Jemen-Konflikt, Huthi-Miliz

Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien: Raketen auf Riad und Aramco-Anlagen lösen neue Eskalation aus

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 22:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Huthi-Miliz im Jemen hat Saudi-Arabien mit Raketen und Drohnen angegriffen und dabei nach eigenen Angaben „sensible Ziele“ in Riad sowie Aramco-Anlagen in Yanbu getroffen. Zugleich berichten Augenzeugen von einem Brand am Flughafen Riad, während die Militärkoalition von abgewehrten Angriffen spricht.

  • Die Huthi-Miliz hatte vor gut einer Woche in einer Blitzoffensive die Westküste des Jemen eingenommen. (Archivbild) - Bild: Osamah Yahya/dpa
    Die Huthi-Miliz hatte vor gut einer Woche in einer Blitzoffensive die Westküste des Jemen eingenommen. (Archivbild) - Bild: Osamah Yahya/dpa
  • Die jüngsten Kämpfe sind Teil einer seit einigen Monaten andauernden Eskalation. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/AP/dpa
    Die jüngsten Kämpfe sind Teil einer seit einigen Monaten andauernden Eskalation. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/AP/dpa
Die Huthi-Miliz hatte vor gut einer Woche in einer Blitzoffensive die Westküste des Jemen eingenommen. (Archivbild) - Bild: Osamah Yahya/dpa Die jüngsten Kämpfe sind Teil einer seit einigen Monaten andauernden Eskalation. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Ansar Allah Media Office/AP/dpa

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hat erneute Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Ziele in Saudi-Arabien für sich reklamiert und dabei insbesondere die Hauptstadt Riad und Anlagen des Ölkonzerns Aramco in der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer genannt.

Huthis melden Brände nach Raketen- und Drohnenangriffen

Ein Sprecher der Huthi-Miliz erklärte, die Gruppe habe Dutzende ballistische Raketen und Drohnen gegen "sensible Ziele" in Riad sowie auf Aramco-Anlagen in Yanbu abgefeuert. Die Angriffe hätten demnach mehrere größere Brände ausgelöst. Die saudische Seite bestätigte Angriffe der Huthis auf Riad und weitere Städte, machte jedoch zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden.

Saudi-Arabien verweist auf massive Luftangriffe im Jemen

Nach Darstellung der Huthis waren die jüngsten Attacken eine Reaktion auf mehr als 700 saudische Luftangriffe im Jemen. Saudi-Arabien unterstützt dort die international anerkannte Regierung im anhaltenden Konflikt mit der Huthi-Miliz. Seit der neuen Eskalation im Jemen-Krieg wird das Königreich immer wieder aus dem südlichen Nachbarland beschossen.

Luftabwehr meldet abgefangene Rakete auf Riad

Der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition im Jemen, Turki al-Malki, teilte mit, die saudische Luftabwehr habe am Morgen eine von den Huthis in Richtung Riad abgefeuerte Rakete abgefangen und zerstört. Angriffe auf Yanbu und weitere Städte seien ebenfalls abgewehrt worden.

Brand am Flughafen Riad unterbricht Flugverkehr

Augenzeugen berichteten von einem Brand eines Treibstofftanks am internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt, der den Flugverkehr vorübergehend unterbrach. Eine offizielle Stellungnahme zur Ursache des Brandes lag zunächst nicht vor.

Huthis sichern Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab

Bereits vor gut einer Woche hatte die Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die Westküste des Jemen eingenommen und sich damit Zugriff auf die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer verschafft. Sie verfügt damit praktisch über uneingeschränkten Zugriff auf die Wasserstraße, was für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr einen erheblichen Rückschlag bedeutet.

Bedeutung für saudische Ölexporte über das Rote Meer

Die Bedeutung von Bab al-Mandab hat in der aktuellen Krise an der Straße von Hormus weiter zugenommen. Saudi-Arabien versucht, einen Teil seiner Ölexporte nach Asien über das Rote Meer umzuleiten. Wird die Route durch die Kontrolle der Huthis zusätzlich gefährdet, stehen zentrale Exportwege des Königreichs unter Druck.

