Israel: Eisenkot erhÀlt Auftrag zur Regierungsbildung
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 16:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheitsoptionen in der Knesset
- Herzog erteilte Eisenkot den Auftrag in seiner Residenz in Jerusalem.
- Bei der Wahl am 27. Oktober erhielt der Likud 27 und Jaschar 21 Mandate.
- Eisenkot hat 28 Tage Zeit; Herzog kann die Frist um höchstens 14 Tage verlÀngern.
Eisenkot erhÀlt Auftrag zur Regierungsbildung in Israel
Der israelische PrĂ€sident Izchak Herzog hat dem Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot offiziell den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erteilt. Eisenkots Mitte-Partei Jaschar lag bei der jĂŒngsten Parlamentswahl zwar hinter dem Likud von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu, doch Eisenkot erhielt bei den Konsultationen mit den Parteien die meisten Empfehlungen.
67 Empfehlungen reichen nicht fĂŒr eine Mehrheit
Bei den GesprĂ€chen empfahlen Parteien mit insgesamt 67 der 120 Sitze Eisenkot fĂŒr die Regierungsbildung. Das garantiert jedoch keine Koalition, weil zwischen und innerhalb der politischen Lager erhebliche Konflikte bestehen.
Eisenkot hat zunÀchst 28 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden. Herzog kann diese Frist um höchstens 14 Tage verlÀngern; scheitert Eisenkot, darf der PrÀsident einen anderen Kandidaten beauftragen.
Netanjahu bleibt mögliche Alternative
Als möglicher Nachfolger gilt Netanjahu. Bei der Parlamentswahl am 27. Oktober wurde sein Likud mit 27 Mandaten stÀrkste Kraft, wÀhrend Jaschar auf 21 Sitze kam.
Netanjahu hatte zuletzt eine Regierung der nationalen Einheit mit dem Likud, ultraorthodoxen Parteien und den rechtsextremen Parteien Religiöser Zionismus und Ozma Jehudit vorgeschlagen. Zugleich warnte er vor einer Regierung, die auf arabische Parteien angewiesen wÀre.
Opposition benötigt Stimmen auĂerhalb des eigenen Lagers
Eisenkot bezeichnete Netanjahus Aufruf als âbillige PR-Mascheâ. Er erklĂ€rte, eine stabile Regierung bilden, eine weitere Wahl verhindern und Netanjahu aus dem Amt drĂ€ngen zu wollen.
Sein Oppositionslager verfĂŒgt ĂŒber 48 der 120 Sitze. Die arabischen Parteien Vereinte Liste und Raam kommen zusammen auf 19 Mandate und empfahlen Eisenkot, doch innerhalb des Oppositionslagers gibt es Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit oder eine Duldung durch arabische Parteien.
Wehrpflicht wird zum zentralen Streitpunkt
Auch die ultraorthodoxen Parteien Vereinigtes Thora-Judentum und Schas könnten mit zusammen 13 Sitzen eine knappe Mehrheit ermöglichen. Schas empfahl jedoch Netanjahu und wies Berichte ĂŒber eine Beteiligung an Eisenkots Regierung zurĂŒck; UTJ verzichtete auf eine Empfehlung.
Ein Hauptkonflikt ist die Wehrpflicht. Eisenkot fordert einen Dienst fĂŒr alle BĂŒrger, wĂ€hrend Schas und UTJ weitreichende Ausnahmen fĂŒr ultraorthodoxe Juden verlangen.
Koalition mit dem Likud nur ohne Netanjahu
Rechnerisch wĂ€re auch eine groĂe Koalition mit dem Likud möglich. Voraussetzung wĂ€re allerdings ein FĂŒhrungswechsel an der Spitze der Partei, da eine Zusammenarbeit des Oppositionslagers mit Netanjahu nicht vorgesehen ist.
Ob Eisenkot eine gemeinsame Regierung zustande bringt, hĂ€ngt damit von mehreren konkurrierenden BĂŒndnisoptionen und der Bereitschaft der Parteien zu Kompromissen ab.
Der Regierungsauftrag an Gadi Eisenkot folgt auf eine Wahl, bei der keine Partei die fĂŒr eine Regierungsbildung ausreichende Mehrheit von 61 der 120 Knesset-Sitze erreichte. Entscheidend ist deshalb nicht allein, welcher Politiker die meisten Empfehlungen erhĂ€lt, sondern ob er innerhalb der vorgegebenen Fristen ein tragfĂ€higes BĂŒndnis formieren kann.
Eisenkots Lager verfĂŒgt nach der dpa-Meldung ĂŒber 48 Sitze. FĂŒr eine Mehrheit ist es damit auf Partner auĂerhalb des eigenen Oppositionsblocks angewiesen. Die arabischen Parteien könnten die fehlenden Stimmen liefern, ihre Einbindung stöĂt jedoch bei Teilen des Lagers auf Widerstand. Auch ein BĂŒndnis mit ultraorthodoxen Parteien wĂ€re rechnerisch möglich, kollidiert aber mit Eisenkots Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht.
Koalitionsbildung unter hohem Zeitdruck
Die Frist von zunÀchst 28 Tagen setzt Eisenkot unter Druck. Scheitert er, kann PrÀsident Herzog einen weiteren Kandidaten beauftragen; als naheliegende Alternative gilt Netanjahu, dessen Likud bei der Wahl stÀrkste Kraft wurde. Damit bleibt der Regierungsauftrag an Eisenkot zunÀchst ein offener Koalitionsprozess und kein gesicherter Machtwechsel.
FĂŒr die politische Richtung Israels wĂ€ren die Verhandlungen dennoch weitreichend. Eisenkots vier Grundprinzipien verbinden staatspolitische Fragen, die Stellung der arabischen Minderheit, die Wehrpflicht und den Umgang mit der Hamas. Gerade diese Themen berĂŒhren zentrale Konflikte zwischen sĂ€kularen, religiösen, arabischen und nationalkonservativen Parteien.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âEisenkot erhĂ€lt Regierungsauftrag in Israel: Netanyahu unterliegt nach Wahlenâ (08.11.2026)
Der Beitrag berichtet ebenfalls ĂŒber Eisenkots Auftrag nach der Wahl ohne klaren Sieger. Im Mittelpunkt steht dabei stĂ€rker der politische Machtverlust Netanjahus, wĂ€hrend die konkreten KoalitionshĂŒrden offenbleiben.
Der Deutschlandfunk bestÀtigt den Auftrag durch PrÀsident Herzog und konzentriert sich auf den formalen Vorgang. Der Artikel setzt damit einen institutionellen Schwerpunkt, wÀhrend die dpa-Meldung vor allem die schwierige Mehrheitsbildung und mögliche Alternativen beschreibt.
Ăbereinstimmend ist der Regierungsauftrag an Eisenkot der zentrale Vorgang. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung: Machtwechsel und Verfahren stehen neben der offenen Frage, ob Eisenkot tatsĂ€chlich eine Koalition mit mindestens 61 Stimmen bilden kann.
