieht vor, dass besonders belastete Staaten UnterstĂŒtzung von anderen EU-LĂ€ndern erhalten. Diese kann durch die Aufnahme von Migranten, finanzielle BeitrĂ€ge, Projekte gegen irregulĂ€re Migration in Drittstaaten oder die Bereitstellung von Material erfolgen.
Deutschland hatte bislang keine BeitrĂ€ge zum SolidaritĂ€tspool geleistet. Die Bundesregierung verwies stattdessen darauf, in den vergangenen Jahren viele Asylsuchende aufgenommen zu haben, fĂŒr die nach den ZustĂ€ndigkeitsregeln eigentlich andere EU-Staaten verantwortlich gewesen wĂ€ren.
Deutschland bleibt Teil der Risikogruppe
Die EU-Kommission fĂŒhrt Deutschland gemeinsam mit Belgien, Frankreich und den Niederlanden erneut in einer Risikogruppe. Diese Staaten könnten im kommenden Jahr einem hohen Migrationsdruck ausgesetzt sein, etwa wegen hoher Ankunftszahlen oder besonderer Belastungen ihrer Aufnahmesysteme.
Solange eine solche Belastung nicht eintritt, mĂŒssen sie grundsĂ€tzlich SolidaritĂ€t leisten. Deutschland kann sich dabei nach den EU-Regeln die bereits erfolgte Aufnahme von Schutzsuchenden anrechnen lassen.
Vier Staaten können UnterstĂŒtzung verlangen
Spanien, Italien, Griechenland und Zypern gelten nach der Analyse weiterhin als besonders belastet und können UnterstĂŒtzung von anderen EU-Staaten verlangen. Zu den LĂ€ndern, die voraussichtlich Migranten aufnehmen oder andere BeitrĂ€ge leisten mĂŒssen, zĂ€hlen unter anderem Schweden, Portugal und die Slowakei.
Der SolidaritĂ€tsmechanismus soll den langjĂ€hrigen Streit zwischen Staaten an den EU-AuĂengrenzen und LĂ€ndern im Inneren entschĂ€rfen. Ăber die VorschlĂ€ge fĂŒr den SolidaritĂ€tspool verhandeln nun die Mitgliedstaaten; detaillierte Zahlen wurden bislang nicht öffentlich gemacht.
Der neue SolidaritĂ€tsmechanismus des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems soll die Verantwortung fĂŒr Schutzsuchende innerhalb der EU verbindlicher verteilen. Staaten an den AuĂengrenzen wie Italien, Griechenland, Spanien und Zypern tragen regelmĂ€Ăig einen besonders hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand, wĂ€hrend andere Mitgliedstaaten stĂ€rker ĂŒber Aufnahmen, Geld oder praktische UnterstĂŒtzung beitragen sollen.
FĂŒr Deutschland ist entscheidend, dass die bereits ĂŒbernommenen Schutzsuchenden bei der Berechnung berĂŒcksichtigt werden können. Das verschafft der Bundesregierung Spielraum in den anstehenden Verhandlungen, bedeutet aber nicht, dass Deutschland dauerhaft von jeder SolidaritĂ€tsleistung ausgenommen wĂ€re. Entscheidend bleibt, wie die Mitgliedstaaten die VorschlĂ€ge der Kommission annehmen und welche konkreten BeitrĂ€ge am Ende festgelegt werden.
RĂŒcklĂ€ufige Zahlen verĂ€ndern den politischen Rahmen
Die aktuelle Entwicklung fĂ€llt in eine Phase sinkender AsylzugĂ€nge. In Deutschland wurden im Oktober 5.707 AsylerstantrĂ€ge und NeuzugĂ€nge registriert, 40 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Auch europaweit gingen die Zahlen zurĂŒck; neben nationalen Grenzkontrollen spielen dabei die Sicherung der EU-AuĂengrenzen und verĂ€nderte Fluchtbewegungen eine Rolle.
Der Streit ĂŒber ZustĂ€ndigkeiten bleibt dennoch bestehen. Staaten an den AuĂengrenzen verlangen seit Jahren mehr UnterstĂŒtzung, wĂ€hrend LĂ€nder im Inneren auf die Weiterwanderung vieler Menschen und die Belastung ihrer Aufnahmesysteme verweisen. Die nun anstehenden Verhandlungen werden deshalb zeigen, wie stark die bisherige Aufnahme Deutschlands angerechnet wird und welche Verpflichtungen fĂŒr andere Staaten entstehen.