Kämpfe in der Provinz Marib nach gescheiterter Waffenruhe

Unterdessen meldeten die Streitkräfte der von Riad unterstützten jemenitischen Regierung auf der Plattform X, sie hätten einen Infiltrationsversuch der Huthi-Miliz im Süden der ölreichen Provinz Marib vereitelt. Dabei seien zwölf Huthi-Kämpfer getötet und weitere verletzt worden, die übrigen Kämpfer seien aus dem Gebiet geflohen.

Aufkündigung der Waffenruhe und erneute Eskalation

Die jüngsten Kämpfe sind Teil einer seit einigen Monaten andauernden Eskalation. Eine seit 2022 bestehende Waffenruhe war von den Huthis aufgekündigt worden, nachdem Saudi-Arabien einen Flug aus Teheran nach Sanaa verhindert hatte. Seitdem sind die Kämpfe inmitten des sich ausweitenden Krieges, an dem auch der Iran beteiligt ist, erneut aufgeflammt und stürzen das ohnehin schon verarmte Land noch tiefer in den Bürgerkrieg.

Regionale Eskalation und strategische Dimension

Die erneuten Angriffe der Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien fügen sich in eine Phase deutlich verschärfter Gewalt im Jemen-Konflikt ein. Die Miliz steht im Bürgerkrieg der international anerkannten Regierung gegenüber und wird politisch und militärisch vom Iran unterstützt. Der Beschuss saudischer Städte und Infrastruktur zeigt, dass der Konflikt längst über die Grenzen des Jemen hinausreicht und sich zu einem regionalen Stellvertreterkrieg entwickelt hat, in dem Iran und Saudi-Arabien um Einfluss ringen.

Besonders brisant ist die gleichzeitige Kontrolle der Huthis über die Westküste des Jemen und damit über die Meerenge Bab al-Mandab, eine der wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean. Diese Lage fällt in eine Zeit, in der die Schifffahrt durch die Straße von Hormus beeinträchtigt ist und Saudi-Arabien seine Ölexporte verstärkt über das Rote Meer und den Hafen Yanbu abzuwickeln versucht. Werden nun sowohl Pipelineverbindungen als auch Seewege bedroht, steigt das Risiko für Lieferunterbrechungen und Preissprünge auf den Energiemärkten deutlich.

Folgen für Sicherheit, Energie und internationale Akteure

Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf „sensible Ziele“ wie Flughäfen und Anlagen des Staatskonzerns Aramco verdeutlichen die Verwundbarkeit zentraler Infrastruktur Saudi-Arabiens. Zugleich zeigt die Abwehrmeldung der Militärkoalition, dass Riad seine Luftverteidigung massiv einsetzt, um Großschäden zu verhindern. Für internationale Akteure, die auf stabile Öl- und Warenströme angewiesen sind, bedeutet die Kombination aus innerjemenitischer Eskalation, iranischer Einflussnahme und Huthi-Kontrolle über Bab al-Mandab eine Verdichtung von Sicherheitsrisiken entlang wesentlicher Energie- und Handelsrouten.

Innenpolitische und humanitäre Dimension

Im Inneren des Jemen verschärfen die jüngsten Kämpfe um die Provinz Marib und der gescheiterte Waffenstillstand die ohnehin dramatische Lage der Zivilbevölkerung. Die Wiederaufnahme intensiver Kampfhandlungen nach dem Ende der Waffenruhe lässt Hilfslieferungen und Wiederaufbauprogramme ins Stocken geraten. Für Leser in Europa und Deutschland ist der Konflikt nicht nur außenpolitisch relevant, sondern wirkt sich über Energiepreise, Lieferketten und Flüchtlingsbewegungen indirekt auch auf den Alltag aus. Die anhaltende Instabilität erhöht zudem den Druck auf diplomatische Initiativen der Vereinten Nationen und regionaler Vermittler, um neue Verhandlungen über einen Waffenstillstand und politische Lösungen anzustoßen.

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