Gipfel, Weißen

Gipfel im Weißen Haus ist uneins ĂŒber Waffenruhe fĂŒr Ukraine

Veröffentlicht: 18.08.2025 um 23:06 Uhr, dpa.de

Nach Kremlchef Putin in Alaska trifft US-PrĂ€sident Trump nun den ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj. Der hat sich UnterstĂŒtzung aus Europa mitgebracht.

  • Der ukrainische PrĂ€sident erklĂ€rte sich zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa
    Der ukrainische PrÀsident erklÀrte sich zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa
  • Trump sagt, er fand es «besser», wenn sich Selenskyj und Putin zunĂ€chst ohne ihn treffen.  - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
    Trump sagt, er fand es «besser», wenn sich Selenskyj und Putin zunÀchst ohne ihn treffen. - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • US-PrĂ€sident Trump hat den ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj empfangen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    US-PrÀsident Trump hat den ukrainischen PrÀsidenten Selenskyj empfangen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Der ukrainische PrÀsident erklÀrte sich zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit. - Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa Trump sagt, er fand es «besser», wenn sich Selenskyj und Putin zunÀchst ohne ihn treffen.  - Bild: Alex Brandon/AP/dpa US-PrÀsident Trump hat den ukrainischen PrÀsidenten Selenskyj empfangen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Beim Ukraine-Gipfel im Weißen Haus in Washington sind unterschiedliche Bewertungen vor allem zur Notwendigkeit einer schnellen Waffenruhe in dem von Russland angegriffenen Land offen zutage getreten. Bundeskanzler Friedrich Merz beharrte darauf, US-PrĂ€sident Donald Trump machte dagegen deutlich, dass er eine solche Waffenruhe nicht fĂŒr notwendig hĂ€lt. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj lobte die Bereitschaft der USA, seinem Land Sicherheitsgarantien fĂŒr die Zeit nach dem Krieg zu geben.

Bei dem mehrstĂŒndigen Treffen im Weißen Haus fĂŒhrten Trump und Selenskyj zunĂ€chst ein bilaterales GesprĂ€ch. Dieses wurde spĂ€ter im erweiterten Kreis mit Merz und anderen europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs sowie den Spitzen von EU und Nato fortgesetzt. 

Nach Washington waren auch Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer, Italiens MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni, der finnische PrÀsident Alexander Stubb sowie EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen und Nato-GeneralsekretÀr Mark Rutte gekommen.

Merz will Waffenruhe vor nÀchster Runde von FriedensgesprÀchen

Auch Trump hatte ursprĂŒnglich eine sofortige Waffenruhe fĂŒr die Ukraine verlangt. Diese Forderung gab er aber nach seinem Treffen mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin am vergangenen Freitag in Alaska auf. Nicht so Kanzler Merz: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nĂ€chste Treffen ohne eine Feuerpause stattfindet», sagt der CDU-Vorsitzende in Washington. «Lasst uns daran arbeiten und versuchen, Druck auf Russland auszuĂŒben.»

Trump sagte bei seinem Treffen mit Selenskyj, er möge zwar das Konzept einer Feuerpause, weil damit das Töten von Menschen sofort aufhören wĂŒrde. «Aber wir können an einem Deal arbeiten, wo wir auf ein Friedensabkommen abzielen.» Zuvor hatte Selenskyj bei einem Treffen mit den EuropĂ€ern in der ukrainischen Botschaft in Washington betont: «Die Ukraine ist bereit zu einem realen Waffenstillstand und der Errichtung einer neuen Sicherheitsarchitektur.»

Genaue Ausgestaltung von Sicherheitsgarantien weiter offen 

Trump wich Fragen nach der Stationierung von US-Truppen in der Ukraine nach einem Friedensschluss aus. Man werde spĂ€ter am Tag möglicherweise etwas mehr dazu erfahren, sagte er. Auch eine Frage nach konkreten Details zu Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine ließ Trump unbeantwortet. Er versicherte aber: «Wir werden ihnen sehr guten Schutz geben, sehr gute Sicherheit.» 

Selenskyj bezeichnete die Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land als vorrangig fĂŒr einen Frieden mit Russland. «Es ist sehr wichtig, dass die Vereinigten Staaten ein starkes Signal geben und bereit sind fĂŒr diese Sicherheitsgarantien.» Zudem hĂ€nge die Sicherheit in der Ukraine auch von den europĂ€ischen VerbĂŒndeten ab.

Nato-GeneralsekretĂ€r Rutte nannte es einen großen Schritt, dass Trump zugesagt habe, sich an Sicherheitsgarantien zu beteiligen. «Das ist wirklich ein Durchbruch, und das macht den Unterschied. Auch dafĂŒr danke ich Ihnen.»

Mit Sicherheitsgarantien sind Maßnahmen zum Schutz eines Landes vor Angriffen gemeint.

Russland will keine Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine

Zuvor war ein Nato-Ă€hnliches Schutzversprechen der USA und europĂ€ischer Staaten an die Ukraine im GesprĂ€ch - was letztendlich ein militĂ€risches Eingreifen im Fall eines Überfalls bedeuten wĂŒrde.

