Trumps Wunschinsel Grönland vor Regierungswechsel
12.03.2025 - 06:00:40 | dpa.deDie von US-PrĂ€sident Donald Trump umworbene Insel Grönland steht vor einem Regierungswechsel. Zwei Oppositionsparteien wurden bei der Parlamentswahl auf der gröĂten Insel der Erde die neuen stĂ€rksten KrĂ€fte im grönlĂ€ndischen Parlament Initsisartut. Beide Parteien haben unterschiedliche Vorstellungen, wie man hin zu einer möglichen UnabhĂ€ngigkeit vom Königreich DĂ€nemark vorgeht.Â
Die sozialliberale Demokraatit (Demokraten) kam nach vorlĂ€ufiger AuszĂ€hlung aller Stimmen auf 29,9 Prozent. Die auf eine schnelle Loslösung von DĂ€nemark pochende Naleraq erreichte 24,5 Prozent. Der Rundfunksender KNR rief Demokraatit bereits am frĂŒhen Morgen als Sieger der Wahl aus. Etwas mehr als 40.000 GrönlĂ€nderinnen und GrönlĂ€nder durften ihre Stimmen abgeben.Â
Dem erst 33 Jahre alten Demokraatit-Chef Jens-Frederik Nielsen wird es nun zufallen, sich an der Bildung der nĂ€chsten grönlĂ€ndischen Regierung zu versuchen. Er kĂŒndigte noch in der Nacht an, seine Hand in Richtung aller weiteren Parteien auszustrecken - auch zur Naleraq. Diese wird in weiten Teilen des politischen Spektrums kritisch betrachtet. Zu ihr gehören einige der wenigen Politiker, die sich zwischenzeitlich positiv ĂŒber Trumps Begehrlichkeiten geĂ€uĂert hatten.Â
«Wir werden natĂŒrlich mit ihnen reden, genau wie mit allen anderen», sagte Nielsen nach Angaben des dĂ€nischen Rundfunksenders DR in der Wahlnacht. «Das ist die zweitgröĂte Partei, daher kommen wir um sie nicht herum.» Er sprach sich demnach gleichzeitig fĂŒr einen «ruhigen Kurs» gegenĂŒber den USA aus und dafĂŒr, dass zunĂ€chst «ein Fundament» geschaffen werden mĂŒsse, ehe man ĂŒber eine StaatsgrĂŒndung sprechen könne. Auch Naleraq-Chef Pele Broberg wollte eine Zusammenarbeit der beiden Parteien nicht ausschlieĂen.
Trump-Debatte prÀgt Wahl
Die Parlamentswahl stand stark unter dem Eindruck von Trumps BesitzansprĂŒchen. Er hatte in den vergangenen Monaten immer wieder erklĂ€rt, die Kontrolle ĂŒber die gröĂte Insel der Erde ĂŒbernehmen zu wollen. Er begrĂŒndet diese Forderung wahlweise mit der nationalen oder der internationalen Sicherheit.
Zuletzt hatte sich Trump in die heiĂe Phase des Wahlkampfes eingemischt, indem er den GrönlĂ€ndern ĂŒber seine Plattform Truth Social neue ArbeitsplĂ€tze und Reichtum versprach. In dem Beitrag lud er die knapp 57.000 Einwohner der Insel kurz vor der Wahl noch einmal ein, «ein Teil der groĂartigsten Nation der Welt» zu werden, wenn sie das wollten.
So einfach, wie Trump sich das vorstellt, ist es allerdings nicht. Anders als etwa im Falle Alaskas 1867 können die USA Territorium heutzutage nicht einfach von anderen Staaten abkaufen. Eine klare Mehrheit der GrönlÀnder ist einer Umfrage zufolge zudem dagegen, Teil der USA zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es zum jetzigen Stand völlig unrealistisch, dass die nÀchste grönlÀndische Regierung dem Trump-Wunsch in irgendeiner Weise Folge leistet.
Herbe Verluste fĂŒr Regierungsparteien
Im Zuge der Trump-Debatte ist Regierungschef MĂște B. Egede zum internationalen Gesicht Grönlands geworden. Er hatte immer wieder deutlich gemacht, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe, aber durchaus Interesse an einer stĂ€rkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA habe, etwa beim Abbau der immensen Rohstoffvorkommen auf der Insel.Â
Egede hatte sich dabei als besonnener und um Einheit bemĂŒhter AnfĂŒhrer bewiesen - etwas, das die WĂ€hler mit ihren Stimmen offensichtlich nicht ausreichend goutieren wollten. Seine linke Partei Inuit Ataqatigiit (IA) und ihr sozialdemokratischer Koalitionspartner Siumut verloren jeweils um die 15 Prozentpunkte, womit sie noch auf 21,4 beziehungsweise 14,7 Prozent kamen.
«Wir respektieren den Ausgang der Wahl», schrieb Egede auf Facebook. «Jetzt beginnt die Arbeit in der neuen Wahlperiode. Und wir sind gespannt zu hören, was die Parteien fĂŒr die Verhandlungen anbieten werden - wir sind bereit.»
Die groĂe UnabhĂ€ngigkeitsfrage
Bei der Regierungsbildung wird vor allem interessant zu beobachten sein, wie sich die beteiligten Parteien in der UnabhĂ€ngigkeitsfrage und zur Zukunft des angespannten VerhĂ€ltnisses zu DĂ€nemark verhalten. Der GroĂteil der sechs angetretenen Parteien war sich im Wahlkampf im Grundsatz einig gewesen, dass Grönland eines Tages von seiner einstigen Kolonialmacht DĂ€nemark unabhĂ€ngig werden sollte.Â
Uneins sind sie sich aber, wann der richtige Zeitpunkt dafĂŒr gekommen sein könnte: WĂ€hrend Naleraq fĂŒr eine schnelle Abspaltung der Insel von DĂ€nemark einsteht, möchte Demokraatit wie andere Parteien deutlich langsamer vorgehen. In ihrem Wahlprogramm machen die Demokraten zwar klar, dass die UnabhĂ€ngigkeit «das Ziel» sei - aber auch, dass dafĂŒr zunĂ€chst die richtigen Bedingungen geschaffen werden mĂŒssten.Â
Hauptknackpunkt ist dabei Grönlands nach wie vor starke finanzielle AbhĂ€ngigkeit von Kopenhagen. «Wir mĂŒssen unsere Wirtschaft um etwa fĂŒnf Milliarden Kronen (670 Mio. Euro) pro Jahr verbessern, wenn wir politische UnabhĂ€ngigkeit anstreben und gleichzeitig das derzeitige Wohlstandsniveau aufrechterhalten wollen», heiĂt es dazu im Demokraatit-Wahlprogramm. Ein Weg dorthin - das haben nicht zuletzt Egedes Aussagen gezeigt - könnte eine stĂ€rkere wirtschaftliche Kooperation mit den USA sein.
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