Flávio Bolsonaro, Brasilien-Wahl

Flávio Bolsonaro erhält US-Visa trotz Ausreiseverbot

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 22:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Visa-Zusage der USA kommt, nachdem Brasiliens Oberstes Gericht Flávio Bolsonaro die Ausreise untersagt und seine Pässe annulliert hat. Gegen den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten läuft ein Geldwäscheverfahren.

Visa-Zusage und brasilianisches Verfahren

  • Das US-AuĂźenministerium will Flávio Bolsonaro und seiner Familie die Einreise in die Vereinigten Staaten ermöglichen.
  • Richter Alexandre de Moraes setzte eine Frist von 24 Stunden zur Abgabe der Pässe und untersagte Bolsonaro die Ausreise.
  • Im Verfahren geht es um mutmaĂźliche GeldflĂĽsse ĂĽber Unternehmen eines Anwalts und Wettanbieter.
Flávio Bolsonaro hat die Präsidentenwahl verloren. - Bild: Eraldo Peres/AP/dpa

USA wollen Flávio Bolsonaro die Einreise erlauben

Das US-Außenministerium wird Flávio Bolsonaro und seiner Familie US-Kreisen zufolge Visa ausstellen und ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten genehmigen. Zuvor hatten Medien über eine mögliche Ausreise des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten über Argentinien in die USA berichtet.

Frist zur Passabgabe verstrichen

Bolsonaro kam einer Anordnung des Richters Alexandre de Moraes vom Obersten Gericht Brasiliens nicht nach, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Moraes ließ die Dokumente annullieren und untersagte dem Senator, das Land zu verlassen.

Ermittlungen wegen Geldwäsche

Die Verfügung erging im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Dabei geht es um mutmaßliche Geldflüsse über Unternehmen des Juristen und Wettanbieter; Bolsonaro weist ein Fehlverhalten zurück.

Berichte über möglichen Reiseweg

Die brasilianische Zeitung Folha de S. Paulo berichtete unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld der Bolsonaro-Familie, der Senator sei nach Argentinien ausgereist und wolle von dort in die USA weiterreisen. Auch die argentinische Zeitung La Nación berichtete über einen möglichen Flug in die USA, während Argentiniens Einwanderungsbehörde demnach keine Einreise Bolsonaros registriert hatte.

Streit ĂĽber die Wahlniederlage

Bolsonaro hatte erklärt, er werde seine Pässe abgeben und sich gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Maßnahme wehren. Bei der Stichwahl am Sonntag unterlag er Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva mit 48,2 zu 51,8 Prozent der Stimmen; seine Partei erkannte Lulas Wahlsieg an.

Bolsonaro selbst räumte seine Niederlage nicht ausdrücklich ein und kündigte an, Lulas Wahlkampfführung juristisch prüfen zu lassen. US-Präsident Donald Trump äußerte Zweifel am Ablauf und Ergebnis der Abstimmung, ohne eine Grundlage für seine Einschätzung zu nennen.

Die Visa-Zusage fällt in eine Phase, in der sich Brasiliens politischer Machtwechsel mit laufenden Ermittlungen gegen einen prominenten Vertreter der unterlegenen Seite überschneidet. Flávio Bolsonaro hat die Stichwahl gegen Luiz Inácio Lula da Silva verloren; zugleich steht er wegen des Verdachts der Geldwäsche im Fokus eines Verfahrens.

Die Entscheidung des Obersten Gerichts, die Pässe zu annullieren und die Ausreise zu untersagen, sollte den Aufenthalt des Senators in Brasilien sichern. Dass die Frist zur Abgabe der Dokumente verstrichen ist und die Vereinigten Staaten ihm und seiner Familie nun die Einreise ermöglichen wollen, verschärft den Konflikt zwischen Justiz, Opposition und dem politischen Umfeld des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Politische Folgen der Visa-Zusage

Für Bolsonaro eröffnet die Einreise in die USA einen möglichen Rückzugsort, während in Brasilien rechtliche Schritte und die Vorbereitung der Amtsübernahme Lulas weiterlaufen. Zugleich gewinnt die Haltung Washingtons politisches Gewicht: US-Präsident Donald Trump hat Zweifel am brasilianischen Wahlergebnis geäußert, ohne eine Grundlage dafür zu nennen.

Die Visa-Ausstellung bedeutet nicht automatisch eine Entscheidung über die brasilianischen Ermittlungen oder das Ausreiseverbot. Sie dürfte aber die diplomatische und innenpolitische Auseinandersetzung über den Umgang mit Bolsonaro und seiner Familie weiter verschärfen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Trotz Ausreiseverbots: Flávio Bolsonaro flieht offenbar in die USA“ (27.10.2026)

Der Artikel ordne die versäumte Passabgabe und die geplante Reise in die USA in die Ermittlungen wegen Geldwäsche und Korruption ein. Anders als die dpa-Meldung berichte er bereits von einer Flucht und nenne weitere Ermittlungsansätze; die politische und rechtliche Bedeutung der Ausreise bleibe umstritten.

ntv: „Flavio Bolsonaro auf der Flucht in die USA“ (27.10.2026)

Der Beitrag stelle die versäumte Frist und die Reise in Richtung USA in den Mittelpunkt und verweise auf Angaben aus US-Kreisen. Zusätzlich ordne er die Niederlage mit den Zahlen 51,8 zu 48,2 Prozent sowie den Geldwäscheverdacht ein.

Beide Beiträge verbänden die Visa- und Reiseentscheidung mit dem juristischen Druck auf Bolsonaro. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung weiterer Ermittlungen und der Frage, ob die Ausreise bereits als vollzogen dargestellt werde.

Disclaimer...
de | ausland | 70423470 |