Kolonialverbrechen, Steinmeier

Deutsche Kolonialverbrechen: Steinmeier bittet um Verzeihung

01.11.2023 - 12:28:35 | dpa.de

«Ich verneige mich vor den Opfern der deutschen Kolonialherrschaft», sagte der BundesprÀsident am zweiten Tag seiner Tansania-Reise. Beim Maji-Maji-Museum ehrte er die Toten.

BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier in einer Klasse der Maji-Maji Grundschule in Songea. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier in einer Klasse der Maji-Maji Grundschule in Songea. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Rund 100 Jahre nach dem Ende der blutigen deutschen Kolonialherrschaft in Ostafrika hat sich BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier bei den Nachfahren der mehreren hunderttausend Opfer entschuldigt.

«Als deutscher BundesprĂ€sident möchte ich um Verzeihung bitten fĂŒr das, was Deutsche hier Ihren Vorfahren angetan haben», sagte er bei einem Besuch in der tansanischen Stadt Songea. Er versicherte den Nachfahren, dass Deutschland zu einer gemeinsamen Aufarbeitung der Vergangenheit bereit sei. Steinmeier erhielt dafĂŒr Beifall.

300.000 Tote im Maji-Maji-Krieg

Steinmeier traf sich am zweiten Tag seiner Tansania-Reise in Songea mit einer Familie, deren Vorfahr - Chief Songea Mbano - 1906 mit 66 weiteren AnfĂŒhrern von den deutschen Kolonialherren hingerichtet wurde. Er gilt heute als Nationalheld. Die Besatzungsmacht schlug damals in einem brutal gefĂŒhrten Krieg einen Aufstand der unterdrĂŒckten Menschen in ihrer Kolonie Deutsch-Ostafrika nieder.

Der so genannte Maji-Maji-Krieg von 1905 bis 1907 kostete nach tansanischen SchÀtzungen bis zu 300.000 Menschen das Leben. Die deutsche Kolonialgeschichte endete 1918 mit der Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg.

Steinmeier besuchte in Songea, einem der HauptschauplÀtze des Krieges, das Maji-Maji-Museum und legte am Grab von Chief Songea Mbano eine rote Rose und am Sammelgrab der anderen KÀmpfer einen Kranz nieder. Das Treffen mit den Nachfahren fand im kleinsten Kreis ohne Journalisten statt.

Gebeine der Opfer des Kolonialkrieges

Der BundesprĂ€sident sagte im Anschluss: «Ich trauere mit Ihnen um Chief Songea und um die anderen Hingerichteten. Ich verneige mich vor den Opfern der deutschen Kolonialherrschaft.» Es beschĂ€me ihn, was deutsche Kolonialsoldaten den Menschen hier angetan hĂ€tten. Zugleich versicherte Steinmeier den Nachfahren: «Ich verspreche Ihnen, dass wir uns gemeinsam mit Ihnen darum bemĂŒhen werden, den SchĂ€del von Chief Songea in Deutschland zu finden.» Er könne allerdings leider nicht versprechen, dass dies erfolgreich sein werde, weil dies wissenschaftlich schwierig sei.

In deutschen Museen und Sammlungen liegen noch viele SchĂ€del und Gebeine der Opfer des Kolonialkrieges. Ihre Nachfahren wĂŒnschen sich, dass diese zurĂŒck nach Tansania kommen, damit ihre Vorfahren endlich angemessen begraben sind.

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