Flávio Bolsonaro, Brasilien-Wahl

Flávio Bolsonaro landet trotz Verbots in Miami

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der brasilianische Senator reiste mit seiner Familie über mehrere Länder nach Florida, obwohl das Oberste Gericht seine Pässe eingezogen hatte. Die Ausreise verschärft den Konflikt zwischen dem Bolsonaro-Lager und der brasilianischen Justiz.

Bolsonaro-Familie und Ermittlungsverfahren

  • Flávio Bolsonaro reiste laut argentinischen Behörden trotz eines Ausreiseverbots ĂĽber Argentinien und Ecuador aus Brasilien aus.
  • Das Oberste Gericht hatte seine Reisepässe fĂĽr ungĂĽltig erklärt und binnen 24 Stunden deren Abgabe angeordnet.
  • Im Verfahren geht es um mutmaĂźliche Geldwäsche und Verbindungen zu Unternehmen aus dem Bereich der Online-Sportwetten.
  • Der Verlierer der brasilianischen Präsidentenwahl, Flávio Bolsonaro, ist in den USA gelandet. - Bild: Marta Lavandier/AP/dpa
  • Flávio Bolsonaro hat die Präsidentschaftswahl verloren. (Archivfoto) - Bild: Eraldo Peres/AP/dpa
Der Verlierer der brasilianischen Präsidentenwahl, Flávio Bolsonaro, ist in den USA gelandet. - Bild: Marta Lavandier/AP/dpa Flávio Bolsonaro hat die Präsidentschaftswahl verloren. (Archivfoto) - Bild: Eraldo Peres/AP/dpa

Flávio Bolsonaro landet nach Ausreise aus Brasilien in Miami

Der brasilianische Wahlverlierer Flávio Bolsonaro ist nach seiner Ausreise aus Brasilien in den USA gelandet. Er kam mit seiner Ehefrau Fernanda und seinen Töchtern Carolina und Luiza in Miami an.

Reise ĂĽber Argentinien und Ecuador

Argentinischen Behörden zufolge überquerte der Senator trotz eines Ausreiseverbots auf dem Landweg die Grenze nach Argentinien. Von dort flog er nach Ecuador und anschließend weiter nach Miami im US-Bundesstaat Florida.

USA stellen Visa fĂĽr Familie aus

Das US-Außenministerium hatte zuvor angekündigt, Bolsonaro und seiner Familie Visa auszustellen und ihnen die Einreise zu ermöglichen. Die Familie stieg nach Angaben aus dem Umfeld des Vorgangs aus einem Privatflugzeug aus.

Gericht ordnete Abgabe der Pässe an

Bolsonaro war einer Anordnung des Obersten Gerichts nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes hatte die Pässe für ungültig erklären lassen und dem Senator die Ausreise untersagt.

Das Verbot erging im Rahmen von Ermittlungen gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Im Mittelpunkt stehen mutmaßliche Geldwäsche sowie mögliche Verbindungen zu Unternehmen und Online-Sportwetten.

Politische Niederlage gegen Lula

Bolsonaro hatte die Präsidentschaftswahl mit 48,2 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren, der 51,8 Prozent erreichte. Seine rechte Partei erkannte Lulas Wahlsieg an.

Bolsonaro selbst räumte seine Niederlage nicht ausdrücklich ein. Er kündigte stattdessen an, Lulas Wahlkampfführung juristisch prüfen zu lassen, um eine Vereidigung Lulas und seines Vizepräsidenten Geraldo Alckmin zu verhindern.

Familie bleibt im Zentrum der Justiz

Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Dieser wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt und darf keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden.

Gegen Flávio Bolsonaro wird außerdem wegen der Finanzierung des Films „Dark Horse“ ermittelt. Nach Angaben der Bundespolizei sollen dabei rund 61 Millionen Real, umgerechnet etwa zehn Millionen Euro, in die Filmproduktion geflossen sein; Bolsonaro bestreitet Unregelmäßigkeiten.

