Gerhard Schröder feiert Putins Geburtstag in Moskau â Empörung in Deutschland
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 14:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAltkanzler Gerhard Schröder hat am Mittwoch in Moskau den 74. Geburtstag des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin gefeiert und damit parteiĂŒbergreifend scharfe Kritik ausgelöst.
Regierung und SPD distanzieren sich
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Steffen Meyer âzutiefst empörtâ. Putins Befehle im Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgten jeden Tag fĂŒr âunermessliches Leid, fĂŒr zivile Opfer, fĂŒr Familien, die auseinandergerissen werden, fĂŒr Tote und Verwundeteâ.
Auch SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete Schröders Auftritt in Moskau als âvöllig inakzeptabelâ. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller sagte, sie sei fassungslos, dass Schröder mit Putin feiere, wĂ€hrend Russland die Ukraine weiter angreife.
Einladung durch Putin
Der Kreml erklĂ€rte, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren und seinen âalten Freundâ anschlieĂend zu sich nach Hause eingeladen. Veröffentlicht wurden Fotos, auf denen beide MĂ€nner lĂ€chelnd die HĂ€nde verschrĂ€nken.
Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat des russischen Globus-Ablegers nach Moskau gereist. Vor Mitarbeitern einer Filiale hielt er eine BegrĂŒĂungsrede. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und steht wegen seiner engen Verbindung zu Putin sowie seines geschĂ€ftlichen Engagements fĂŒr russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik.
Ukrainischer Botschafter spricht von âwiderlichâ
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, nannte das Treffen âwiderlichâ. Gegen Putin liegt seit 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen vor.
Auch GrĂŒnen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke griffen Schröder scharf an. Radtke verwies darauf, dass Schröder 2025 wegen einer Burnout-Erkrankung mehrfach Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit Nord Stream 2 abgesagt hatte.
Stegner verteidigt Schröders Kontakte
Der SPD-AuĂenpolitiker Ralf Stegner nahm Schröder dagegen in Schutz. Man mĂŒsse in Russland mit denjenigen reden, âdie da sindâ, sagte er. Schröder könne TĂŒren zu Putin öffnen; wenn der Besuch dem Frieden auch nur einen Millimeter gedient habe, sei er ein Erfolg gewesen.
Stegner betonte zudem, Schröder sei als Privatmann in Moskau gewesen und kein aktiver Politiker. Im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler zwischen Russland und der Ukraine ins GesprĂ€ch gebracht. In der Bundesregierung war dieser Vorschlag auf Skepsis gestoĂen.
Reisebegleitung durch PersonenschĂŒtzer
Zur Frage nach einem möglichen Personenschutz erklĂ€rte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, die Begleitung von Reisen durch BKA-PersonenschĂŒtzer gehöre zum Schutzauftrag. Das Ministerium genehmige solche Reisebegleitungen nicht und werde darĂŒber auch nicht informiert.
Schröder war nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt lange fĂŒr russische Energiekonzerne tĂ€tig, unter anderem als PrĂ€sident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, nahm wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 jedoch nicht den Betrieb auf.
Ein Treffen mit hoher Symbolkraft
Gerhard Schröders Besuch fĂ€llt in eine Phase, in der Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt und politische Kontakte zu westlichen Akteuren gezielt öffentlich macht. Schröder ist seit Jahren eng mit Wladimir Putin verbunden und war nach seiner Kanzlerschaft in leitenden Funktionen fĂŒr russische Energiekonzerne tĂ€tig. Diese Verbindungen prĂ€gen die politische Bewertung seines Auftretens bis heute.
Die aktuelle Debatte berĂŒhrt deshalb mehr als die private Beziehung zweier frĂŒherer politischer Partner. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und besitzt weiterhin eine hohe öffentliche Bekanntheit. Sein Auftreten kann daher als politisches Signal wahrgenommen werden, auch wenn er kein Regierungsamt mehr innehat. Besonders kontrovers ist die mögliche Vermittlerrolle: Putin hatte Schröder im Mai als GesprĂ€chskanal ins Spiel gebracht, wĂ€hrend die Bundesregierung dem mit Skepsis begegnete.
Bedeutung fĂŒr die deutsche Politik
FĂŒr die SPD verschĂ€rft der Auftritt den Konflikt zwischen dem Anspruch, Russlands Krieg klar zu verurteilen, und Stimmen, die Schröders Zugang zu Putin fĂŒr mögliche GesprĂ€che erhalten wollen. BefĂŒrworter einer solchen Kontaktmöglichkeit verweisen auf den seltenen direkten Zugang. Kritiker halten dagegen, dass ein öffentliches gemeinsames Auftreten Putins Position aufwerten und Schröders geschĂ€ftliche Verbindungen mit politischen Kontakten vermischen könne. FĂŒr die deutsche Ăffentlichkeit bleibt damit vor allem die Frage relevant, ob aus dem persönlichen Zugang ein belastbarer Beitrag zu GesprĂ€chen entsteht oder ob das Treffen lediglich symbolische Wirkung entfaltet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestĂ€tige die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und stelle die heftige Kritik aus mehreren politischen Lagern heraus. Zugleich setze er einen eigenen Schwerpunkt auf den zeitgleichen russischen GroĂangriff auf die Ukraine sowie auf die Frage, ob die Einladung tatsĂ€chlich spontan erfolgt sei. Als Gegenposition komme Ralf Stegner zu Wort, der Schröders Zugang zu Putin fĂŒr mögliche FriedensgesprĂ€che genutzt sehen wolle.
n-tv: âSchröder feiert Putins Geburtstag in Moskauâ (08.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tige den Geburtstagsbesuch und ordne ihn stĂ€rker ĂŒber Schröders neuen Aufsichtsratsposten bei der russischen Handelskette Hyperglobus ein. Er berichte, Schröder sei zunĂ€chst aus geschĂ€ftlichem Anlass nach Moskau gereist und anschlieĂend von Putin eingeladen worden. Anders als der Tagesspiegel konzentriere sich der Beitrag weniger auf die parteipolitische Empörung und stĂ€rker auf den Ablauf der Reise und Schröders fortbestehende Verbindung zu Putin.
Beide Berichte stellten die Teilnahme am Geburtstag und Schröders langjĂ€hrige NĂ€he zum Kremlchef ĂŒbereinstimmend heraus. Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend der Tagesspiegel die politische und moralische Kontroverse sowie den Kriegskontext betone, rĂŒcke n-tv den geschĂ€ftlichen Anlass und die Chronologie des Besuchs in den Vordergrund.

