Libanon, Israel

Waffenruhe verlÀngert: Wie geht es weiter im Libanon?

24.04.2026 - 05:00:05 | dpa.de

Hunderte wurden getötet, ein FĂŒnftel der Bevölkerung vertrieben. Nach schwersten Angriffen soll die Feuerpause im Libanon nun drei weitere Wochen gelten. Kommt in dem Krieg die erhoffte Wende?

  • Israel hat im SĂŒdlibanon auch Straßen und BrĂŒcken zerstört. (Archivbild) - Foto: Bilal Hussein/AP/dpa
    Israel hat im SĂŒdlibanon auch Straßen und BrĂŒcken zerstört. (Archivbild) - Foto: Bilal Hussein/AP/dpa
  • Viele RĂŒckkehrer im Libanon finden zu Hause nur noch TrĂŒmmer vor. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpa
    Viele RĂŒckkehrer im Libanon finden zu Hause nur noch TrĂŒmmer vor. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpa
  • Angriffe beider Seiten gab es trotz der geltenden Waffenruhe. (Archivbild) - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
    Angriffe beider Seiten gab es trotz der geltenden Waffenruhe. (Archivbild) - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
Israel hat im SĂŒdlibanon auch Straßen und BrĂŒcken zerstört. (Archivbild) - Foto: Bilal Hussein/AP/dpa Viele RĂŒckkehrer im Libanon finden zu Hause nur noch TrĂŒmmer vor. (Archivbild) - Foto: Hussein Malla/AP/dpa Angriffe beider Seiten gab es trotz der geltenden Waffenruhe. (Archivbild) - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Die Welt schaut auf den Iran und die Straße von Hormus - parallel hofft der Libanon, einer möglichen nĂ€chsten Phase der Eskalation zu entgehen. Israel und die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah-Miliz fĂŒhren dort ebenfalls Krieg. Eine brĂŒchige Waffenruhe, die am spĂ€ten Sonntagabend ausgelaufen wĂ€re, wird US-PrĂ€sident Donald Trump zufolge nun um drei Wochen verlĂ€ngert. Ist das jĂŒngste Kapitel von Tod, Zerstörung und Vertreibung in dem kleinen Land am Mittelmeer damit ĂŒberstanden? Die wichtigsten Fragen:

Warum fĂŒhren Israel und die Hisbollah Krieg?

Die Hisbollah ist eine mĂ€chtige schiitische Miliz und politische Bewegung im Libanon, die vom Iran unterstĂŒtzt wird. Sie kĂ€mpft gegen die Existenz Israels und gilt neben Milizen im Jemen und im Irak als stĂ€rkster VerbĂŒndeter Teherans. Ihr Konflikt hĂ€ngt deshalb eng mit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran zusammen. Der Konflikt der in den 1980er Jahren entstandenen Hisbollah im Kampf gegen Israel reicht aber Jahrzehnte zurĂŒck. 

Die jĂŒngsten Konfrontationen begannen im Zuge des Iran-Kriegs, den die USA und Israel begannen, und nach der Tötung des iranischen RevolutionsfĂŒhrers Ali Chamenei Ende Februar. Wenige Tage spĂ€ter startete die Hisbollah - die «Partei Gottes» - neue Angriffe auf Israel, dessen Armee erneut schwere Luftangriffe im Libanon flog. Seitdem wurden im Libanon mehr als 2.000 Menschen getötet und 1,2 Millionen vertrieben - etwa ein FĂŒnftel der Bevölkerung. 

Wie geht es im Libanon jetzt weiter?

Eine zehntĂ€gige Waffenruhe, die am Sonntagabend ausgelaufen wĂ€re, wird dem US-PrĂ€sidenten zufolge um drei Wochen verlĂ€ngert. Trump kĂŒndigte dies nach einem seltenen Treffen von Vertretern Israels und des Libanons im Weißen Haus an. Libanons Regierung, die keine aktive Partei in dem Krieg ist, hat aber vor einer Aushöhlung der Waffenruhe bei neuen VerstĂ¶ĂŸen der israelischen Armee gewarnt. Auch die Hisbollah hat trotz der geltenden Feuerpause mehrfach Ziele in Israel angegriffen.