Lula kritisiert die Ausreise

Präsident Lula da Silva kritisierte die Ausreise des Senators. Bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag sagte er, wer nichts zu verbergen habe, müsse nichts fürchten, und warf Bolsonaro mangelnden Respekt vor seinen Wählern und der Demokratie vor.

Trump stellt Wahlergebnis infrage

US-Präsident Donald Trump äußerte ebenfalls Zweifel am Ergebnis der brasilianischen Wahl. Er sagte, die Abstimmung habe auf ihn wie eine weitere manipulierte Wahl gewirkt, nannte aber keine Grundlage für diese Einschätzung.

Trump hatte sich im Konflikt mit der brasilianischen Justiz hinter Flávio Bolsonaros Vater gestellt. Eduardo Bolsonaro, Flávios Bruder, lebt bereits in den USA; in Brasilien liegt gegen ihn ein Haftbefehl vor.

Flávio Bolsonaros Ausreise fällt in eine Phase, in der Brasiliens demokratische Institutionen weiterhin stark unter Druck stehen. Der Senator hatte die Präsidentschaftswahl am Sonntag mit 48,2 Prozent der Stimmen gegen Luiz Inácio Lula da Silva verloren. Seine Partei erkannte Lulas Sieg an, während Bolsonaro selbst das Ergebnis nicht ausdrücklich einräumte und eine juristische Prüfung der Wahlkampfführung ankündigte.

Politisch brisant ist die Reise, weil sie trotz einer gerichtlichen Anordnung zur Abgabe der Pässe erfolgte. Das Ausreiseverbot steht im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche und möglichen Verbindungen zu Unternehmen aus dem Bereich der Online-Sportwetten. Bolsonaro weist die Vorwürfe zurück. Die Flucht ins Ausland kann das Verfahren erschweren und verschärft zugleich den Konflikt zwischen dem Bolsonaro-Lager und dem Obersten Gericht.

Folgen fĂĽr Brasiliens Politik

Auch die familiäre Verflechtung erhöht die Bedeutung des Vorgangs: Ex-Präsident Jair Bolsonaro verbüßt nach seiner Verurteilung wegen eines versuchten Staatsstreichs eine Haftstrafe und darf keine öffentlichen Ämter bekleiden. Sein Sohn Flávio war an seiner Stelle zur Wahl angetreten. Der in den USA lebende Bruder Eduardo steht in Brasilien ebenfalls im Zentrum juristischer Maßnahmen.

Die Aufnahme durch die USA gibt dem Fall zudem eine außenpolitische Dimension. Washington ermöglicht Flávio Bolsonaro und seiner Familie die Einreise, während US-Präsident Donald Trump Zweifel am brasilianischen Wahlergebnis äußerte. Für Lula und die brasilianische Justiz geht es damit nicht nur um ein individuelles Ermittlungsverfahren, sondern auch um den Umgang mit einem politisch einflussreichen Familiennetzwerk, das seine Auseinandersetzung mit den Institutionen über die Landesgrenzen hinweg fortsetzt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Brasilien: Bolsonaro trotz Ausreiseverbots laut US-Medien in USA“ (28.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Reise in die USA unter Berufung auf US-Medien und ordne sie in das Ausreiseverbot sowie die brasilianischen Ermittlungen ein. Anders als die dpa-Meldung habe er zunächst den Status als Bericht über die Landung betont.

Stern: „Präsidentenwahl in Brasilien: Wahlverlierer Bolsonaro flieht aus Brasilien“ (28.10.2026)

Der Artikel habe den Fluchtweg über Argentinien und Ecuador sowie die geplante Visaerteilung durch die USA hervorgehoben. Damit bestätige er den zentralen Vorgang, setze aber einen stärkeren Schwerpunkt auf die diplomatische Unterstützung aus Washington.

Über die Reise in die USA bestehe damit Übereinstimmung; offen bleibe vor allem, welche unmittelbaren rechtlichen Schritte die brasilianischen Behörden wegen des Verstoßes gegen die Pass- und Ausreiseanordnung einleiten würden.

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