Baerbock wirbt in Kolumbien um engere Partnerschaft
Veröffentlicht: 08.06.2023 um 17:26 Uhr, dpa.deAuĂenministerin Annalena Baerbock hat in Kolumbien fĂŒr eine engere Partnerschaft im Energie- und Klimabereich mit dem viertgröĂten lateinamerikanischen Land geworben. In der Stadt Cali im Department Valle del Cauca gut 100 Kilometer vom Pazifik entfernt traf die GrĂŒnen-Politikerin die kolumbianische VizeprĂ€sidentin Francia MĂĄrquez. Unter anderem ging es um den Friedensprozess in dem Land. Zudem dĂŒrften die Themen Klima, Energie, Rohstoffe und Frauenrechte angesprochen worden sein.
Kolumbien hat etwa 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Cali ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die drittgröĂte Stadt des Landes. Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem BĂŒrgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten ParamilitĂ€rs und dem MilitĂ€r.
Regierung Petro will erneuerbare Energien ausbauen
Die Regierung von PrĂ€sident Gustavo Petro will die erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Die Bundesregierung setzt unter anderem hier auf eine VerstĂ€rkung der Zusammenarbeit mit dem Land. Auch vor dem Hintergrund chinesischer Einflussversuche etwa im Rohstoffbereich in Lateinamerika bemĂŒht sie sich um eine engere Partnerschaft. Petro ist seit August 2022 im Amt. Kolumbien ist an der Produktion, der Nutzung und dem Export von grĂŒnem Wasserstoff interessiert. Auch hier könnte es Zusammenarbeit geben. Traditionell gilt Kolumbien als enger Partner Deutschlands beim Klimaschutz.
Francia MĂĄrquez - Menschenrechtsaktivistin und UmweltschĂŒtzerin
SpĂ€ter will Baerbock MĂĄrquez den Preis fĂŒr Frauenrechte und Demokratie des deutsch-lateinamerikanisch-karibischen Frauennetzwerks «Unidas» (deutsch: «Vereinigt») ĂŒberreichen. Die 41-JĂ€hrige ist die erste schwarze VizeprĂ€sidentin Kolumbiens. Sie bekommt den Preis fĂŒr ihren Einsatz fĂŒr die Rechte von Frauen und Afrokolumbianern sowie den Kampf gegen illegalen Bergbau. Die Menschenrechtsaktivistin und UmweltschĂŒtzerin kĂ€mpfte gegen illegale Goldsucher, es gab schon mehrere AnschlĂ€ge auf sie. 2018 erhielt sie fĂŒr ihren Einsatz den renommierten Goldman-Preis.
«Unidas» wurde 2019 ins Leben gerufen. Es ist Bestandteil der Lateinamerika- und Karibik-Initiative des AuswÀrtigen Amts, bei der Baerbock die Schirmherrschaft hat.
52 Jahre BĂŒrgerkrieg und ein Friedensprozess
Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem BĂŒrgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten ParamilitĂ€rs und dem MilitĂ€r. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. Zwar hat sich die Sicherheitslage nach dem Friedensabkommen 2016 zwischen der Regierung und der gröĂten Rebellengruppe Farc verbessert. Noch immer werden aber Teile des Landes von illegalen Gruppen kontrolliert.
Da die Wiedereingliederung in das zivile Leben oftmals gescheitert ist, haben sich viele ehemalige KĂ€mpfer wieder kriminellen Banden angeschlossen. Vor allem die Gewalt gegen soziale Aktivisten, Indigene und UmweltschĂŒtzer hat deutlich zugenommen. PrĂ€sident Gustavo Petro will nun den «totalen Frieden» erreichen. Allerdings kommt es dabei immer wieder zu RĂŒckschlĂ€gen, unter anderem weil sich die bewaffneten Gruppen nicht an den Waffenstillstand halten.
In Havanna fand am Donnerstag die dritte Runde der FriedensgesprĂ€che zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation ELN statt. Die erwartete VerkĂŒndung eines Waffenstillstands kam vorerst nicht zustande. Eine Veranstaltung zum Abschluss der GesprĂ€che wurde kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben. Man habe StaatsprĂ€sident Gustavo Petro und den Antonio GarcĂa genannten ELN-AnfĂŒhrer um einen weiteren Tag gebeten, um die Texte der erreichten Abkommen fertigzustellen, teilte die marxistisch-leninistische Guerillagruppe mit.
Podiumsdiskussion zu feministischem Friedensprozess
Am Abend (Ortszeit) will Baerbock das deutsch-kolumbianische Friedensinstitut Capaz besuchen und an einer Podiumsdiskussion zur feministischen Friedenspolitik und zum Friedensprozess in dem Land teilnehmen. Das Institut ist ein Zusammenschluss verschiedener UniversitĂ€ten beider LĂ€nder und wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert. Capaz soll den Friedensprozess in Kolumbien unterstĂŒtzen und wissenschaftlich begleiten.
