Ein bisschen Abzug? USA verÀndern MilitÀrprÀsenz im Irak
27.09.2024 - 21:30:17 | dpa.de
Die USA wollen ihre militĂ€rische PrĂ€senz im Irak neu ausrichten. Hochrangige US-Regierungsbeamte kĂŒndigten einen zweistufigen «Ăbergang» an - weg von der bisherigen internationalen MilitĂ€rkoalition in dem Land und hin zu einer bilateralen Sicherheitspartnerschaft. Eine ranghohe US-Regierungsvertreterin betonte in Washington: «Um es klar zu sagen: Die Vereinigten Staaten ziehen ihre Truppen nicht aus dem Irak ab.» Die Amerikaner hielten sich mit Details allerdings extrem bedeckt und lieĂen damit viele Fragen offen.Â
Die USA fĂŒhren im Irak und Syrien eine internationale Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, die «Operation Inherent Resolve». Der Einsatz begann, nachdem der IS im Jahr 2014 groĂe Teile des Irak und des Nachbarlandes Syrien ĂŒberrannt hatte. Mit UnterstĂŒtzung des Anti-IS-BĂŒndnisses, an dem sich auch die Bundeswehr beteiligt, konnten die irakischen SicherheitskrĂ€fte die Extremisten nach und nach zurĂŒckdrĂ€ngen. 2017 erklĂ€rte der Irak den militĂ€rischen Sieg ĂŒber den IS, dessen Zellen im Land aber aktiv blieben und weiter AnschlĂ€ge verĂŒbten. Seit 2021 bestand die Mission der Koalition ĂŒberwiegend aus Ausbildungs- und Beratungsaufgaben.Â
ErklĂ€rtes Ziel war es zuletzt, gemeinsam mit den irakischen StreitkrĂ€ften, ein Wiedererstarken des IS verhindern. Beobachtern zufolge ging es den USA aber auch darum, den Einfluss ihres Erzfeindes Iran zu begrenzen. Demnach diente die PrĂ€senz der US-Truppen im Irak auch dazu, die Versorgungslinien fĂŒr den Iran etwa bei Waffenlieferungen zu unterbrechen und proiranische Milizen in der Region abzuschrecken.Â
Eine Neuaufstellung mit vielen Fragezeichen
Bis Ende September 2025 sei eine erste Phase des Ăbergangs geplant, in der die PrĂ€senz von Truppen der MilitĂ€rkoalition an «bestimmten Standorten im Irak» beendet werden solle. Der Einsatz des BĂŒndnisses in Syrien gehe jedoch weiter. «Die USA und Irak erkennen an, dass der IS in Syrien weiterhin eine erhebliche Bedrohung fĂŒr die Region darstellt», sagte die ranghohe US-Regierungsvertreterin. Um eine RĂŒckkehr der Terrorbedrohung durch den IS aus Nordostsyrien zu verhindern, hĂ€tten die USA und der Irak vereinbart, «dass die Koalition in der zweiten Phase des Ăbergangs bis mindestens September 2026 die Operationen zur BekĂ€mpfung des IS in Syrien vom Irak aus weiter unterstĂŒtzen kann».
