Flávio Bolsonaro flieht trotz Verbots über Argentinien
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 11:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahlresultat und Reiseweg im Detail
- Flávio Bolsonaro verlor die Stichwahl gegen Luiz Inácio Lula da Silva mit 48,2 zu 51,8 Prozent.
- Er reiste mit seiner Ehefrau Fernanda sowie den Töchtern Carolina und Luiza aus.
- Die Maschine flog laut Flugplan in die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil.
Flávio Bolsonaro verlässt Brasilien trotz Gerichtsbeschluss
Zwei Tage nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl ist der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro trotz eines richterlichen Ausreiseverbots außer Landes geflohen. Er reiste nach Angaben argentinischer Behörden über die Provinz Misiones nach Argentinien und flog von dort mit einem Privatflugzeug weiter Richtung Ecuador.
Privatjet nimmt Kurs auf Guayaquil
Bolsonaro wurde am späten Dienstagabend Ortszeit von seiner Ehefrau Fernanda und seinen Töchtern Carolina und Luiza begleitet. Laut Flugplan war Guayaquil das Ziel der Maschine.
Wohin, wie und wann Bolsonaro von Ecuador aus weiterreisen wollte, blieb zunächst offen. Zuvor hatte es Berichte über eine mögliche Flucht in die USA gegeben.
USA stellen Familie ein Visum aus
Ein US-Beamter bestätigte, dass Bolsonaro und seiner Familie ein Visum gewährt werde. US-Präsident Donald Trump begrüßte eine mögliche Einreise des brasilianischen Politikers und kritisierte die Wahl in Brasilien erneut.
Bolsonaro hatte die Stichwahl am Sonntag gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren. Lula erhielt nach dem offiziellen Ergebnis 51,8 Prozent der Stimmen, Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent.
Justiz hatte Ausreise untersagt
Das Oberste Gericht Brasiliens hatte Bolsonaro am Montag angewiesen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes ließ die Pässe für ungültig erklären und untersagte dem Senator, das Land zu verlassen.
Die Anordnung erging im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Dabei geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten; Bolsonaro weist jedes Fehlverhalten zurück.
Lula kritisiert Verhalten nach der Niederlage
Vor seiner Ausreise hatte Bolsonaro erklärt, er werde die Pässe abgeben und sich gegen die Maßnahme wehren. Pläne für eine Ausreise bestritt er.
Präsident Lula warf seinem Rivalen mangelnden Respekt gegenüber den Wählern und der Demokratie vor. Jair Bolsonaros Sohn trat bei der Wahl an die Stelle seines Vaters, der wegen Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu einer 27-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde und im Hausarrest sitzt.
Flávio Bolsonaro verband mit seiner Ausreise mehrere politische und juristische Konfliktlinien. Der Senator hatte die Stichwahl gegen Luiz Inácio Lula da Silva mit 48,2 Prozent zu 51,8 Prozent verloren. Seine Abreise trotz der Anordnung des Obersten Gerichts verschärft damit den Streit zwischen dem Bolsonaro-Lager und der brasilianischen Justiz.
Im Mittelpunkt steht ein Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten. Die Maßnahme gegen Bolsonaro steht zugleich im Schatten des Verfahrens gegen seinen Vater Jair, der wegen Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu einer 27-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde und im Hausarrest sitzt. Flávio war bei der Wahl an dessen Stelle getreten.
Politische Folgen der Ausreise
Die Reise über Argentinien nach Ecuador und die Aussicht auf ein US-Visum machen den Vorgang zudem zu einem internationalen Politikum. US-Präsident Donald Trump stellte sich öffentlich hinter Bolsonaro und kritisierte die brasilianische Wahl, während Lula die Flucht als mangelnden Respekt gegenüber Wählern und Demokratie bewertete.
Für Brasilien verschiebt sich der Konflikt damit über die Frage der Wahlniederlage hinaus auf den Umgang mit gerichtlichen Anordnungen und politischen Schutzräumen im Ausland. Offen blieb zunächst, wie Bolsonaro von Ecuador aus weiterreisen wollte und welche rechtlichen Schritte die brasilianischen Behörden wegen der missachteten Ausreisesperre einleiten würden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Focus: „US-Beamter: Stellen Visum für Flávio Bolsonaro aus“ (28.10.2026)
Der Beitrag berichtet, US-Kreise zufolge sollten Flávio Bolsonaro und seine Familie Visa erhalten. Er setzt damit einen Schwerpunkt auf die mögliche Einreise in die USA, während die dpa-Meldung den Reiseweg über Argentinien und Ecuador beschreibt.
Stern: „Buenos Aires: Flávio Bolsonaro von Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist“ (28.10.2026)
Der Artikel hebt die Angaben der argentinischen Regierung zur Weiterreise nach Ecuador hervor. Damit bestätigt er den in der dpa-Meldung beschriebenen Transit, ohne das weitere Ziel Bolsonaros festzulegen.
Ăśbereinstimmend steht die Ausreise trotz gerichtlicher Anordnung im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Fokus auf das US-Visum beziehungsweise den konkreten Reiseweg; offen bleibt der weitere Aufenthaltsort.
