Frankreich: Macron erlaubt Samstag nur Gewerkschafts-Demos
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMaßnahmen in Lyon und Paris
- Macron sagte, Präfekten sollten Versammlungen ohne ausreichende Legitimität untersagen.
- In Lyon gilt am Samstag von 16 bis 23 Uhr ein Versammlungsverbot im Zentrum.
- Für Montag kündigte Macron Gespräche mit Gewerkschaften, Studierenden und weiteren Gruppen an.
Macron begrenzt Demonstrationen nach Ausschreitungen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will an diesem Samstag grundsätzlich nur von Gewerkschaften organisierte Demonstrationen zulassen. Nach Beratungen mit den Sicherheitsbehörden kündigte er an, Versammlungen ohne ausreichende Legitimität durch die Präfekten verbieten zu lassen.
Behörden untersagen erste Versammlungen
Macron empfahl zugleich, in den kommenden Tagen keine Demonstrationen abzuhalten, damit wieder Ruhe einkehren könne. Für angemeldete Gewerkschaftszüge sollen alternative Routen vorgeschlagen werden, um Innenstädte und Geschäfte zu schützen.
Im Département Rhône untersagte die Präfektur bereits Versammlungen im Zentrum von Lyon. Das Verbot gilt am Samstag zwischen 16 und 23 Uhr.
Gewerkschaftszug in Paris möglich
In Paris soll dagegen ein von den Behörden genehmigter Gewerkschaftszug stattfinden. Er soll an der Place de la Bastille beginnen und an der Place de la Nation enden.
Für Montag kündigte Macron Gespräche mit Schüler- und Studierendenorganisationen, Gewerkschaften, Arbeitgebern, Kommunen und Parlamentariern an. Der Dialog über berechtigte Forderungen solle fortgesetzt werden.
Macrons Ankündigung fällt in eine Phase, in der sich Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem verbinden. Am vergangenen Wochenende waren Demonstrationen in mehreren Städten von schweren Ausschreitungen begleitet worden.
Die französische Regierung versucht deshalb, den öffentlichen Raum stärker zu kontrollieren und zugleich organisierte Gewerkschaftsproteste von nicht autorisierten oder nicht angemeldeten Versammlungen abzugrenzen. Für die Behörden entsteht dabei ein Spannungsfeld zwischen dem Schutz von Innenstädten und Geschäften sowie dem verfassungsrechtlich geschützten Versammlungsrecht.
Proteste mit mehreren Trägern
Aktuelle Berichte ordnen die angekündigten Proteste verschiedenen Gruppen zu. Studentenorganisationen und Teile der Gelbwesten-Bewegung hätten zu Aktionen aufgerufen, während große Gewerkschaften zunächst nicht geschlossen beteiligt gewesen seien. Inzwischen habe die CGT angekündigt, sich an den Protesten am Samstag zu beteiligen.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen werden bereits vorbereitet. Dazu zählt nach aktuellen Berichten auch die mögliche Unterstützung von Polizei und Gendarmerie durch Soldaten beziehungsweise Spezialkräfte. Für Montag geplante Gespräche mit Schüler- und Studierendenorganisationen, Gewerkschaften, Arbeitgebern, Kommunen und Parlamentariern sollen den politischen Dialog über die Forderungen fortsetzen.
Folgen für Reisende und Städte
Für Besucher und Pendler bedeutet die Lage vor allem mögliche Sperrungen, geänderte Demonstrationsrouten und Einschränkungen im Nahverkehr. Die konkrete Entwicklung hängt davon ab, welche Versammlungen die Präfekten genehmigen und ob angekündigte Aktionen friedlich bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Frankreich plant Militäreinsatz bei nächsten Protesten“ (21.10.2026)
Der Beitrag berichte über geplante Unterstützungseinsätze von Soldaten und über die Prüfung eines Verbots nicht angemeldeter Demonstrationen. Anders als die dpa-Meldung lege er den Schwerpunkt auf die militärische Entlastung von Polizei und Gendarmerie sowie auf die Proteste von Schülern und Studierenden.
Der Bericht habe angekündigte Proteste am Samstag und einen Streik am 5. November thematisiert. Damit rücke er stärker die gewerkschaftliche Mobilisierung und die mögliche Fortsetzung der Protestwelle in den Mittelpunkt, während die dpa-Meldung vor allem die staatlichen Versammlungsverbote beschreibe.
Übereinstimmung bestehe über weitere Proteste und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Offen bleibe, wie viele Versammlungen tatsächlich genehmigt würden und ob die angekündigten Aktionen ohne neue Ausschreitungen verliefen.