Russland lehnte eine Stationierung von Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine zeitgleich mit dem Treffen in Washington erneut ab, nachdem der britische Premierminister Keir Starmer sich dazu bereit erklĂ€rt hatte. Großbritannien strebe mit solchen Szenarien weiter nach einer Eskalation in dem Konflikt und bringe die Nato-Mitglieder an eine gefĂ€hrliche Grenze, von der es bis zu einem großen globalen Konflikt nicht mehr weit sei, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, in Moskau. 

Merz sieht Weg frei fĂŒr Frieden in der Ukraine

Kanzler Merz sieht Chancen fĂŒr ein Ende des Ukraine-Krieges. «Der Weg ist frei.» An Trump gerichtet und mit Blick auf den Alaska-Gipfel mit Putin, sagte er, der US-PrĂ€sident habe diesen Weg am Freitag eröffnet. Merz sprach aber von komplizierten Verhandlungen, die noch bevorstĂŒnden.

Trump empfÀngt Selenskyj diesmal freundlich

Anders als beim letzten Besuch von Selenskyj im Weißen Haus im Februar, bei dem es zu einem einmaligen Eklat gekommen war, empfing Trump ihn diesmal freundlich. Er begrĂŒĂŸte ihn vor der TĂŒr des Weißen Hauses. Beide gaben sich die Hand und lĂ€chelten gemeinsam in die Kameras. Trump legte kurz seine Hand auf Selenskyjs Schulter und ließ diesen dann zuerst das Weiße Haus betreten. 

Auch im ersten Teil des bilateralen Treffens, bei dem Journalisten Fragen stellen konnten, blieb die GesprĂ€chsatmosphĂ€re harmonisch. BefĂŒrchtungen von europĂ€ischer Seite, Selenskyj könnte von Trump wieder Ă€hnlich vorgefĂŒhrt werden wie im Februar, erfĂŒllten sich nicht. Damals hatten der US-PrĂ€sident und sein Vize JD Vance Selenskyj vor laufenden Kameras zurechtgewiesen - der dann Washington vorzeitig verließ. 

Trump erhöht vor Treffen den Druck auf Selenskyj

Unmittelbar vor dem Treffen hatte Trump den Druck auf Selenskyj erhöht. In einem Post auf seiner Plattform Truth Social wandte er sich nicht etwa an Kremlchef Wladimir Putin als Angreifer, sondern schrieb: «Der ukrainische PrÀsident Selenskyj kann den Krieg mit Russland fast sofort beenden, wenn er will, oder er kann weiterkÀmpfen». 

Zugleich erklĂ€rte der Republikaner auch den erhofften Nato-Beitritt der Ukraine und eine RĂŒckgabe der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim fĂŒr unrealistisch. «Manche Dinge Ă€ndern sich nie!!!», schrieb er. Er verwies darauf, dass der damalige US-PrĂ€sident Barack Obama die Annexion der Krim 2014 nicht verhindert habe. Er fĂŒgte in Großbuchstaben hinzu: «KEIN NATO-BEITRITT DER UKRAINE.» 

Territoriale Fragen - was wird aus dem Donbass?

Seit dem Alaska-Gipfel zwischen Trump und Putin am vergangenen Freitag mehren sich unbestĂ€tigte Medienberichte, dass der US-PrĂ€sident die Möglichkeit fĂŒr ein schnelles Friedensabkommen sieht, wenn die Ukraine Russland den gesamten Donbass ĂŒberlĂ€sst. Inbegriffen seien auch strategisch wichtige Gebiete, die russische StreitkrĂ€fte bisher nicht unter ihre Kontrolle bringen konnten.

Ohnehin sind Gebietsabtretungen, die die Ukraine dann hinnehmen mĂŒsste, zuletzt immer wieder diskutiert worden. Zum Beispiel verlangt Russland, dass die Ukraine auf eine Vielzahl von Gebieten verzichtet, was Selenskyj kategorisch ablehnt. 

Kurz vor dem Treffen rĂŒckte die Schwarzmeer-Halbinsel Krim in den Fokus: Trump hĂ€lt eine RĂŒckgabe der 2014 von Russland annektierten Halbinsel fĂŒr unrealistisch, wie er in seinem Post auf Truth Social deutlich machte. Selenskyj hingegen schrieb, die Krim hĂ€tte nie aufgegeben werden dĂŒrfen.

GesprĂ€che in Washington könnten Weg fĂŒr Dreiertreffen ebnen 

Der US-PrÀsident verfolgt den Plan, Putin und Selenskyj direkt an einen Tisch zu bringen. Trumps Treffen mit dem ukrainischen PrÀsidenten könnte - wenn es gut verlÀuft - der entscheidende Zwischenschritt dahin sein. Ziel ist es, ein Ende des russischen Angriffskrieges zu erreichen, den Kremlchef Putin vor fast dreieinhalb Jahren befohlen hatte. Trump sieht sich in der Rolle des Vermittlers und Friedensstifters.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hĂ€lt ein Dreiertreffen fĂŒr entscheidend. «Die Idee eines trilateralen Treffens ist sehr wichtig, denn es ist der einzige Weg, das zu lösen», sagte er. Es brauche einen robusten und langanhaltenden Frieden. Er glaube, dass in der Folge vermutlich auch ein Vierer-Treffen nötig sei - mit Beteiligung Europas.

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