Montenegro: Regierung stĂŒtzt sich auf Belgrad-VerbĂŒndete
31.10.2023 - 10:29:56 | dpa.de
Nach langem Tauziehen hat das Parlament im Nato- und Balkanland Montenegro den Zentrumspolitiker Milojko Spajic zum neuen MinisterprÀsidenten gewÀhlt.
Ausschlaggebend bei dem Votum waren die Stimmen der Abgeordneten der offen proserbischen und prorussischen Allianz ZBCG (frĂŒher: DF). Diese ist zwar formell nicht Teil der neuen Mitte-Rechts-Koalition von Spajic, erhĂ€lt aber im Gegenzug fĂŒr diese UnterstĂŒtzung wichtige Positionen in der Staatsverwaltung sowie in staatlichen und staatsnahen Unternehmen.
Im Zuge der Vereinbarung mit der Allianz wÀhlte das Parlament deren Ko-Vorsitzenden Andrija Mandic zum Parlamentschef. Beobachter verweisen darauf, dass Mandic als ParlamentsprÀsident Einblick in geheime Sicherheitsdokumente erhÀlt, die etwa auch Fragen der Zusammenarbeit innerhalb der Nato betreffen. Mandic trifft sich in Belgrad auch hÀufig mit Serbiens PrÀsidenten Aleksandas Vucic.
Die Parlamentswahl im Juni hatte zwar die Partei Europa Jetzt (PES) von Spajic gewonnen. Doch eine von ihr gefĂŒhrte Regierung ist auf Koalitionspartner angewiesen. Rechnerisch wĂ€re auch ein RegierungsbĂŒndnis mit kleineren proserbischen Parteien und den Parteien der ethnischen Minderheiten - Bosniaken, Albaner und Kroaten - möglich gewesen. Spajic hatte ursprĂŒnglich ein solches angestrebt.
Belgrad interveniert erfolgreich
Doch Interventionen der Regierung in Belgrad und des aus der PES kommenden montenegrinischen PrĂ€sidenten Jakov Milatovic fĂŒhrten dazu, dass sich Spajic fĂŒr die Einbindung der Allianz ZBCG entschied. Die Zentrumspartei PES ist selbst nicht homogen, Milatovic steht fĂŒr ihren proserbischen FlĂŒgel.
Die neue Regierung besteht formell aus Ministern der PES, zweier kleinerer proserbischer Parteien sowie aus Vertretern der ethnischen Albaner. In seiner RegierungserklĂ€rung betonte Spajic, dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stĂ€rken wolle. Das kleine Balkanland verhandelt seit 2012 ĂŒber einen EU-Beitritt, lieĂ aber in den letzten Jahren bei den nötigen ReformbemĂŒhungen nach.
Indes traf EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in Montenegro ein. PrĂ€sident Milatovic empfing sie zu einem GesprĂ€ch. Zur Regierungsbildung sagte die EU-Politikerin: «Ich begrĂŒĂe es, dass sie nun voll auf die BewĂ€ltigung des Beitrittsziels fokussiert sein sollten, und zusammen sollten wir die letzte Meile gehen.» Von Montenegro wollte von der Leyen nach Belgrad weiterreisen, um Serbiens PrĂ€sidenten Vucic zu treffen.
Im Mittelpunkt ihrer Reise, die sie am Montag nach Nordmazedonien und ins Kosovo gefĂŒhrt hatte, steht ein neuer «Wachstumsplan» der EU, der unter anderem einen verbesserten Zugang der LĂ€nder der Westbalkanregion zum EU-Markt vorsieht, den LĂ€ndern aber auch ernsthafte ReformbemĂŒhungen abverlangt.
Die prowestliche Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) kam fĂŒr die PES als Koalitionspartner grundsĂ€tzlich nicht in Frage. Unter dem im April abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten Milo Djukanovic hatte sie drei Jahrzehnte lang das Land regiert. Djukanovic hatte sein Land zwar 2006 in die UnabhĂ€ngigkeit und 2017 in die Nato gefĂŒhrt. Seine Herrschaft war aber auch von Korruption und NĂ€he zum organisierten Verbrechen ĂŒberschattet gewesen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
