Union, Europawahlkampf

Union setzt im Europawahlkampf Fokus auf militÀrische StÀrke

03.03.2024 - 16:26:33 | dpa.de

Im Juni steht die Europawahl an. CDU und CSU wollen nicht nur Ursula von der Leyen an der Macht halten. Das gemeinsame Wahlprogramm will auch verunsicherten StammwÀhlern Halt geben.

CDU-Chef Friedrich Merz (l) und CSU-Chef Markus Söder plĂ€dieren fĂŒr mehr RĂŒstungsgĂŒter. - Foto: Michael Kappeler/dpa

Im Europawahlkampf setzen CDU und CSU ihren Fokus auf eine massive AufrĂŒstung der EuropĂ€ischen Union, inklusive FlugzeugtrĂ€ger und eigenem Raketenschirm. Zudem fordern die beiden Unionsparteien einen eigenen EU-Verteidigungskommissar.

«Die Sicherheitslage in Europa hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verĂ€ndert, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Es zeigt sich: FĂŒr Europas Sicherheit und Wehrhaftigkeit mĂŒssen wir deutlich mehr tun. Wir brauchen eine umfassende Sicherheitsagenda fĂŒr die EU», heißt es im Entwurf des Wahlprogramms der Union. 

25 Seiten fĂŒr mehr europĂ€ische VerteidigungsfĂ€higkeit

Das 25-seitige Papier hat den Titel «Mit Sicherheit Europa - FĂŒr ein Europa, das schĂŒtzt und nĂŒtzt» und wurde am Sonntag an die Mitglieder beider ParteiprĂ€sidien verschickt. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor und soll bei einer gemeinsamen Sitzung der beiden ParteiprĂ€sidien am 11. MĂ€rz in Berlin beschlossen werden.

«Wir wollen eine bessere Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die Europa zu einem handlungsfĂ€higen Akteur und einer starken Stimme in der Welt macht», heißt es weiter. Ziel seien europĂ€ische StreitkrĂ€fte im Sinne einer gestĂ€rkten europĂ€ischen Verteidigungsunion, eingebettet in die Strukturen der Nato, «um gemeinsam verteidigungsfĂ€hig zu sein».

Um das zu erreichen, sollten die nationalen StreitkrĂ€fte mehr in einer europĂ€ischen Verteidigungsunion zusammenarbeiten. «Dabei soll auch das Vereinigte Königreich als eine fĂŒhrende europĂ€ische MilitĂ€rmacht bestmöglich eingebunden werden.» Ferner wollen CDU und CSU Europa unabhĂ€ngiger und widerstandsfĂ€higer machen: «Die transatlantische Partnerschaft mit den USA ist stark, aber wir mĂŒssen mehr dafĂŒr tun. Das Erstarken extremistischer, antiliberaler KrĂ€fte und antiwestliche Parallelgesellschaften bedrohen das Fundament des europĂ€ischen Projekts und der freiheitlichen Demokratie.»

Ruf nach Kampfflugzeugen, Panzern, Drohnen und FlugzeugtrÀgern

AntieuropĂ€ischen Tendenzen erteilt die Union eine Absage, es brauche einen europĂ€ischen Binnenmarkt und kein nationales Klein-Klein. Das gelte fĂŒr RĂŒstungsgĂŒter wie fĂŒr RĂŒstungsexporte. «Wir wollen militĂ€rische AusrĂŒstung wie Kampfflugzeuge, Kampfpanzer, Drohnen und FlugzeugtrĂ€ger gemeinsam mit europĂ€ischen Partnern entwickeln und beschaffen.» Die Verteidigungsindustrie in Europa mĂŒsse wachsen. Zudem mĂŒsse der nĂ€chste langfristige Haushalt der EU deutlich mehr Mittel fĂŒr militĂ€rische BedĂŒrfnisse bereitstellt und so die Anstrengungen der Mitgliedstaaten ergĂ€nzen.

Ferner spricht sich die Union fĂŒr den Aufbau eines europĂ€ischen Raketenabwehrschirms und eine Sicherheitsagenda fĂŒr die EU aus. «Sie muss in enger Verzahnung von Mitgliedstaaten und Nato erarbeitet werden. Wir brauchen – auch in einer verkleinerten Kommission – einen EU-Kommissar fĂŒr Verteidigung.» 

Der Ukraine wird weiter «umfassende UnterstĂŒtzung» zugesprochen, dagegen distanziert sich die Union von Russland: «Ein Russland, das diesen verbrecherischen Angriffskrieg fĂŒhrt, kann kein Partner sein.» Zugleich betonen CDU und CSU ihre Hoffnung, «dass ein anderes Russland» eines Tages als Partner zurĂŒckgewonnen werden könne.

Konservative StammwÀhler im Sinn

Die Europawahl im Juni bezeichnet die Union auch aus anderen GrĂŒnden als dem Ukraine-Krieg als wegweisend fĂŒr Sicherheit und Wohlstand auf dem Kontinent: «Mit dem Aufstieg Chinas verĂ€ndern sich die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in der Welt grundlegend. Die digitale Transformation, KĂŒnstliche Intelligenz und der Kampf gegen den Klimawandel verwandeln die Wirtschaftswelt sehr.»

DarĂŒber hinaus fasst der Entwurf viele bekannte Positionen der Union zusammen - sie alle zielen darauf ab, konservative StammwĂ€hler an sich zu binden. So wird weiter ein besserer Grenzschutz gegen irregulĂ€re Migration gefordert, Asylverfahren sollen nach dem Willen von CDU und CSU in sichere Drittstaaten außerhalb Europas ausgelagert werden. BĂŒrokratie soll abgebaut und es sollen EU-Freihandelsabkommen mit den USA, SĂŒdamerika und im asiatisch-pazifischen Raum abgeschlossen werden.

Ziel: FĂŒr Atomenergie, gegen Verbrenner-Verbot

Die EU solle auch mehr Geld fĂŒr Forschung und Entwicklung ausgeben - Ziel seien drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bei der Energieversorgung betonen CDU und CSU ihren Willen, die Kernenergie weiter zu nutzen: «Wir können auf diese Option derzeit nicht verzichten.» Das eigentlich bereits beschlossene Verbot fĂŒr Fahrzeuge mit Verbrennermotoren soll abgeschafft werden. Den innereuropĂ€ischen Zusammenhalt will die Union mit einer Betonung auf eine europĂ€ische Leitkultur stĂ€rken, Bargeld soll erhalten bleiben, und eine SchuldenĂŒbernahme von Mitgliedsstaaten wird weiter abgelehnt. 

Als Reaktion auf die Proteste der Landwirte in Europa gibt sich die Union dialogbereit, und mit Blick auf den Wolf fordert sie erneut eine Herabsetzung des strengen Schutzstatus. Mit Großbritannien soll die Zusammenarbeit intensiviert werden, einem EU-Beitritt der TĂŒrkei wird abermals eine Absage erteilt.

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