Beendet ist der Krieg keineswegs. Wegen der «lockeren» Bedingungen bei VerlĂ€ngerung der Waffenruhe dĂŒrften auch die Angriffe weitergehen, sagt Makram Rabah, Geschichtsprofessor an der Amerikanischen UniversitĂ€t in Beirut (AUB). Trump könnte mit den Treffen in Washington aber auf ein spĂ€teres, umfassenderes Abkommen hinarbeiten. DafĂŒr will er bald Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu und den libanesischen PrĂ€sidenten Joseph Aoun empfangen.

Welche Bedeutung hÀtte ein Treffen Aouns mit Netanjahu?

Eine Begegnung Aouns mit Netanjahu hĂ€tte zumindest symbolisch eine enorme Wirkung. Ihre beiden LĂ€nder sind seit der GrĂŒndung Israels 1948 offiziell im Krieg. Schon die Tatsache, dass in Washington jetzt die Botschafter beider LĂ€nder in den USA direkt miteinander sprechen, gibt etwas Hoffnung, dass irgendwann auch ein umfassenderes Abkommen greifbar sein könnte. 

Die strittigen Punkte werden sich aber nicht schnell ausrĂ€umen lassen. Die wichtigste Frage bleibt in diesen GesprĂ€chen, ob und wie der Libanon und dessen Armee eine Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen können, die diese ablehnt. Und auch, ob Israels Truppen dauerhaft aus dem SĂŒdlibanon abziehen, in dem sie seit anderthalb Jahren wieder eine militĂ€rische PrĂ€senz halten. Der Iran und die Hisbollah lehnen die GesprĂ€che in den USA ab. 

Was will Libanons Regierung und was will die Hisbollah?

Der libanesische PrĂ€sident Joseph Aoun geht so hart gegen die Hisbollah vor wie wohl keiner seiner VorgĂ€nger. Die meisten Teile der Regierung sehen eine Entwaffnung der Hisbollah, die lang wie ein Staat im Staate agierte, heute als beste Chance, um ein Ende von Israels Angriffen zu erreichen. Laut einer Umfrage von 2025 wĂŒnschen sich inzwischen etwa 80 Prozent der Libanesen, dass die Miliz die Waffen abgibt. Viele machen sie direkt fĂŒr die Zerstörung und die humanitĂ€re Krise in dem kleinen Land verantwortlich. «Der Libanon ist fertig mit der Hisbollah», schreibt das Magazin «Foreign Policy».

Zugleich hat die Hisbollah weiterhin große politische Macht und RĂŒckhalt vor allem unter Schiiten. Das liegt auch daran, dass ihre Programme fĂŒr soziale Wohlfahrt etwa in den Bereichen Bildung, Entwicklung und Finanzen örtlichen Gemeinden dort helfen, wo der Staat versagt. MilitĂ€risch ist die Hisbollah aber deutlich geschwĂ€cht und das Arsenal von geschĂ€tzt 150.000 Raketen im Jahr 2023 auf schĂ€tzungsweise 20.000 geschrumpft. Ganz abgeben wird sie die Waffen vorerst wohl nicht. Es gibt auch Sorge, dass solch ein Schritt im Libanon zu konfessioneller Gewalt oder gar einem neuen BĂŒrgerkrieg fĂŒhren könnte.

Was wird aus der UN-Mission im Land?

Seit bald 50 Jahren ĂŒberwachen die Blauhelme von Unifil das Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Israel, die Mission soll aber Ende des Jahres auslaufen. Israel und die USA betrachten den Einsatz als ineffektiv beim Ziel, militĂ€rische AktivitĂ€ten der Hisbollah zu unterbinden. Der Libanon hofft dagegen, dass es auch 2027 noch eine UN-PrĂ€senz geben könnte - die Entscheidung liegt aber beim UN-Sicherheitsrat. Derzeit sind nach UN-Angaben mehr als 7.500 Blauhelm-Soldaten aus rund 50 LĂ€ndern in dem Gebiet stationiert. 

Der Einsatz gilt als einer der gefĂ€hrlichsten weltweit. Erst vor Tagen wurden durch einen Angriff zwei französische Soldaten getötet. Unifil ist es nicht gelungen, im SĂŒdlibanon eine von Waffen befreite Zone zu schaffen. Sie bleibt aber eine Art letzter unabhĂ€ngiger Puffer in einem schwer umkĂ€mpften Gebiet, in dem seit anderthalb Jahren wieder Israels Bodentruppen im Einsatz sind.

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