Drohnen-Streit: Lettlands Regierungschefin tritt zurĂŒck
14.05.2026 - 13:27:35 | dpa.de   Lettlands Regierungschefin Evika Silina hat nach dem Bruch ihrer Regierungskoalition ihren RĂŒcktritt bekanntgegeben. Die 50 Jahre alte Liberalkonservative zog damit die Konsequenzen aus der AnkĂŒndigung eines ihrer beiden BĂŒndnispartner, den Fortbestand der Koalition nicht mehr zu unterstĂŒtzen. Dies sei keine leichte, aber die richtige Entscheidung in dieser Situation, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Riga.
Die linksgerichteten Progressiven hatten zuvor Silina wegen eines politischen Streits ĂŒber DrohnenvorfĂ€llen an der Grenze zu Russland das Vertrauen entzogen und StaatsprĂ€sident Edgars Rinkevics aufgefordert, Konsultationen zur Bildung einer neuen Regierung aufzunehmen. Sie begrĂŒĂten die AnkĂŒndigung von Silina, die knapp fĂŒnf Monate vor den Parlamentswahlen erfolgte.
Rinkevics hat nach Angaben seines BĂŒros das Demissionsschreiben von Silina erhalten. Der Staatschef, der den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen muss, kĂŒndigte an, sich am Freitag mit allen im Parlament vertretenen Parteien zu treffen. Drei davon haben sich bereits grundsĂ€tzlich darauf verstĂ€ndigt, zusammenarbeiten zu wollen - darunter ist mit dem Bund der GrĂŒnen und Bauern auch eine bisherige Regierungspartei. Sie hĂ€tten zusammen aber noch keine Mehrheit im Parlament.Â
Drohnenvorfall löst politische Krise aus
Auslöser der politischen Krise in dem baltischen EU- und Nato-Land war der RĂŒcktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds. Der Progressiven-Politiker hatte sein Amt am Sonntag nach den jĂŒngsten DrohnenvorfĂ€llen im Luftraum des an Russland und Belarus grenzenden Landes auf Druck von Silina hin niedergelegt.Â
In Lettland waren in der Vorwoche zwei Drohnen abgestĂŒrzt, die nach MilitĂ€rangaben von Russland aus in den Luftraum des Baltenstaats eingeflogen waren. Die Flugobjekte stĂŒrzten in Rezekne auf ein Ăllager. Die Tanks waren leer, es gab weder Verletzte oder Toten noch gröĂere SchĂ€den. Bereits zuvor hatte zwei DrohnenvorfĂ€lle gegeben. Spruds stand deshalb in der Kritik - und wurde von Silina dafĂŒr verantwortlich gemacht.
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Die Regierungschefin wollte den Posten des Verteidigungsministers nun mit dem MilitÀroberst Raivis Melnis besetzen - und nicht mehr mit einem Vertreter ihres Koalitionspartners. Dagegen gab es Vorbehalte nicht nur der Progressiven, sondern teils auch ihres anderen Regierungspartners.
«GegenwĂ€rtig haben politische Eifersucht und engstirnige Parteiinteressen Vorrang vor Verantwortung», sagte Silina, die selbst starken VorwĂŒrfen ausgesetzt war. Die Oppositionsparteien riefen die Regierungschefin zum RĂŒcktritt auf und wollten ein Misstrauensvotum einleiten, dem sich auch die Progressiven anschlieĂen wollten. Dem kam Silina nun zuvor.
Regierung bleibt vorerst weiter im Amt
In Lettland fĂŒhrt der RĂŒcktritt des Regierungschefs gemÀàVerfassung automatisch auch zu dem des gesamten Ministerkabinetts. Bis zur BestĂ€tigung einer neuen Regierung bleibt die alte aber weiter geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt.Â
Nicht darunter sein wird aber Agrarminister Armands Krauze vom Bund der GrĂŒnen und Bauern, der von Silina noch vor ihrem RĂŒcktritt suspendiert wurde. Krauze war zuvor von der Anti-Korruptionsbehörde KNAB im Zusammenhang mit Ermittlungen in der Holzindustrie vorlĂ€ufig festgenommen worden.
Silina hatte im September 2023 die Regierungsspitze ĂŒbernommen - als zweite Regierungschefin in der Geschichte Lettlands, das am 3. Oktober ein neues Parlament wĂ€hlt.
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