Heusgen fĂŒr Erweiterung von G7-Format
07.09.2023 - 05:59:07 | dpa.deDer Chef der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, hat sich angesichts der internationalen KrĂ€fteneuordnung und einer immer aggressiver auftretenden chinesischen Regierung fĂŒr eine Erweiterung des G7-Formats wirtschaftsstarker Demokratien ausgesprochen. «Ich halte es fĂŒr wichtig, dass sich die Gruppe der G7 erweitert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er ergĂ€nzte: «Die Runde zeichnet sich ja dadurch aus, dass es sich um LĂ€nder handelt, die gemeinsame Werte teilen. Es sind demokratische, marktwirtschaftliche LĂ€nder.»
Der G7-Runde wirtschaftsstarker Demokratien, gehören neben Deutschland auch Frankreich, Italien, Japan, Kanada, die USA und GroĂbritannien an.
«Schlagkraft des G7-Formats erhöhen»
Heusgen fĂŒgte an: «Wir sehen aber auch, dass das relative Gewicht, vor allem das wirtschaftliche Gewicht dieser LĂ€nder abnimmt. Eine Erweiterung fĂ€nde ich auch deswegen logisch.» Vorstellbar sei, dass das G7-Format demokratisch aufgestellte LĂ€nder auch aus anderen Kontinenten aufnehmen könne, «SĂŒdkorea und Australien zum Beispiel. Das könnte die Schlagkraft des G7-Formats erhöhen.»
Der Vorschlag Heusgens ist auch als Reaktion auf die Versuche der chinesischen Regierung zu verstehen, ihre Macht international auszuweiten. Beim Gipfeltreffen der Brics-Gruppe wichtiger SchwellenlĂ€nder in Johannesburg war im August die Erweiterung der Runde um sechs Mitglieder angekĂŒndigt worden. Neben Argentinien sollen zum 1. Januar 2024 Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ăgypten und Ăthiopien der Allianz der wichtigen SchwellenlĂ€nder beitreten. SĂŒdafrika hat aktuell den Vorsitz, dem Format gehören bislang auch Brasilien, Russland, Indien und China an.
Brics-Allianz will Gegengewicht bilden
Ziel der Erweiterung der Brics-Allianz ist es, ein Gegengewicht zur geopolitischen und wirtschaftlichen Dominanz des Westens zu bilden. Auch ihre AbhÀngigkeit vom US-Dollar als globale LeitwÀhrung möchten die Brics-LÀnder reduzieren.
Die Staats- und Regierungschefs der G20-Runde der wichtigsten Industrie- und SchwellenlÀnder kommen an diesem Samstag und Sonntag in der indischen Hauptstadt Neu Delhi zusammen. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wird erwartet. Der Runde gehören neben Deutschland, Frankreich und den USA unter anderem auch Russland und China an.
Auf die Frage, ob eine G7-Erweiterung das G20-Format der wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€nder aller Kontinente entwerten wĂŒrde, erinnerte Heusgen daran, dass die G20-Runde im Zusammenhang mit der Weltfinanzkrise 2008/2009 ins Leben gerufen wurde. «Dort sind LĂ€nder vertreten, die fĂŒr die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung weltweit wichtig sind. Aber das sind nicht durchweg Demokratien.»
Heusgen sagte, auch bei G20 mĂŒsse man ĂŒberlegen, ob und wie man sie gegebenenfalls erweitere. «Ich halte die Idee, die ja auch von Bundeskanzler Scholz vertreten wird, die G20 um die Afrikanische Union zu erweitern, fĂŒr eine gute Idee.»
China und Indien als wichtige Akteure
Die Entscheidung des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping, nicht zum G20-Gipfel nach Indien zu reisen, bewertete Heusgen zurĂŒckhaltend. «NatĂŒrlich ist es nicht schön, dass der chinesische PrĂ€sident nicht kommt», sagte er. «Allerdings wissen wir ja auch um die Spannungen zwischen China und Indien, insbesondere in den Grenzregionen.» Es könne sein, dass diese Spannungen bei der Absage eine Rolle gespielt hĂ€tten.
Indien löse China als bevölkerungsreichstes Land ab und sei unter Premierminister Narendra Modi sehr selbstbewusst geworden, sagte Heusgen. «Vielleicht wollte PrĂ€sident Xi mit seiner Absage Modi in die Gipfelsuppe spucken», ergĂ€nzte er. Die Absage verdeutliche: «Die vor kurzem in SĂŒdafrika zelebrierte Einigkeit der Brics-Staaten ist nur sehr oberflĂ€chlich.»
Der 68 Jahre alte Heusgen war auĂen- und sicherheitspolitischer Berater der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Von 2017 bis Juni 2021 arbeitete er als StĂ€ndiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York.
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