Der Kreml gerÀt im Ukraine-Krieg zunehmend unter Druck
28.06.2026 - 14:27:54 | dpa.de
Das in der Nacht zum Sonntag ausgebrochene Feuer in einer Raffinerie im Gebiet Krasnodar ist fĂŒr viele Russen inzwischen ein vertrautes Bild. Allein an diesem Wochenende haben die Ukrainer nach eigenen Angaben drei Anlagen der russischen Ălindustrie mit Drohnen getroffen. Daneben haben ukrainische Raketen eine RĂŒstungsfabrik in der Millionenstadt Wolgograd stark beschĂ€digt. Die stĂ€ndigen EinschlĂ€ge offenbaren wachsende Probleme der russischen KriegsfĂŒhrung.
Mehr als 200 ukrainische Drohnen will das russische MilitĂ€r in der Nacht abgefangen haben. Allerdings kamen genĂŒgend durch, um einen GroĂbrand in der Raffinerie in Slawjansk-na-Kubani anzurichten. Das Feuer in der Anlage bestĂ€tigte Gouverneur Wenjamin Kondratjew, der auf seinem Telegramkanal auch von einem Todesopfer schrieb. Mehrere HĂ€user, eine Strom- und eine Gasleitung seien zudem beschĂ€digt worden, teilte er mit.
RauchsÀulen zeugen von SchÀden in der Raffinerie
Auf den in sozialen Netzwerken verbreiteten Bildern und Videos sind Stunden spĂ€ter noch kilometerhohe schwarze RauchsĂ€ulen ĂŒber der Raffinerie zu sehen. Wegen ihrer Lage in unmittelbarer NĂ€he zur von Russland annektierten Halbinsel Krim haben die Ukrainer die Raffinerie schon mehrfach attackiert und beschĂ€digt.Â
Auch andere russische Regionen wie Jaroslawl oder Iwanowo nordöstlich von Moskau meldeten Drohnenangriffe. WĂ€hrend die russischen Behörden keine Angaben zu den Folgen machten, erklĂ€rte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj spĂ€ter, auch in Jaroslawl sei eine Raffinerie angegriffen worden. Ob es SchĂ€den an der Anlage gegeben hat und wie schwer sie sind, blieb dabei unklar. Die Ukrainer haben die Raffinerie in Jaroslawl in der Vergangenheit aber schon mehrfach beschĂ€digt, was zu teuren Reparaturen und lĂ€ngeren Ausfallzeiten fĂŒhrte.
Wichtige RĂŒstungsfabrik getroffen
Einen ebenso empfindlichen Schlag landete Kiew einen Tag zuvor in Wolgograd. Dort attackierte das ukrainische MilitĂ€r mit Marschflugkörpern des Typs Flamingo aus eigener Produktion die RĂŒstungsfabrik Titan-Barrikady. «Das ist eine Ă€uĂerst wichtige Fabrik», betonte der unabhĂ€ngige russische MilitĂ€ranalyst Jan Matwejew. «Sie stellt Raketenanlagen und Geschosse fĂŒr die Komplexe Jars, Sarmat, Iskander sowie fĂŒr die Panzerhaubitze Msta her», sagte er.Â
Jars (Nato-Code SS-27) und Sarmat (Nato-Bezeichnung Satan 2) sind dabei strategische Waffen, die prinzipiell auch Atomsprengköpfe tragen können. Daher sei auch anzunehmen, dass die Fabrik an der Entwicklung der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik beteiligt gewesen sei, mutmaĂt Matwejew.
Krise wird ersichtlichÂ
WĂ€hrend der Einschlag in der RĂŒstungsfabrik spektakulĂ€re Bilder produzierte, hat der andauernde Beschuss von Ălanlagen im Alltag der Russen tiefere Spuren hinterlassen: Die Treibstoffkrise, die auf der 2014 von Russland annektierten Krim ihren Anfang nahm, hat inzwischen fast sĂ€mtliche Regionen des Landes erfasst. Lange Schlangen bilden sich an den Tankstellen, die noch Benzin verkaufen. Auf der Krim geben die Tankstellen derweil Treibstoff gar nicht mehr an Privatpersonen ab.Â
Nach den Internetabschaltungen ist dies nun das zweite offensichtliche Zeichen auch fĂŒr groĂe Schichten der Bevölkerung, dass der 2022 von PrĂ€sident Wladimir Putin befohlene Krieg bei weitem nicht so lĂ€uft wie gedacht. Die Kritik mehrt sich - selbst bei eingefleischten Patrioten.Â
Neuer Kritiker erst einmal hinter Gittern
Hatte im April die eigentlich auf Lifestyle-Themen spezialisierte Bloggerin Viktoria Bonja moniert, dass hohe Beamte aus Angst vor Putin diesem Probleme verheimlichten, meldete sich nun ein Ex-Frontsoldat zu Wort.Â
Er forderte auf der in Russland eigentlich verbotenen Plattform Instagram ultimativ ein Treffen mit Putin, um ihm «die ganze Wahrheit ĂŒber das, was bei uns im Land passiert», zu sagen. An der Front wĂŒrden Soldaten von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequĂ€lt und verheizt, klagte er. Sollte sich der Kremlchef weigern, drohte er mit «ernsten Konsequenzen». Die Armee wĂŒrde dann ihre Waffen auf den Kreml richten, sagte er. Wie bei Bonja wurde auch dieses Video vielfach gesehen und geliked.
Im Gegensatz zu Bonja, auf deren Kritik der Kreml sich zur Versicherung genötigt sah, die Probleme seien bekannt und in Arbeit, reagierte die russische Obrigkeit diesmal in bewĂ€hrter Manier. Die Polizei durchsuchte das Haus des MilitĂ€rbloggers und nahm ihn anschlieĂend in Ordnungshaft â zunĂ€chst einmal fĂŒr elf Tage.