Konkrete Details, was die Neuaufstellung fĂŒr die Zahl der US-Soldaten und ihre Stationierung an bestimmten Orten im Irak bedeutet, nannten die amerikanischen Regierungsvertreter auch auf diverse Nachfragen nicht. Die GesprĂ€che dazu gingen weiter, hieĂ es. Im Zuge des Ăbergangs könne es zu zahlenmĂ€Ăigen VerĂ€nderungen kommen und auch zu einer VerĂ€nderung der Aufgaben der US-Soldaten, um den bilateralen Interessen besser gerecht zu werden, sagte die Beamtin und betonte erneut: «Wir ziehen nicht ab.»Â
Auch Bundeswehr will im Irak bleiben
Neben der Operation Inherent Resolve gibt es im Irak seit 2018 eine Nato-Mission, die der Ausbildung und StĂ€rkung von MilitĂ€r und SicherheitskrĂ€ften dient. Auch daran ist die Bundeswehr beteiligt. Verteidigungsminister Boris Pistorius warb im Bundestag um Zustimmung fĂŒr die weitere Beteiligung der Bundeswehr am internationalen MilitĂ€rengagement im Irak. Die Bedrohung durch IS-Terror sei nicht gebannt, mahnte er. FĂŒr die BekĂ€mpfung der Gefahr sei der Irak ein SchlĂŒsselland, ebenso fĂŒr die StabilitĂ€t der immer volatiler werdenden Region.Â
Die Bundesregierung will weiter bis zu 500 MĂ€nner und Frauen der Bundeswehr in das Land entsenden können. Das Mandat dafĂŒr soll bis zum 31. Januar 2026 laufen. «Nato Mission Irak soll auf Wunsch Iraks fortgefĂŒhrt werden», sagte Pistorius. «Operation Inherent Resolve soll perspektivisch beendet werden.»
Soldaten im Visier Iran-treuer Milizen
Derzeit sind laut US-Regierung etwa 2.500 amerikanische Soldaten im Irak stationiert. In Syrien waren es nach Angaben des Pentagon vom April rund 700. Bei den Einsatzorten handelte es sich um teils kleine StĂŒtzpunkte mitten in der WĂŒste. Mit dem Iran verbĂŒndete Milizen haben seit Ausbruch des Gaza-Kriegs vor fast einem Jahr Hunderte Angriffe auf diese Standorte fĂŒr sich beansprucht. Als wichtigster VerbĂŒndeter Israels wurden die USA fĂŒr den Iran und seine Stellvertreter noch mehr zum Feindbild als zuvor.Â
Rufe nach einem Abzug - und Warnungen davorÂ
Iraks MinisterprĂ€sident Mohammed al-Sudani steht unter Druck von Iran-treuen Gruppen, politischen Parteien und Milizen, den Abzug der US-Truppen voranzutreiben. Es gebe «keine Rechtfertigung» mehr fĂŒr die groĂe US-PrĂ€senz im Land, betonte er mehrmals. Die von den USA angefĂŒhrte MilitĂ€rkoalition gegen den IS sei nicht lĂ€nger nötig. Die Gruppe sei besiegt und stelle keine wirkliche Herausforderung mehr dar.Â
Beobachter gehen davon, dass die Terrororganisation zwar keine existenzielle Bedrohung mehr fĂŒr den Irak darstellt. Die irakischen SicherheitskrĂ€fte selbst verfĂŒgen aber nur ĂŒber begrenzte KapazitĂ€ten und haben etwa Schwierigkeiten bei der Koordination von Boden- und LufteinsĂ€tzen. Besonders in kurdischen Gebieten wird ein Truppenabzug im Land skeptisch gesehen, auch wegen der aus dem Land agierenden und vom Iran unterstĂŒtzen Milizen.
Experten warnen, ein Abzug der US-Truppen könnte ein Vakuum schaffen, das irakische SicherheitskrĂ€fte nicht ausgleichen könnten. Dies berge die Gefahr, dass proiranische Gruppen, Ăberbleibsel des IS und andere Gruppierungen den Irak noch stĂ€rker als Operationsbasis fĂŒr Angriffe gegen die USA und ihre VerbĂŒndeten, nicht zuletzt Israel, nutzen könnten.Â
Die geteilte Stimmung dĂŒrfte mit ein Grund dafĂŒr sein, dass die Amerikaner sich bei den Details zu ihrer kĂŒnftigen Aufstellung derart zurĂŒckhalten und vorerst eine Zwischenlösung verkĂŒnden: eine noch nicht nĂ€her definierte VerĂ€nderung, aber keinen Abzug.
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